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Der Angeklagte bestritt vor Gericht, eine Tötungsabsicht gehabt zu haben.

Fall vor Gericht

Messer in Hals und Brust gerammt

Wegen eines lebensgefährlichen Streits unter Flüchtlingen, der nur durch Zufall nicht tödlich endete, muss sich nun ein 19-jähriger Algerier vor dem Friedberger Jugendschöffengericht verantworten.

Wegen eines lebensgefährlichen Streits unter Flüchtlingen, der nur durch Zufall nicht tödlich endete, muss sich nun ein 19-jähriger Algerier vor dem Friedberger Jugendschöffengericht verantworten.

Angeklagt ist der 19-Jährige, der bis zu seiner Festnahme in einer Asylbewerberunterkunft in Münzenberg wohnte, wegen gefährlicher Körperverletzung. Am 16. Juli vergangenen Jahres soll er einen Landsmann in Gießen vor dem Bahnhof mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben. Nach einem kurzen, aber heftigen Streit, so die bisherigen Zeugenaussagen, soll der Angeklagte auf offener Straße sein Opfer mit einem etwa 15 Zentimeter langen Klappmesser angegriffen und ihm dabei einen bis zu drei Zentimeter tiefen Schnitt vom Ohr bis zum Hals zugefügt haben, so dass sogar der Kehlkopf des Opfers frei lag. Auch in die Brust und in den Rücken des Opfers soll der 19-Jährige mit seinem Messer mehrfach eingestochen haben.

Der Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen. Keiner der bisherigen Zeugen konnte oder wollte ihn im Gerichtssaal als Täter identifizieren. Und das Opfer selbst ist der Vorladung des Gerichts bisher nicht gefolgt.

Allerdings wurde der Angeklagte von einem Mitbewohner der Münzenberger Flüchtlingsunterkunft als sehr aggressiv und unberechenbar dargestellt. „Das ist kein anständiger Mensch“, beschrieb er den Angeklagten. Und er persönlich habe Angst vor ihm und meide ihn deshalb.

Auf Nachfrage des Verteidigers sagte er auch, warum. „Der leidet ganz stark unter Depressionen, wird sehr schnell aggressiv und provoziert, wo er kann“, so der Zeuge. Er sei wegen seines Gemütszustandes sogar einmal mit einem Krankenwagen aus der Unterkunft abgeholt und in psychiatrische Behandlung gefahren worden. „Und wer nicht klar ist im Kopf, kann kein anständiger Mensch sein“, so schlussfolgert der 21-jährige Zeuge.

Das Opfer hingegen, das nicht in Münzenberg wohnt, vor einigen Monaten jedoch dort nach einer Feier zum Ende der Fastenzeit einmal kurzzeitig anwesend war, beschrieb er als „guten Menschen“. Ob es bei dem Streit zwischen dem Angeklagten und seinem späteren Opfer um Drogen ging, beantworteten die beiden bisher vernommenen Zeugen mit Nichtwissen. Und auch die Frage des Verteidigers an den Mitbewohner, ob er mit dem Opfer zusammen nicht schon einmal gekifft habe, blieb unbeantwortet. Was nach deutschem Recht durchaus erlaubt ist: Es muss sich vor einem Gericht niemand zu einer Tat äußern, die möglicherweise seine Strafverfolgung nach sich ziehen könnte.

Da die bisherigen Zeugen den Angeklagten nicht eindeutig als Täter identifizieren konnten, der Angeklagte aber zu den Vorwürfen selber schweigt, kommt nun alles auf die Aussage des Opfers an. Der Fortsetzungstermin für die Verhandlung ist vom Gericht auf den 21. Februar festgesetzt worden. Dann soll auf Antrag der Staatsanwaltschaft auch ein Gerichtssachverständiger über den vor allem psychischen Gesundheitszustand des Angeklagten vernommen werden. jwn

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