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Pfarrer Bernd Weckwerth aus Ockstadt möchte dem Priestermangel der katholischen Kirche entgegentreten.

Abschreckung durch Zölibat

Der katholischen Kirche fehlen die Pfarrer

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Den Zölibat auch für römisch-katholische Priester freistellen, um den drohenden Priestermangel entgegen zu wirken, dafür setzt sich Pfarrer Bernd Weckwerth aus dem Friedberger Ortsteil Ockstadt ein.

Ist der Zölibat, den römisch-katholische Priester einhalten müssen, noch zeitverträglich? Oder hält er heute fast alle Interessenten ab, den Beruf des Priesters zu wählen? Zumal schon immer jeder zweite Anwärter während seines Studium erfahrungsgemäß das Priesterseminar wieder verlässt, erklärt Pfarrer Bernd Weckwerth aus Ockstadt. Die Ehelosigkeit für immer zu versprechen, hält junge Männer heute weit mehr als früher davon ab, Priester zu werden.

„Das mag damals zu Hoch-Zeiten des Klosterlebens im Mittelalter gepasst haben, heute jedoch, wo das Ideal der Ehe höher bewertet wird als die Ehelosigkeit und schon gar nicht die Verpflichtung für immer, ist die Grundlage für ein Zölibat für Priester geschwunden“, sagt Weckwerth. Doch was das Thema angehe, da beiße man auf Granit, denken viele heute. Seit langem ruhe deshalb die Diskussion um den Zölibat, dabei sei es heute „fünf vor Zwölf“.

„Wir stehen schon jetzt vor einem großen Personalproblem“, erklärt Weckwerth zum Priestermangel. Gemeinsam mit seinem Ockstädter Vorgänger Horst Gebhard plädiert er für eine Beendigung der kirchlichen Zölibatsverpflichtung. Im Februar luden die beiden Pfarrer zu einem Vortrag ein, zu dem über 40 Interessierte kamen.

Beide riefen dazu auf, „die Bischöfe von Deutschland und Frankreich jetzt zu überzeugen, das Ruder noch herumzureißen, um die sonntägliche Feier der Eucharistie auch in Zukunft noch vor Ort zu erhalten“, wie es in einer ihrer Pressemitteilungen lautet. Man will nun an die Pfarrgemeinderäte herantreten, um für das Thema zu sensibilisieren. Es sei wichtig, dort anzusetzen, wo der Priestermangel sich bald schmerzlich auswirke, in den regionalen Pfarrgemeinden.

Die Bischöfe sollen für das eigene Bistum gut begründet die Freistellung in Rom beantragen, fordert Weckwerth mehr Eigenverantwortung. Papst Franziskus selbst habe ja die Weichen dafür gestellt, will dass die Bischöfe vor Ort bei Notfällen mutig auch alte Traditionen verändern. Fakt sei nach wie vor, der Kirche fehle es an Nachwuchs. Schon jetzt kümmern sich Priester parallel um mehrere Pfarreien, und die Belastung steigt.

„Zölibat, das männliche Geschlecht und ein Studium“ seien die drei Voraussetzungen für den römisch-katholischen Priesterberuf. „Dazu kommt das Interesse, Seelsorger zu werden – da bleiben nicht mehr viele Menschen in unserem Land übrig, die für den Beruf in Frage kommen.“

Pfarrer Weckwerth selbst habe damals als 19-Jähriger den Beruf des Priesters zunächst nach einer Phase des Nachdenkens abgelehnt und sich für ein Physik-Studium entschieden. Erst mit etwa 30 Jahren wagte er sich dann doch ins Priesterseminar und hat sich der Ehelosigkeit verpflichten.

Doch heute unterliegen bereits rund 20 Prozent der katholischen Priester nicht mehr dem Zölibat. In den griechischen und russisch-unierten Kirchen vieler Länder in Osteuropa gelte das Zölibat erst ab dem Bischofsamt aufwärts.

„Ein Priester aus meinem Weihekurs war früher evangelisch und ist verheiratet“, so Weckwerth. „Das ist seit dem Zweiten Vatikanum möglich. Warum nur für Angehöriger anderer Konfessionen, die zu uns übergetreten sind und nicht für alle?“ Die Ehe stelle zudem für die Kirche eines der Sakramente und somit einen positiven Wert dar und sollte dem Beruf des Pfarrers nicht entgegenstehen. „Da hat sich das Denken und das Weltbild doch längst verändert“, sagt Weckwerth.

Halte man in diesen Not-Zeiten an alten und überholten Ansichten fest, könne es in 20 oder 30 Jahren sehr finster in den Gotteshäusern aussehen. Wie Weckwerth schon zu Beginn sagte: „Es ist Fünf vor Zwölf.“

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