Ockstadt, Murat Efe (Vater), Mikail (Sohn), Selfie, Teilnehmer bei VOX-Sendung "Mein Kind, dein Kind", 2019, Foto: pv (Murat Efe)

30-Jähriger nimmt an VOX-Soap teil

Mann, Türke, alleinerziehend: Interview mit Murat Efe über das Leben mit seinem vierjährigen Sohn

Murat Efe aus Ockstadt ist eine Seltenheit – zumindest statistisch gesehen. Der 30-Jährige ist allein-erziehender Vater mit Migrationshintergrund. Was er seinem Sohn Mikail (4) beibringt, wie das mit seinem Job in Frankfurt klappt, und warum er in der VOX-Soap "Mein Kind, dein Kind – Wie erziehst du denn?" mitmacht, erzählt er im Interview mit Redakteurin Eva Diehl.

Wie ist es, als einziger Papa auf dem Spielplatz?

MURAT EFE: Es ist manchmal ein merkwürdiges Gefühl, wenn sonst nur die Mütter da sind. Aber ich bin hier geboren und jeder kennt jeden in Ockstadt. Mit vielen der Ehemänner beziehungsweise Väter habe ich früher Fußball gespielt. Auf sie treffe ich aber meist eher im Kindergarten als auf dem Spielplatz.

Warum kümmern sich nicht mehr Väter intensiv oder alleinerziehend um den Nachwuchs, was denken Sie?

EFE: Für mich macht es keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau die Erziehung übernimmt. Aber leider wird das Sorgerecht oft vor Gericht erstritten, und die Richter entscheiden eher zugunsten der Frauen.

Also liegt es nur an den Richtern, nicht an den Vätern?

EFE: Manche Männer trauen sich das vielleicht auch nicht zu, oder sie wollen ihren Job nicht vernachlässigen.

Und Sie haben die Prioritäten zwischen Beruf und Familie klar gesetzt?

EFE: Ja. Mir ist es egal, ob ich 1000 Euro mehr oder weniger verdiene. Hauptsache ist, ich habe meinen Sohn bei mir. Da verzichte ich gerne auf das Geld.

Was arbeiten Sie?

EFE: Ich arbeite als Einzelhandelskaufmann in Frankfurt.

Ernten Sie von Kollegen oder dem Chef Kommentare zu Ihrem Familienmodell?

EFE: Nein. Mein Arbeitgeber ist sehr familienfreundlich und ist mir sogar entgegengekommen, als ich alleinerziehender Vater wurde. Ich konnte meine Stundenzahl reduzieren und meine Arbeitszeiten an die Öffnungszeiten der Kita anpassen. Ich habe bisher noch keine Probleme gehabt.

Wie sind Sie zum alleinerziehenden Vater geworden?

EFE: Nach der Trennung von seiner Mutter haben wir uns überlegt, was das Beste für unseren Sohn ist. Weil Mikail in Ockstadt den Kindergarten besuchen sollte, haben wir uns so entschieden. Das Ganze ging allerdings noch gerichtlich hin und her, wurde aber letztlich für mich entschieden. Seitdem lebt er ausschließlich bei mir.

Sie haben türkische Wurzeln, wie hat Ihre Verwandtschaft das aufgenommen?

EFE: Nicht schockiert, aber auch nicht glücklich. Sie haben meine Entscheidung hingenommen. Was sollen sie auch sagen, ich bin ein erwachsener Mann. Meine Familie unterstützt mich – damals beim Umzug nach der Trennung und auch jetzt bei der Kinderbetreuung, wenn es mal eng wird. Ich habe zum Glück eine große Familie in Ockstadt.

Und wie ist das sonst in Ihrem Umfeld?

EFE: Bei Instagram bekomme ich täglich oder wöchentlich Anfragen: alleinerziehend als Türke, als Mann – wie geht das?

Und was sagen Sie den Leuten dann?

EFE: Es ist eine dumme Frage. Mensch ist Mensch. Herkunft oder Religion ändern daran nichts. Wenn man sich integriert hat, so wie ich, dann läuft einfach alles, wie man es von der Umgebung gewohnt ist.

Wie sind Sie aufgewachsen?

EFE: Ich bin in Bad Nauheim geboren und in Ockstadt aufgewachsen. Ich hatte eine schöne Kindheit bei meinen Eltern, viele Freunde und war viel draußen.

Welchen Erziehungsstil haben Sie?

EFE: Streng, konsequent und liebevoll. Ich bringe meinem Sohn alles bei, und er versteht sehr schnell. Wir sind ein gutes Team.

Wann sind Sie streng, was ist für Sie ein "No-Go"?

EFE: Mit dem Essen rumzublödeln, andere Kinder zu schlagen oder mit Waffen zu spielen. Selbst Wasserpistolen gibt es bei uns nicht. Mikail bekommt in seinem Alter auch noch kein Handy oder Tablet in die Hand. Ich gebe ihm lieber etwas von der alten Schule mit (lacht): auf den Spielplatz gehen, Gesellschaftsspiele oder Fußball spielen.

Wie sieht Ihr Familienleben aus?

EFE: Unser Alltag ist komplett durchstrukturiert – anders geht es nicht. Wir stehen gegen sieben Uhr auf, dann umziehen, Zähne putzen und so weiter. Um halb acht geht er zur Kita, und ich fahre mit der Bahn nach Frankfurt. Gegen 16 Uhr hole ich Mikail ab. Wenn es mal knapp wird, holen meine Eltern ihn ab. Danach spielen wir, essen zu Abend und dann heißt es: Fertig machen fürs Bett.

Wieso machen Sie bei der Doku-Soap zum Thema Erziehung bei VOX mit?

EFE: Ich habe eine Anfrage von der Produktionsfirma über Instagram bekommen, aber erst später zugesagt, nachdem ich die Sendung im Fernsehen gesehen habe. Ich gehe mit der Botschaft dahin, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Mann oder Frau erzieht. Außerdem: Auch als Alleinerziehender kann ich Vollzeit arbeiten und den Haushalt machen – egal ob Mann oder Frau. Das Herz muss am richtigen Fleck sein. Die Gesellschaft soll das mal so langsam merken.

Sendung in TV und online

Die Doku-Soap "Mein Kind, dein Kind – Wie erziehst du denn?" zeigt VOX Montag bis Freitag um 14 Uhr. Ganze Folgen kann man sich auch im Internet unter www.vox.de anschauen.

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