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Gerrit Jansen, Gottfried Krutzki, Dieter Fitsch und Holger Pabst (von links) freuen sich über die Früchte ihrer Arbeit im Rahmen des Projekts Solidarische Landwirtschaft.

Solidarische Landwirtschaft

Initiative Solawi: Frische-Glück vom Bio-Acker

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Regen nieselt herab, der Blick reicht über die Äcker hinter Friedberg-Dorheim. Um ein kleines Stück Land kümmert sich hier die Initiative Solawi (Solidarische Landwirtschaft) in Kooperation mit Naturlandbauer Holger Pabst. Woche für Woche können die Teilnehmer ihr frisches Gemüse holen. Wer mitmachen will, ist willkommen.

In der Küche von Gottfried Krutzki duftet es nach Gewürzen. Fotos hängen an den Wänden, darunter Bilder von ihm und seiner Frau Gisela Theis beim Pilgern. Eine natürliche Lebensweise ist dem Ehepaar wichtig, wozu nun auch die Zugehörigkeit zum Projekt Solawi (Solidarische Landwirtschaft) am Standort Friedberg-Dorheim gehört.

„Die Solawi ist so plötzlich über uns gekommen, dass wir selber gestaunt haben“, erzählt der 72-jährige. 2015 hörte das Paar einen Vortrag beim Umsonstladen Friedberg, der die Solidarische Landwirtschaft beleuchtete: Ein bundesweit an vielen Orten angesiedeltes Kooperationsprojekt zwischen Landwirten und Gruppen von Anwohnern, die den Bauern im Rahmen von festgelegten Anteilen wöchentlich frisches Gemüse abnehmen.

„Da ist ein Funken übergesprungen und hat eine Begeisterung hervorgerufen“, beschreibt Krutzki das Gefühl: „Was uns so fasziniert hat, ist die Frische. Die Produkte, die man holt, werden am Vortag geerntet, und es ist immer regional.“ Das Gemüse stamme aus gesundem Boden; ein völliger Verzicht auf Herbizide, Pestizide und Kunstdünger gehe damit einher. Es sei Lebensqualität.

Die Solawi-Bewegung ist international, findet sich in Deutschland in über 100 Initiativen wieder. „Unsere Friedberg-Dorheimer Initiative ist noch in der Gründungsphase, für die man etwa drei bis fünf Jahre ansetzt“, erklärt Krutzi.

Beim Vortrag waren auch zwei Landwirte unter den Zuhörern, darunter der Naturlandbetrieb von Holger Pabst . Mit ihm kam es zur Zusammenarbeit durch eine Kerngruppe von zunächst etwa einem Dutzend Leuten. Das Team beschloss, dass ab März jeder eine monatliche Zahlung leisten sollte. Geerntet wurde ab Mai. Ein einmaliger Betrag von 150 Euro zwecks Investitionen sowie 35 Euro pro Monat und Anteil wurden fällig. Auch der Bauer investierte. „Messlatte war, mit zwanzig Teilnehmern zu starten, aber das wurde Ende April mit 27 Teilnehmern und 29 Anteilen übertroffen.“

Der Abholmodus funktioniert wie folgt: Mittwochs erklärt Bauer Pabst per E-Mail, was in der Woche geerntet wird, freitagnachmittags kann man die Gemüse holen. „Da hat er eine Waage stehen und daneben steht ein Zettel, beispielsweise: ’Heute gibt es 400 Gramm Spargel, 350 Gramm grüne Bohnen und zwei Fenchel.’ Jeder wiegt sich seine Portion ab.“ Holt Krutzki sein Gemüse, fährt er mit dem Fahrrad und bleibt anschließend noch ein bisschen auf dem Acker.

„Das Gemüse ist in besonderer Weise schmackhaft, es ist sehr intensiv“, schildert er. Als Verbraucher stehe man vor der Herausforderung, mit eher unbekanntem Gemüse umzugehen, beispielsweise Schwarzkohl und Zuckerhut. „Es gab in diesem Jahr oft Fenchel, das habe ich vorher wenig gegessen und nun bin ich ein begeisterter Fenchel-Esser.“

Monatlich hält die Gruppe eine Plenumssitzung ab. Im August und September kam es auch zu Arbeitseinsätzen, um Unkraut zu jäten, wobei einige Teammitglieder halfen. Einen Zwang dazu bestehe nicht. Im zweiten Jahr soll der Ernteertrag verdoppelt werden, wofür strukturelle Änderungen erforderlich sind. „Unser Ziel ist es, 50 Anteile zu 50 Euro monatlich zu vergeben und die zu bebauende Fläche zu vervierfachen.

Wir sind optimistisch, dass es klappt“, sagt Krutzki. Ein Schutzzaun gegen Fressschäden durch Tiere wird errichtet, ein Gärtner eingestellt. Der kommt gleich zum Vorstellungsgespräch, weshalb sich Krutzki auf den Weg zu Landwirt Pabst macht.

Dort trifft er auch seinen Mitstreiter Dieter Fitsch sowie Gerrit Jansen von der Solawi-Initiative Nidda-Wallernhausen. Matsch, Nieselregen, pure Natur. Krutzki lacht glücklich.

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