Technische Hochschule Mittelhessen

Laborgebäude eröffnet: Damit Autoteile sicherer werden

Immer mehr Studenten lernen in Friedberg für ihren künftigen Ingenieurs-Beruf. Im neuen Laborgebäude erledigen sie schon Aufträge für große Autobauer und andere Technik-Unternehmen. Bei der Eröffnungsfeier gab es auch Hinweise, was mit dem nebenan liegenden Gelände geschehen soll.

Wo früher Offiziere der fünften US-Panzerdivision mit ihren Familien lebten, wird heute mächtig gebaut. Entlang der Karlsbader Straße sind vierstöckige Gebäude mit hohen Fenstern entstanden – Mietwohnungen der Friedberger Wohnungsbaugesellschaft und Mikro-Apartments für die Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Noch stehen die Gerüste an den Rohbauten. Überall sieht man Handwerker.

Gegenüber, in der Straße Dachspfad, besitzt die THM ein 8300 Quadratmeter großes Grundstück. Das erste Gebäude darauf ist nun fertig – das zweistöckige Laborhaus C1. Bei der feierlichen Eröffnung konnte man sehen, was dort passiert.Zum Beispiel im Labor von Udo Jung. Der Professor für Leichtbau und Betriebsfestigkeit steigt dort mit einigen Studenten über Hydraulikleitungen, die frei stehende Pumpen und Kolben-Maschinen mit einander verbinden. „Vorsicht!“, warnt ein Student die Neugierigen: „Diese Apparate können Ihnen in Sekundenbruchteilen die Knochen brechen!“

Zwischen senkrechten Metallplatten sind zwei schmale Metallstreifen eingeklemmt, die mit nur einer Niete zusammengehalten werden. Das ist ein Rüttler, der unentwegt die Festigkeit dieser Verbindung auf die Probe stellt.

Professor Jung sagt: „Wir können hier testen, ob all die vielen Metallverbindungen in einem Auto das ganze Fahrzeugleben hindurch halten.“ Auf der anderen Seite des Flurs liegt ein großer Raum mit Desktop-Computern. Dort planen die Studenten die Tests der Fahrzeugteile. Wer in der Master-Phase ist, bekomme auch Geld von den Auftraggebern, sagt Jung.

In seinem Labor kann er sogar ganze Autos in einen Schwingrahmen spannen und damit in kurzer Zeit Jahrzehnte auf Rüttelpisten simulieren. Momentan steht dort eine silbern glänzende Opel-Karosserie bereit. So ein Laborhaus zu bauen, war nicht einfach, sagt der Bad Nauheimer Architekt Alfred Möller bei der Eröffnung. Während im Erdgeschoss alle möglichen Schwingungen vorkommen, müsse im ersten Stock alles perfekt abgeschirmt sein. Denn dort gibt es das Laser-Labor. Die empfindlichen Geräte stehen dort auf schweren Tischen mit luftgefederten Beinen. Nicht die geringste Erschütterung darf dort von außen einwirken. Rund 5,5 Millionen Euro investierten Land und Bund ins neue Laborgebäude am Dachspfad. Die Technische Hochschule selbst gab laut Präsident Matthais Willems noch eine Million zusätzlich für die Einrichtung aus. Das mit Faserzementplatten verkleidete Gebäude mit 750 Quadratmetern Nutzfläche erfüllt den Passivhaus-Standard. Es ist auch für Rollstuhlfahrer barrierefrei und kann bei Bedarf um zwei weitere Stockwerke ergänzt werden. Die dreifach verglasten Fensterfronten bieten einen UV-Schutz. Und hinter dem Gebäude befindet sich ein großer Parkplatz.

In wenigen Jahren wird der Parkplatz aber schrumpfen. Denn dort soll bald das nächste Gebäude wachsen. Im Sommer werde man einen Architektenwettbewerb für ein Anwenderzentrum ausschreiben, kündigt Präsident Willems an. Dort soll es 1800 Quadratmeter zusätzlich geben für gemeinsame Projekte von Studentengruppen und Unternehmen aus der Optik-, der Digital- und der Autobranche, die mit der THM zusammen an technischen Neuerungen tüfteln. Ungefähr im Jahre 2022 könnte dieses Gebäude mit Geld aus dem Hochschul-Investitionsprogramm Heureka in Betrieb gehen.

Die schnelle und intensive Bebauung der vier Hektar großen früheren Housing-Area ist Blaupause für ein noch viel größeres Projekt, sagt Friedbergs Bürgermeister Michael Keller (SPD). Zunächst werde am Rand der früheren US-Kaserne eine Kita entstehen. Und dann stehe die Bebauung des 74 Hektar großen Kasernengeländes in Top-Lage an. „Die Investoren kommen aus der ganzen Welt auf uns zu“, so Keller. Auch mit Chinesen führe er Gespräche, um Wohnraum für bis zu 7000 Menschen zu schaffen. Bis 2020 soll ein Startup- und Technologiecenter für junge Firmen entstehen, so der Bürgermeister. Und in den vor Jahresfrist für Flüchtlinge hergerichteten, aber nie genutzten Kasernenblocks will Keller Unterkünfte für Studenten schaffen. Darüber spreche er gerade mit dem Gießener Studentenwerk.

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