Ende der Vorstellung

Friedberger Kinocenter weicht Wohnungen

Im Dezember geht das Licht aus im „Roxy“, wie alte Friedberger das Kinocenter an der Bismarckstraße nennen. Die Projektoren werden danach abgebaut, das erst vor wenigen Jahren erneuerte Gestühl aus den vier Kinosälen entfernt. Das Haus wird im nächsten Jahr abgerissen.

Die Nachricht versteckte sich in der Erläuterung zu einer Bebauungsplan-Änderung, die am Mittwochabend der Kernstadt-Ortsbeirat zur Kenntnis nahm. Demnach beantragt der Grundstücksbesitzer Hans Albert Wunderer das Baurecht für drei „Stadtvillen“ auf dem 1970 Quadratmeter großen Kino-Grundstück in zentraler Lage. Es ist ihm kaum zu verwehren, auch wenn sich kommende Woche die städtischen Ausschüsse noch damit befassen.

Gebaut werden sollen die Häuser mit insgesamt 24 Wohnungen hintereinander von der Bismarckstraße weg in Richtung Bahnhof. Geplant sind drei Vollgeschosse und ein leicht zurückgesetztes Staffelgeschoß unter begrünten Flachdächern. Die Fassadenfronten sollen zwei Meter höher werden als die bisherige Front. Die drei Häuser sollen auch eine Tiefgarage bekommen, heißt es in der Vorlage. Der Kinobesitzer wollte zunächst nichts zu dem Projekt sagen. Laut Ortsvorsteher Norbert Simmer (CDU) bedauern alle Mitglieder des Ortsbeirats das Ende des traditionsreichen Kinos. Man könne die Schließung aber nicht verhindern. „Wir sind uns in der Tendenz einig, dass zu einer Kreisstadt wie Friedberg ein Kino gehört.“ Man wolle nun nach einem neuen Standort und Betreiber-Konzept suchen.

Das „Roxy“ entstand in den fünfziger Jahren in einer Baulücke der mit Gründerzeit-Villen bestandenen Bismarckstraße auf einer mit Bauschutt verfüllten Lehmgrube. Nach dem Krieg waren Kinos lukrativ – allein in Friedberg existierten mit dem „Roxy“, dem nur 200 Meter entfernten „Pali“ und dem „Central“ an der Wolfengasse drei Lichtspielhäuser. Im „Roxy“ gab es auch Live-Auftritte, zum Beispiel von Cornelia Froboess. Später versuchten die Betreiber, mit anspruchsvollen Kinofilmen Publikum zu halten.

Nach dem Ausbau auf vier Säle nahm man bei der Filmauswahl eher jüngeres Publikum ins Visier. Auch die teure Umstellung auf digitale Projektionstechnik und 3-D-Filme hat das Kinocenter noch mitgemacht. Doch nun scheinen gehobene Wohnprojekte mehr Geld zu bringen als das Abspielen von Filmen.

Offen ist die Frage, warum das Friedberger Kino offenbar nicht genug Publikum anzieht, wie das etwa in Nidderau der Fall zu sein scheint. In einem Bewertungsportal beurteilen Nutzer das Friedberger Kino meist positiv.

„Das Kino ist sauber, das Popcorn schmeckt frisch, die Mitarbeiter sind freundlich und die Preise fair.“ Ein anderer Besucher schreibt, das Kino sei technisch „top“. Ein weiterer Besucher schreibt: „Ich bin schon als Kind hierher gekommen und habe hier viele Filme über die Jahre gesehen, für mich gehört das Kino einfach nach Friedberg.“ Es wird aber trotzdem zum Jahresende schließen.

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