+
Friedberg Stand der Dinge in Sachen Flüchtlingsbetreuung in FB, Gespräch mit Holger Kopsch, Leiter der Stabsstelle Fotos: nic

Flüchtlinge

Zahl der Geflüchteten geht weiter zurück - bald übernimmt der Kreis

Die Zahl der Asylsuchenden ist auch in Friedberg deutlich zurückgegangen. Trotzdem gibt es genug zu tun für die Stabsstelle Flüchtlingsbetreuung im Rathaus. Aber vielleicht nicht mehr lange.

Es läuft", sagt Holger Kopsch, Leiter der Stabsstelle Flüchtlingsbetreuung bei der Friedberger Stadtverwaltung. Kopsch hat sein Büro im Erdgeschoss des Holzhauses im Gewerbegebiet West. Hier leben knapp 80 der insgesamt 195 Flüchtlinge, um die sich Friedberg derzeit kümmert. Kopsch ist nahe dran am Geschehen, seine Arbeit umfasst mehr als nur die Verwaltung des Flüchtlingsheims und der 13 anderen Unterkünfte. Oft kämen Bewohner mit ihren Problemen und Wünschen zu ihm ins Büro.

Wobei die Wünsche dominieren. "Die meisten wollen ein Einzelzimmer. Aber das geht nicht." Nur in Einzelfällen ist das möglich, etwa bei einem taubstummen Bewohner. Probleme gebe es keine, sagt Kopsch. Aber: "Integration ist ein längerer Prozess."

Die Auslastung der städtischen Unterkünfte liegt bei rund 94 Prozent. Es gibt stets einen kleinen Puffer an freien Plätzen, um spontan reagieren zu können. Auch wenn niemand weiß, wie sich die Situation im Sommer darstellt, so ist die Entwicklung doch rückläufig, zeigt Kopsch auf die Statistik. 2016 nahm die Stadt 194 Flüchtlingen auf. 2017 waren es 79, 2018 dann 31.

Am meisten Afghanen

"Die Hälfte der Bewohner lebt länger als zwei Jahre im Haus", sagt Kopsch. Viele sind als Asylsuchende anerkannt, haben Arbeit gefunden und müssten die städtischen Unterkünfte eigentlich räumen. Das läuft sehr schleppend. 2016 gab es 39 Auszüge, 2017 waren es 79 und 2018 62; dazukommen vier Flüchtlinge, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehrten sowie eine Frau, die nach den Dublin-Regeln in das EU-Land abgeschoben wurde, in dem sie zuerst registriert wurde.

Bei den Nationalitäten liegen afghanische Bürger mit 68 an der Spitze, gefolgt von Eritrea (28), Somalia (25), dem Irak (22), Pakistan (12) und Russland (10). Erst dann folgt Syrien (7). Die meisten Syrer seien anerkannt, was für Afghanen nicht gelte.

Es könnten viel mehr Auszüge sein, sagt Kopsch. "Die Leute finden aber keine Wohnung." Die Bereitschaft der Vermieter, diese Menschen aufzunehmen, sei nicht sehr groß, das Angebot an bezahlbaren Wohnungen sei klein. Sind die Flüchtlinge Klienten des Jobcenters, gilt eine Mietobergrenze. Mehr wird nicht gezahlt, der Betrag reiche aber oft nicht.

Flüchtlingsheime seien vorübergehende Unterkünfte, erinnert Kopsch. "Wir setzen die Menschen aber nicht auf die Straße." Nur: Wer will dauerhaft mit einem fremden Menschen in einem Zimmer wohnen, mit Gemeinschaftsküche und -bad, ohne Rückzugsmöglichkeit? Die Situation sei für viele Geflüchtete nicht einfach, weshalb der Hausmeister und er selbst oft als Sozialarbeiter gefragt seien.

Der 49-Jährige war über 25 Jahre bei der Stadt Frankfurt beschäftigt. 2016 wechselte er zur Stadt Friedberg. Seine Frau stammt von hier, sie haben in Friedberg ein Haus gebaut. Jetzt habe er einen direkten Bezug zu seiner Arbeit, sagt Kopsch.

Viele Kommunen fragen sich angesichts der zurückgehenden Flüchtlingszahlen, was sie mit leer stehenden Gebäuden anfangen sollen. Friedberg hat wie Bad Nauheim von Anfang an auf eine dezentrale Unterbringung in kleineren Gebäuden gesetzt. Das hat sich laut Kopsch bewährt.

Unterkunft geschlossen

Es gab keine Leerstände, nur ein Mannschaftsgebäude in der Kaserne, das die Stadt vom Bund mietete und das dann doch nicht saniert werden musste. Das Gebäude geht im Februar an den Bund zurück. Bei den Mietwohnungen muss die Stadt nach und nach entscheiden, wie lange diese noch benötigt werden. Entsprechend müssen die Mietverträge verlängert werden.

Eine ihrer Flüchtlingsunterkünfte hat die Stadt bereits im Sommer geschlossen. Ein Gebäude mit 25 Plätzen in der Hauptstraße in Fauerbach wurde geräumt, das Haus soll nach einem Umbau als Kita genutzt werden. Unterhalb der 24 Hallen entsteht gerade ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus mit kleinen Zwei- bis Dreizimmerwohnungen, in denen einmal Familien mit drei bis fünf Personen wohnen sollen. Dann wird sich zumindest für einen Teil der Friedberger Geflüchteten die Wohnsituation entspannen.

von JÜRGEN WAGNER

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare