Betreiberfamilie scheitert vor Gericht

Die Alligator-Farm bleibt vorerst zu

„Herzlich Willkommen im Krokodilzoo“ verspricht weiterhin der Anrufbeantworter der Alligator-Farm Renz in Friedberg-Ockstadt. Und das trotz des kürzlich ergangenen Urteils vom Gießener Verwaltungsgericht, das einen Eilantrag der Familie gegen Auflagen der Naturschutzbehörde vorerst ablehnt.

Beide streitenden Parteien, also sowohl die Familie Renz als Betreiber der Alligator-Farm in Friedberg als auch die Obere Naturschutzbehörde, angesiedelt beim Regierungspräsidium Darmstadt, wollen erst einmal die eigentliche Hauptverhandlung abwarten. Vonseiten der Familie Renz heißt es am Telefon kurz angebunden: „Wie es weitergeht, entscheidet unser Rechtsanwalt.“ Und auch das Darmstädter Regierungspräsidium will erst den weiteren Prozessverlauf abwarten, bevor weitere Schritte veranlasst werden.

„Bei dem Urteil des Verwaltungsgerichts ging es doch erst um den Eilantrag der Familie Renz auf Rechtsschutz gegen die Auflage der Naturschutzbehörde. Der ist abgelehnt worden. Die eigentliche Entscheidung, ob die Auflage rechtens ist, steht somit noch aus“, erklärt die Sprecherin des Regierungspräsidiums Nicole Ohly-Müller gegenüber dieser Zeitung.

Die Alligator-Farm in Friedberg-Ockstadt bietet seinen Besuchern – nach eigenen Angaben „weltweit einzigartig“ – nicht nur die Möglichkeit, Krokodile aus nächster Nähe zu sehen und zu beobachten, sondern sie auch anzufassen, zu füttern und sogar mit ihnen zu schwimmen. Dies wollte der Wetteraukreis bereits 2014 nach dem unaufgeklärten Tod einer Elefantenkuh mit der Begründung der „tierschutzrechtlichen Unzuverlässigkeit“ untersagen, scheiterte dann aber vor Gericht. Es gebe keine erkennbaren Zusammenhänge zwischen dem Tod der Elefantenkuh und dem Betrieb der Alligator-Farm.

Außerdem habe es in den mehr als zweieinhalb Jahrzehnten, seitdem die Familie Renz die Alligator-Farm betreibt, nie schwerwiegende Mängel in der Tierhaltung gegeben. Das räumt inzwischen auch das Veterinäramt des Wetteraukreises ein. „Wir haben den Betrieb im vergangenen Jahr dreimal überprüft und keine Beanstandungen feststellen können“, sagt Kreissprecher Michael Elsass.

Die Obere Naturschutzbehörde beanstandete deshalb auch nicht mehr die Tierhaltung an sich, sondern die ungewöhnliche Art und Weise, wie den Besuchern Zutritt zu den Tieren gewährt wird. Sie untersagte deshalb mit sofortiger Wirkung den Zutritt zu den Bereichen der Alligator-Farm, in denen keine durchgängige Trennbarriere zwischen Besuchern und Krokodilen besteht und die einen direkten Kontakt zwischen Besuchern und Krokodilen ausschließt – außer die Besucher sind volljährig und wurden auf die Gefahren ausdrücklich hingewiesen.

Die Familie Renz wehrte sich gegen diese Auflage. Es habe bisher noch nie Zwischenfälle gegeben, und außerdem verfüge man über die „Eignung zum Führen der Krokodile und Alligatoren“.

Dieser Ansicht folgte das Gericht jedoch nicht. Seiner Ansicht nach könne die Naturschutzbehörde die Barriere nach dem Bundesnaturschutzgesetz fordern, weil der Zoo in der Form, wie er in Friedberg betrieben werde, nicht rechtskonform sei. Paragraph 121 des Ordnungswidrigkeitengesetzes untersage es nämlich, dass sich gefährliche Tiere wie beispielsweise Alligatoren ohne die nötigen Vorsichtsmaßnahmen bewegen können.

Da sich die Tiere auf der Alligator-Farm mit den Menschen im selben Raum bewegten, sei der Tatbestand der Ordnungswidrigkeit erfüllt. Deshalb müsse entweder die Barriere gebaut oder der Betrieb eingestellt werden.

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