+
Alltagsrassismus und rassistische Äußerungen, beispielsweise der AfD, zu bekämpfen, sei wichtiger, als den Namen von Mohren-Apotheken zu ändern. Dies ist jedenfalls die Ansicht von Migrantenvertretern aus dem Wetteraukreis, mit denen diese Zeitung gesprochen hat. Unser Bild zeigt die Mohren-Apotheke in Friedberg.

Diskussion

Migranten-Vetreter beziehen zu Mohren-Apotheken Stellung

  • schließen

Durch die aktuelle Diskussion um angebliche Diskriminierung ist auch die „Hofapotheke zum Mohren“ in Friedberg ins Gespräch gekommen. Inhaberin Kerstin Podszus will,, den Namen nicht ändern, startete vorsorglich eine Online-Petition, die bisher 22 000 Mal unterzeichnet wurde. Die Debatte entzündete sich an einem Antrag der Kommunalen Ausländervertretung Frankfurt (KAV), welche die Bezeichnung „Mohr“ nicht mehr im Stadtbild der Mainmetropole sehen will.

Durch die aktuelle Diskussion um angebliche Diskriminierung ist auch die „Hofapotheke zum Mohren“ in Friedberg ins Gespräch gekommen. Inhaberin Kerstin Podszus will,, den Namen nicht ändern, startete vorsorglich eine Online-Petition, die bisher 22 000 Mal unterzeichnet wurde. Die Debatte entzündete sich an einem Antrag der Kommunalen Ausländervertretung Frankfurt (KAV), welche die Bezeichnung „Mohr“ nicht mehr im Stadtbild der Mainmetropole sehen will.

Wir fragten Isil Yönter vom Bad Vilbeler Ausländerbeirat, wie sie zu dem Thema steht, insbesondere mit Blick auf Friedberg. „Ich glaube, wir führen eine Scheindiskussion“, erwiderte Yönter. Sie könne einerseits die Empfindlichkeit verstehen, denn: „Theoretisch haben wir den Anspruch, in Sprache weder Diskriminierung noch Rassismus zu transportieren.“ Dies am Namen einer 400 Jahre alten Apotheke festzumachen, sieht sie indes skeptisch. „Wir müssten uns vielmehr darüber empören, was jetzt verhaltensbedingt an Rassismus im Alltag geschieht.“

In der AfD diskriminiere eine ganze Gruppe von Menschen Türken durch Sprache. Etwa Sachsen-Anhalts AfD-Chef André Poggenburg, der Türken als „Kameltreiber“ und „Kümmelhändler“ bezeichnet hatte. „Das ist Volksverhetzung. Dagegen müssen wir uns wehren statt gegen den Namen einer Apotheke.“ Fühlten sich Schwarze von der Bezeichnung „Mohrenapotheke“ betroffen, sei dies gleichwohl Ernst zunehmen.

Es dürfe kein Problem sein, wenn sich Menschen aufregen, sensibilisiert sind und in eine Diskussion kommen. Die Logos, die in der Mohren-Apotheke in Friedberg vielfach zu sehen sind, findet Yönter allerdings schwierig. „Da würde ich von der Apothekerin erwarten, dass sie es versteht. Ein Mohr auf der Fußmatte – das ist eine Symbolik.“

Wie Servet Yildirim vom Ausländerbeirat Butzbach erklärt, könne sie die Antragstellerin von der KAV Frankfurt verstehen. „Vermutlich erfährt sie in ihrem Umfeld tagtäglich Rassismus, sonst würde sie in dieser Sache nicht eine solche Verbindung spüren.“ Durch die Flüchtlingswelle sei eine Zunahme von Rassismus in Deutschland festzustellen, zumindest in der Öffentlichkeit.

„Doch sehe ich das Problem nicht in der Namensgebung einer Apotheke, der eigentliche Fokus sollte woanders liegen.“ Die direkten rassistischen Äußerungen der AfD sind nach Ansicht von Yildirim wesentlich gefährlicher. Dies sieht auch Jetty Sabandar so, Ausländerbeiratsmitglied aus Karben. Auch wenn sie die Antragstellerin aus Frankfurt versteht, die aus Kenia stammt, hätten Ausländervertretungen in Deutschland aber Wichtigeres zu tun.

„Die Herkunft aus dem Wort ’Mauren’ kann ich nachvollziehen“, sagt Sabandar. Und Recep Kaplan vom Ausländerbeirat Friedberg findet die Mohren-Diskussion lachhaft. „Wir müssen hier die Sitten und die Kultur achten. Wenn es schon hundert Jahre oder länger besteht, kann man doch nicht sagen, ’es ist ausländerfeindlich oder rassistisch’“, betont er. Er habe sich bei Migranten umgehört, „die stören sich nicht daran“. Im Frankfurter Integrationsausschuss haben Bürgerinnen letzte Woche gegen die Namensgebung der Mohren-Apotheken in der Main-Stadt protestiert. Der Antrag wurde erst einmal vertagt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare