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Hier war noch alles okay. Inzwischen ist das Jesuskind verschwunden.

Wer macht sowas?

Friedberg: "Bitte gebt uns unser Kind zurück!" - Wer hat Jesus gestohlen?

"Bitte gebt uns unser Kind zurück!", appelliert die Friedberger Pfarrerin Susanne Domnick an diejenigen, die das Jesuskind vom Altar der Stadtkirche genommen haben. Es ist nicht der erste Diebstahl dort. Nun aber ist Jesus weg. Und deshalb wird die Kirchengemeinde wohl aufrüsten.

  • Jesus-Figur aus Stadtkirche Friedberg gestohlen
  • Nicht der erste Fall dieser Art
  • Jetzt soll eine Kamera in der Kirche angebracht werden

Friedberg - Am Samstag hat das Jesuskind, so groß wie eine Kiwi, noch im Schoß seiner Mutter Maria gelegen. Nun ist die kleine Holzfigur verschwunden. Jemand muss sie gestohlen haben. Die anderen Figuren sind noch da: Maria mit langen Zöpfen, Josef als Zimmermann, ein Hirte mit Hund und Hirtenstab und drei Menschen aus dem einfachen Volk – eine Frau, die ein Kind schiebt, ein Mann, der seinen Hut abnimmt. Doch vom Sohn Gottes keine Spur.

Pfarrerin Susanne Domnick bittet den Dieb darum, den kleinen Jesus behutsam einzupacken und ihn bei ihr in der Mainzer-Tor-Anlage 11 in den Briefkasten zu legen. In den Mutterschoß auf den Altar der Stadtkirche kann Jesus nicht mehr gebracht werden, denn die Figuren sind mittlerweile in der Sakristei verstaut. Weihnachten ist eben schon etwas länger her.

Friedberg: Jesus war schon einmal verschwunden

Vor ein paar Jahren sei Jesus schon einmal verschwunden gewesen, sagt Domnick. Allerdings habe man ihn in der Kirche wiedergefunden: Jemand habe der Figur eine Schnur um den Hals gebunden und sie am Weihnachtsbaum aufgehängt. Diese Variante kommt nun nicht in Frage, weil in der Stadtkirche mittlerweile kein Weihnachtsbaum mehr steht.

Fast genau zwei Jahre ist es her, als die WZ schon einmal über Diebstahl in der Stadtkirche berichtete. Damals hatte sich gerade eine Kuriosität ereignet: Jemand hatte die Jahreszahl von der Osterkerze abgefriemelt. Die Zahl bestand aus der roten Hülle von Babybel-Käse, der materielle Schaden war also gleich Null. Allerdings waren in der Vergangenheit auch schon Bibel, Tassen, Blumenübertöpfe, Bilder, ein Parament und eine Kasse gestohlen worden. "In der Stadtkirche wird alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist", sagte Domnick Ende 2017.

Friedberg: "So was Kleines kann man natürlich leicht mitgehen lassen"

"In den letzten zwei Jahren war es relativ ruhig", stellte die Pfarrerin nun am Freitag fest. Bis jetzt. Im Jahre 1954 hatte der damalige Pfarrer Dr. Engel die Krippenfiguren in Auftrag gegeben. Der Münchner Künstler Karl Hemmeter schuf die Holzfiguren eigens für den Ziborienaltar der Stadtkirche. "Bestechende Schlichtheit der Figuren, ganz nah und menschlich", sagt Domnick. Hemmeter sei ein "sehr anerkannter Künstler" gewesen. "Seine Kreuze und Kirchenausstattung werden sehr hoch gehandelt."

Das Jesuskind liegt normalerweise wahlweise im Schoß seiner Mutter oder in der Krippe. "So was Kleines kann man natürlich leicht mitgehen lassen", sagt die Pfarrerin. "Wenn die Kirche offen ist, dann ist auch jemand da", verweist sie auf das Aufsichtspersonal. Trotzdem kam das Jesuskind weg. Seien mehr Menschen in der Kirche, dann brauche man weniger Aufsicht. Es sei dann viel schwieriger, etwas zu stehlen. "Wenn man alleine in der Kirche ist, gibt es keine soziale Kontrolle."

Friedberg: Nun soll Kamera in Kirche kommen

In eine Kirche gehörten keine Kameras, hatte Domnick vor zwei Jahren gesagt, Angesichts des erneuten Vorfalls gibt es in der evangelischen Kirchengemeinde Friedberg nun aber ein Umdenken. Jetzt werde man eine Kamera installieren müssen, kündigt die Pfarrerin an. Und vielleicht werde die Krippe künftig mit Glas abgedeckt.

Die Hoffnung auf eine Rückkehr des Gottessohnes in die Stadtkirche hat Domnick aber noch nicht aufgegeben: "Wer immer den Jesus in die Tasche gesteckt hat – bitte bringen Sie ihn zurück! Er ist für das Ensemble unverzichtbar", appelliert sie an den Dieb. Sollte das Holzbaby wieder auftauchen, dann werden die Figuren nochmal aufgestellt – auch wenn Weihnachten dann noch länger vorbei ist. Einfach, weil das Kind dann wieder da ist.

agl

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