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Signal für den Baubeginn (von links): Ralf Stobbe, Boris Rhein, Stephanie Becker-Bösch, Thomas Oesterle, Susanne Kraus und Olaf Berger.

Studentenwohnheim

Neues Zuhause auf historischem Boden

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Mit dem symbolischen Spatenstich, bei dem auch Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) mitmachte, beginnt der Bau eines Wohnheims in der Friedberger Burg. Es soll Studenten zugute kommen, die in Friedberg an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) eingeschrieben sind. Anwohner der Burganlage sind mit dem Vorhaben an dieser Stelle allerdings nicht einverstanden.

Eine mittelgroße Gesellschaft von Menschen hat sich auf der Ritterwiese am Feldwebelbau in der Friedberger Burg versammelt. Anlass ist der Spatenstich für die Gestaltung des Bauwerks durch das Studentenwerk Gießen zum Studentenwohnheim mit 64 kleinen Apartments. Unter den Gästen des feierlichen Aktes ist auch der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein. Aber nicht alle Beteiligten an der Zusammenkunft sind über den Zuwachs an Wohnraum für Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) erfreut – jedenfalls nicht an diesem Ort.

Eine Gruppe protestierender Bürger hält ein Transparent, auf dem Folgendes steht: Eine historische Fläche werde zerstört, der Magistrat habe Nein dazu gesagt – und trotzdem wird das Projekt umgesetzt. „Schlecht gelaufen“, meinen die Bürger. Der offizielle Teil beginnt. Wie Ralf Stobbe vom Studentenwerk Gießen erklärt, sei die Liegenschaft durch den Immobilieneigner, das Land Hessen, in Erbbaurecht übertragen worden. Nicht nur werde der Feldwebelbau saniert, sondern auch ein Anbau auf die angrenzende Ritterwiese gesetzt, „der dazu passt“. Lachen ertönt aus der Ecke der kritischen Einwohner.

„In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Studienplätze in Deutschland zwar um 42 Prozent gestiegen, die der Wohnheimplätze aber nur um fünf Prozent“, fährt Stobbe fort. Die Warmmiete inklusive Internetanschluss wird in dem neuen Haus zwischen 275 und 350 Euro betragen. Wohnheime seien aber nicht nur aus Kostengründen gut für Studenten, unterstreicht Stobbe. Sie seien auch ein sozialer Anker. Minister Rhein geht auf die unzufriedenen Bürger ein, „ihre Einwände sind durchaus ernst zu nehmen“, räumt er ein. Etwas Besseres könne allerdings nicht aus einer Burg entstehen, als Heimat für kluge Köpfe zu werden.

Wie Rhein erläutert, stellt das Land zwar die Liegenschaft zur Verfügung, doch zahle das Studentenwerk die fünf Millionen Euro für das Bauvorhaben allein. Olaf Berger, Vizepräsident der THM, teilt Rheins positive Sicht: Es sei erfreulich, dass studentisches Leben in die Stadt komme, bekräftigt er. Diese Worte sind ein weiterer Auslöser für den Unmut der Protestler. „Ich weiß, dass es Kritik gibt“, geht der Vizepräsident darauf ein. Künftig biete er informelle Gesprächskreise an, falls es weitere Entwicklungen in diese Richtung gebe. Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch (SPD) äußert die Meinung, der Bau werde mit Fingerspitzengefühl so gelingen, dass es für die Anwohner in Ordnung ist. Ein „Nein“ ist daraufhin aus deren Reihen zu hören. Sodann nennt Susanne Kraus vom Verwaltungsrat des Studentenwerks Termine: Zum kommenden Wintersemester können 31 Studenten einziehen, zum Sommersemester 2019 der Rest.

Laut Architekt Thomas Oesterle stellte sich die Instandsetzung bisher nicht einfach dar, was an den baulichen Gegebenheiten lag. Zudem sei es zu einer anonymen Anzeige beim Regierungspräsidium (RP) gekommen, „wir wurden beschuldigt, unsachgemäß Asbest zu entsorgen“. Das stimme nicht, was dem RP habe bewiesen werden können. Wie Stadtmarketingvereins-Chef Bernd Ulrich schildert, wohnen er und seine Mitstreiter in der Burg, sprächen aber „für die Friedberger“. Der Gruppe gehe es nicht um Eigennutz als Anwohner, sondern um den Verlust historischer Fläche für Bürger und Besucher. „Man hätte ein Standesamt daraus machen können, wo man schön heiraten kann, oder etwas Touristisches“, ruft eine Frau. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) hat, wie er dieser Zeitung erklärt, bewusst kein Grußwort gesprochen: „Wir haben den Bau in der Burg klar abgelehnt, denn Friedberg hat so viele schöne Plätze, wo man ein Studentenwohnheim hätte bauen können.“

Offenbar hat, wie der Rathauschef andeutet, der Wetteraukreis den Plänen von Land und Studentenwerk aber zugestimmt. Wie Tilman Dabelow vom Studentenwerk im Gespräch erläutert, hält das Studentenwerk die Lösung in der Burg trotz der Vorbehalte für die beste. „Die Lage für studentisches Wohnen ist höchstes Kriterium, und die Studenten sind hier ins Stadtgeschehen eingebunden.“

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