+
Auch nach über zehn Jahren steht die ehemalige Friedberger US-Kaserne leer. Die Stadt will hier vor allem Wohnungen bauen. Die müssen, fordert das Bündnis ?WIR?, bezahlbar sein.

Bürgerbündnis fordert

Auf dem Areal der US-Kaserne sollen geförderte Wohungen gebaut werden

Die Bebauung der seit 10 Jahren leerstehenden US-Kaserne lässt auf sich warten. Das neu gegründete Bündnis „WIR“ will, dass dort mindestens 500 geförderte Wohnungen entstehen. Es übt harsche Kritik an der Stadt. Die zeigt sich gesprächsoffen.

Das Bündnis „WIR“ fordert für die ehemalige Kaserne in Friedberg ein Planungskonzept, „das auf demokratische Bürger-Beteiligung setzt“. Grundlegende soziale und ökologische Standards sollten dabei berücksichtigt werden. Wie Brigitte Mergner, Horst Weitzel und Klaus Kissel in einer Mitteilung schreiben, gehe die Entwicklung der Kaserne in die nächste Runde, doch noch immer habe die Kommunalpolitik „keinerlei Ideen, in welche Richtung es gehen soll“.

Nach deren Willen soll in der Kaserne ein gemischt genutztes Stadtquartier entstehen. Mehr hätten die Politiker nicht vorzuweisen, kommentieren die „WIR“-Sprecher. Nun solle mit der BOH (Bauland Offensive Hessen) zusammengearbeitet werden. Hierzu wird eine Machbarkeitsstudie benötigt. „Soweit war die Stadt Friedberg schon einmal bei der Preisermittlung durch die BIMA“, heißt es weiter.

Das Bürgerbündnis fordert die Stadt auf, „endlich aktiv zu werden und preisgünstigen Wohnraum zu schaffen“. Zwischenzeitlich sei in Friedberg eine Entwicklung eingetreten, die Wohnen für Geringverdiener, die untere Mittelschicht oder auch für Familien unbezahlbar mache.

Ändern kann die Stadt das nach Ansicht des Bündnisses nur, wenn sie die „Verscherbelung“ kommunalen Bodens an Investoren stoppe. Im Wortlaut: „Der Boden muss in kommunaler Hand verbleiben, um Spekulationen zur Gewinnmaximierung zu verhindern“, so das Bündnis. Friedberg solle eine eigene Gesellschaft für Planung und Gestaltung gründen, Genossenschaften beteiligen und sich an gemeinschaftlichen Wohnformen ausrichten. Mindestens 500 geförderte Wohnungen seien nötig. Der Vorwurf: „Dieser Bedarf ist seit Jahren in Friedberg bekannt.“

Die gesamte Infrastruktur, die Wohnungen sowie Gewerbe und öffentliche Einrichtungen sollen nach Ansicht von „WIR“ unter neuesten ökologischen und sozialen Anforderungen geplant und umgesetzt werden. Das ist eine zentrale Forderung des Bündnisses. Nur eine frühe Bürgerbeteiligung könne verhindern, dass eine eigene „Stadt am Rande der Stadt“ entstehe.

Andere Städte vorgemacht, wie man Kasernen entwickelt. Friedberg laufe Gefahr, „von einer modernen, ökologisch und sozial ausgerichteten Stadtentwicklung vollkommen abgehängt zu werden“. Spekulationen könne man nur verhindern, wenn die Kommune Grund und Boden in eigener Hand halte. „Selbst in Millionenstädten wie Wien werden durch die öffentliche Förderung von Wohnraum preisgünstige Mieten angeboten.“

Mergner, Weitzel und Kissel sind sich sicher, dass ihre Vorstellungen „jede Menge Kritiker auf den Plan rufen“, dass die Ideen als „völlig unrealistisch“ abgetan würden. „Nur: Wohin haben uns all diese Bedenken gebracht? Viele Menschen werden begeistert sein, wenn sie ernsthaft ihre Stadt mitgestalten dürfen“, schreiben sie.

„Das Bündnis läuft mit seinen Forderungen bei uns in offene Türen“, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Die Stadtverordnetenversammlung habe die Teilnahme an der BOH zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum im Konversionsgelände beschlossen. Antkowiak: „Die Entwicklung selbst wird mit dem Stadtentwicklungskonzept ISEK kombiniert, so dass jeder Bürger in den entsprechenden ISEK-Gruppen mitarbeiten kann.“ Eine „Verscherbelung“ der Flächen werde es nicht geben, verspricht der Bürgermeister und ergänzt: „Die Stadtspitze hat erst kürzlich die Stadt Hanau und das dortige Konversionsgelände besucht und sich von den beteiligten Akteuren von ihren Erfahrungen berichten lassen.“ Soll heißen: Es läuft.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare