In Seniorenheimen wie dem Erasmus-Alberus-Haus gilt ein striktes Betretungsverbot. 
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In Seniorenheimen wie dem Erasmus-Alberus-Haus gilt ein striktes Betretungsverbot. 

Mitarbeiter in Quarantäne

Corona-Fälle in Wetterauer Seniorenheim bestätigt - Bewohner bereits verstorben

Nach den Gerüchte über Infizierte im Erasmus-Alberus-Haus in Friedberg ist nun klar: Es haben sich mehrere Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Eine Frau ist bereits verstorben.

Update, 17.4.2020, 14.54 Uhr: Im Erasmus-Alberus-Haus in Friedberg gibt es mehrere Corona-Fälle. Eine Frau ist bereits an den Folgen verstorben. Der Leiter des Seniroenheims, Jürgen Brandt, hat damit am Freitag Informationen der Redaktion für zutreffend erklärt, nachdem er bei einer ersten Anfrage entsprechende Meldungen weder bestätigen noch dementieren wollte. 

Nach Angaben von Brandt hatte die Verstorbene, eine 91-jährige Frau die vor einer Woche im Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhaus verstorben ist, Vorerkrankungen und wurde dann positiv auf Covid-19 getestet. In der Bad Nauheimer Klinik konnte ihre Leben nicht gerettet werden. Der Einrichtungsleiter zeigt sich sehr betroffen: "Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit ihren Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der 91-Jährigen."

Aktuell sind Brandt zufolge drei Bewohner positiv auf Covid-19 getestet, zwei wurden am Donnerstag ins Krankenhaus verlegt. Eine Frau, die sich ebenfalls mit dem Coronavirus infiziert hat, wird weiter im Erasmus-Alberus-Haus versorgt. Vier weitere Bewohner mit unterschiedlichen Symptomen befinden sich ebenfalls in der Klinik. "Es ist derzeit unklar, ob sie mit Corona infiziert sind", sagt Brandt.

Corona-Fälle in Wetterauer Seniorenheim: Alle Fälle in einem Wohnbereich

Die acht betroffenen Senioren lebten alle im Wohnbereich 3 des Hauses. In den beiden anderen Abteilungen gibt es nach Auskunft des Einrichtungsleiters bisher keine Verdachtsfälle. Wie die Redaktion am Freitag berichtete, hat sich ein Mitarbeiter vorsichtshalber in Quarantäne begeben.

Oberstes Ziel sei weiterhin, Infektionen zu vermeiden. Trotz des bereits am 23. März ausgesprochenen vollständigen Besuchsverbots, sei es zu einer Übertragung mit dem Corona-Virus gekommen. Brandt: "Alle Pflegekräfte wurden und werden kontinuierlich auf eine mögliche Corona-Infektion überprüft und sind auch in allen Fragen der persönlichen Hygiene geschult." Mitarbeiter, die in dem betroffenen Wohnbereich tätig seien, trügen FFP 2-Masken. In den beiden anderen, völlig abgegrenzten Abteilungen seien die Pflegekräfte mit Mund-Nasen-Masken ausgestattet. Damit die Isolation des betroffenen Wohnbereichs sichergestellt werden könne, erfolge kein Personalwechsel zwischen den drei Stationen des Seniorenheims. Außerdem werde eine zusätzliche Nachtwache eingesetzt.

Die Einrichtung kooperiert nach Angaben ihres Leiters eng mit dem Wetterauer Gesundheitsamt. Alle Vorsichtsmaßnahmen, die dem Schutz von Bewohnern und Mitarbeitern dienen, werden mit dieser Behörde abgestimmt.

Corona-Fälle in Wetterauer Seniorenheim?

Erstmeldung, 17.4.2020, 8 Uhr: Die Liste der Todesfälle in Seniorenheimen, die in Zusammenhang mit dem Coronavirus gebracht werden, ist deutschlandweit lang. Breitet sich die Erkrankung in einer solchen Einrichtung aus, fordert sie oft mehrere Opfer unter den Bewohnern. Aktuell gibt es Gerüchte über Infizierte im Erasmus-Alberus-Haus in Friedberg, das zur Gesellschaft für diakonische Einrichtungen gehört. Einrichtungsleiter Jürgen Brandt will diese Meldungen "weder bestätigen noch dementieren". Seine zusätzliche Bemerkung: "Corona ist überall."

Zurzeit befindet sich laut Brandt ein Mitarbeiter des Seniorenheims in Quarantäne. Er sei allerdings nicht getestet worden, ob eine Infektion vorliege, bleibe deshalb vorerst unklar. Nach den Worten des Einrichtungsleiters wird im Erasmus-Alberus-Haus eine konsequente Linie zum Schutz von Bewohnern und Personal verfolgt. "Es herrscht ein striktes Betretungsverbot", sagt Brandt. Ausnahmen gelten nur für Ärzte und für Angehörige, deren Familienmitglied im Sterben liegt. Kontaktmöglichkeiten stünden in erster Linie per Telefon, WhatsApp oder Skype zur Verfügung. "Manche entdecken auch das Briefeschreiben wieder." Es komme auch vor, dass Bewohner am offenen Fenster stehen und mit Angehörigen sprechen, die sich vor dem Gebäude befinden.

Elisabethhaus: Spaziergang möglich

Um die Senioren vor Ansteckung zu schützen, tragen die Pflegekräfte einfache Schutzmasken. Masken mit FFP 2- oder FFP 3-Standard sollen nach Aussage des Einrichtungsleiters nur zum Einsatz kommen, wenn sich das Virus im Haus verbreiten sollte. Solche qualitativ hochwertigen Masken seien allerdings nicht in ausreichendem Umfang vorhanden, müssten notfalls beschafft werden. Im Erasmus-Alberus-Haus sind zurzeit gut 70 Mitarbeiter tätig, die sich um etwa 80 Bewohner kümmern.

Im Bad Nauheimer Elisabethhaus, das ebenfalls zur Gesellschaft für diakonische Einrichtungen gehört, gibt es nach Auskunft von Leiter Stefan Fuchs bislang keinen Infizierten, weder bei den Bewohnern noch unter den Angestellten. Was bei 220 Bewohnern und 200 Mitarbeitern "fast schon ein Wunder" sei. Auch im Elisabethhaus gibt es einen Engpass an vernünftiger Schutzbekleidung, die deshalb zurzeit nicht eingesetzt werde.

Ähnlich wie in Friedberg gibt es feste Telefonsprechzeiten. Angehörige können sich melden und einen Termin vereinbaren, um etwas für den Angehörigen zu übergeben. Zwar dürfen Familienmitglieder das Elisabethhaus nicht betreten, sie können mit den Senioren aber im Südpark spazieren gehen. Im Gegensatz zum Erasmus-Alberus-Haus dürfen Bewohner das Haus verlassen. Laut Fuchs gibt es lediglich eine Empfehlung, nicht nach draußen zu gehen. "Bei gemeinsamen Spaziergängen sollten die Angehörigen Schutzmasken tragen."

Die aktuellen Zahlen über die bestätigten Fälle in Hessen und der Wetterau finden Sie hier. Die aktuelle Entwicklung in der Wetterau finden Sie im Wetterau-Ticker*. Der Kreis Gießen meldet nun den erste Corona-Todesfall.

*wetterauer-zeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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