Niddaradweg

Komplizierte Planung für schnelle Nord-Süd-Radverbindung

Wer per Pedale zur Arbeit kommen möchte, muss sich in der Wetterau noch Zeit nehmen: Es fehlt an gut ausgebauten, direkten Radwegen zwischen den Orten und an schnellen Ortsdurchfahrten. Das soll sich ändern. Jahrelang habe die Freizeitnutzung und die touristische Attraktivität im Vordergrund gestanden, jetzt soll „der Alltagsverkehr stärker in den Vordergrund gerückt werden“, kündigte Landrat Jan Weckler (CDU) an. Im Fokus steht dabei die Kurze Wetterau, ein Expressradweg von Butzbach nach Bad Vilbel.

Der damalige Landrat Joachim Arnold (SPD) hatte vor gut zwei Jahren die Trasse umrissen: vom Marktplatz in Butzbach auf dem Radweg der B3 zu den Römerhöfen bei Ober-Mörlen, weiter nach Nieder-Mörlen, entlang der Frankfurter Straße nach Friedberg, von dort Richtung Wöllstadt, hier auf dem Nidda-Radweg bis Klein-Karben, weiter nach Dortelweil schließlich zum Alten Rathaus in Bad Vilbel.

Arnolds Nachfolger Jan Weckler (CDU) hat nun festgelegt, dass die Nord-Süd-Verbindung „vorrangig nicht“ die Qualitätsanforderungen eines Radschnellwegs erfüllen soll. Zunächst soll der Expressweg zwischen den Kommunen „mit einer Ausbaubreite von drei Meter, mindestens 2,50 Meter“ realisiert werden, und vier Meter dort, wo die Landwirte ihn mitbenutzen.

Um diesen Ausbau zu erreichen, gibt es noch reichlich Abstimmungsbedarf. Kreispressesprecher Michael Elsaß nennt den Radweg entlang der Frankfurter Straße in Bad Nauheim in Richtung Friedberg, der plötzlich mitten auf der Strecke endet. Es müsse entschieden werden, ob der Weg weiter gebaut wird oder ob nach einer anderen Trasse gesucht wird.

Im Süden der Wetterau sieht es besser aus. Der Nidda-Radweg ist bereits gut ausgebaut. Störfaktor ist ein gut 500 Meter langes Stück des Pappelwegs, eine schwer befahrbare Holperstrecke. Um den Ausbau wird schon lange gerungen. Nun soll er vier Meter breit ausgebaut werden, um auch für Landwirte attraktiv zu sein, sagt Christian Euler, verkehrspolitischer Sprecher des Ortsverbandes Bad Vilbel des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Schleichverkehr durch Autofahrer sollen Schranken unterbinden, mit Lücken von 1,50 Meter für Radler.

Der Bad Vilbeler Radler-Lobbyist, findet gut, dass die Kurze Wetterau abseits der Autostraßen verlaufen soll. Gefährliche Kreuzungen würden so vermieden. Schwierig sei aber die Abstimmung zwischen den Kommunen. Der Zweckverband Regionalpark Niddaroute, der den Nidda-Radweg vorbildlich ausgebaut hat, sei beispielhaft. Für die Kurze Wetterau fordert Euler eine ähnliche Organisationsform.

Ekkehart Böing von der Stadt Karben, der auch Geschäftsführer des Niddaroute-Zweckverbandes ist, hält nichts davon. Der Wetteraukreis habe bei der Kurzen Wetterau die Federführung, das reiche aus. Für Karben ist die Kurze Wetterau laut Böing auch innerörtlich kein Problem, weil sie auch hier auf dem Nidda-Radweg verläuft. Andernorts gibt es keine raschen Ortsdurchfahrten. Für schnelle Verbindungen seien Ortsumfahrungen sinnvoller, ähnlich den Ortsumgehungen für Autos, meint Euler.

Am allerbesten sei eine Trasse entlang der Bahnlinie von Frankfurt nach Bad Nauheim, kreuzungsfrei, wenig Steigungen. Beim Ausbau der Bahnstrecke könne der Radweg nachträglich eingeplant werden. „Eine interessante Idee“, meint Elsaß.

Die Gremien müssten klären, ob der Radweg noch eingeplant werden kann, ob Grundstücke zur Verfügung stehen. An den Bahnhöfen könne es Probleme mit der Streckenführung geben. Es sei fraglich, ob radeln neben einer stark befahrenen Bahnstrecke angenehm ist. Um die Mobilität ohne Auto attraktiver zu machen, ist der Wetteraukreis der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität beigetreten, der 163 hessische Kommunen, zwölf Landkreise sowie 50 Organisationen angehören. Die Verlagerung von Fahrten bei Kurzstrecken aufs Fahrrad sei „nicht kostenlos zu bekommen“, sagt Landrat Weckler. Die Verkehrswege müssten so ausgebaut sein, dass der Umstieg aufs Rad tatsächlich eine Alternative zum Auto sei.

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