Wetterauer Bauern

Planung bereitet Bauchschmerzen

Landwirtschaftlicher Nutzen gegen höhere Steuern für die Kommunen. Der Wetterauer Kreislandwirt Herwig Marloff verlangt jetzt, was den Flächenverbrauch angeht, klare Regelungen.

Von Kurt Sänger

Dass die Wetterauer Ackerlandschaft Gefahr läuft, in den kommenden Jahrzehnten ihr Gesicht zu verlieren, sei für die Wetterauer Landwirte eine „tickende Zeitbombe“, sagt Herwig Marloff, Vorsitzender des regionalen Bauernverbandes. Marloff erwartet „mehr Gehirnschmalz von den einzelnen Kommunen, wie man in Zukunft mit den Flächen umgeht“. Bei den noch nicht ausgewiesenen Flächen entlang der Umgehungsstraßen müsse nunmehr der Anfang gemacht werden. „Hier muss jetzt der Pflock in den Boden gesetzt werden, wie die Planung dann auszusehen hat, wie wir das in Zukunft hinkriegen“, kritisiert Marloff.

Der Funktionär vertritt die Interessen von 988 landwirtschaftlichen Betrieben in der Region. Darunter sind 607 Betriebe mit Viehhaltung und 33 Betriebe mit ökologischer Ausrichtung. Marloff sträubt sich nicht gegen notwendige Maßnahmen. „Bei den Umgehungsstraßen gehen wir mit“, sagt er, und auch bei den Umwidmungen der Flächen für Renaturierungsmaßnahmen sind „wir Landwirte bereit, diesen gesellschaftlichen Auftrag des Natur- und Artenschutzes mitzutragen“. Anders bei der Umwandlung wertvoller Böden in Golfplätze: „Jeder Hektar, der weggeht, der tut weh“.

Lediglich ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Flächen ist in bäuerlichem Privatbesitz. Drei Viertel befinden sich als Pachtland im Streubesitz. Und oft sind es Privatpersonen oder Erbengemeinschaften, dann die Kommunen selbst, die diese Flächen auf den Markt bringen, worauf die Landwirte keinen Einfluss haben. Den Würfelbecher beim „Bodenmonopoly“ haben andere in der Hand.

Florian Dangel, Geschäftsführer beim regionalen Bauernverband, sieht das politische Kernproblem im kommunalen Hoheitsrecht: „In dem Moment, wo ein Bürgermeister die Chance sieht, Gewerbesteuer zu generieren und eine höhere Einwohnerumlage hat, kommt natürlich niemals der Gedanke auf, freiwillig auf Einnahmen zu verzichten“. Das in der Verfassung begründete kommunale Hoheitsrecht befördere das Kirchturmdenken, eigene Flächen zu Bauland zu machen – und die Kommunen seien pleite.

Marloff und Dangel stellen sich nicht gegen erforderliche Infrastrukturvorhaben. Dangel: „Es ist ganz klar, wir sind hier im Ballungsraum Rhein-Main, und der braucht eine gewisse Infrastruktur“. Doch wie diese Planung laufe, „das macht uns Bauchschmerzen“, sagt Marloff. Den Landwirten fehle ein politisches Gesamtkonzept in der regionalen Städte- und Raumplanung. Ein Manko, das nicht nur Landwirte beklagen (die FNP berichtete).

Sie plädieren für eine Verdichtung der Baukörper und Flächen innerhalb der Kommunen. Marloff: „Das ist unser Ansatz, der muss weit vorne schon in der Planung realisiert werden“.

Am Beispiel Friedberg sträuben sich Dangel die Haare. „Dort liegen seit Jahr und Tag 73 Hektar der alten Kaserne brach, aber ständig werden neue Baugebiete auf wertvollem Ackerland ausgewiesen.“

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