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So voll dürfte es auf dem Parkplatz auch bleiben, wenn erst mal die städtischen Institutionen in die Alte Post eingezogen sind.

Stadtverwaltung zieht um

Rathaus statt Schulamt in der Alten Post in Friedberg

Der Tag des Einzugs steht schon fest: Am 1. Januar 2021 werden die Mitarbeiter des Friedberger Bauamtes, der Flüchtlingsbetreuung sowie der Wohnungsbau-Gesellschaft in die Alte Post umsiedeln. Die Stadtverordneten haben grünes Licht für deren Ankauf gegeben. Das Staatliche Schulamt muss sich eine neue Bleibe suchen.

Es sei eine "einmalige Chance" gewesen, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Die Alte Post an der Mainzer-Tor-Anlage 8 war keine zehn Minuten auf dem Markt, als ein Investors aus Frankfurt anrief und ihn fragte, ob er das Gebäude mieten wolle. Mieten? Nein. Aber kaufen! Seit Jahren herrscht im Friedberger Bauamt Platznot, können Stellen nicht besetzt werden, weil Büroräume fehlen. Die Nutzung der Alten Post als Technisches Rathaus habe sich geradezu angeboten, sagt Antkowiak.

Die komplette Stadtverwaltung an einem Ort: Das bedeute kurze Wege für die Friedberger, sagt der Bürgermeister. Das sieht auch die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung so und hat dem Deal zugestimmt. Der Verkaufspreis liegt nach Informationen dieser Zeitung zwischen drei und vier Millionen Euro. Mit Sanierung, Umbau und dem Bau eines Fahrstuhls dürfte das neue Technische Rathaus die Stadt knapp über sieben Millionen Euro kosten.

Errichtet vor 115 Jahren

Betritt man die Alte Post, wird man von einem Reichspost-Adler begrüßt, der auf dem Sturz über der Eingangstür thront. Das 1913 errichtete Gebäude diente jahrzehntelang als Postamt. Im Jahr 2000 zog das Staatliche Schulamt für den Wetteraukreis und den Hochtaunus-Kreis ein. Die Behörde wird sich eine neue Bleibe suchen müssen. Der Mietvertrag läuft am 30. Juni 2020 aus.

Ein halbes Jahr später hat die Stadtverwaltung der Kreisstadt eine neue Adresse: Mainzer-Tor-Anlage 6 – 8. Was die Hausnummer 8 von der 6, der ehemaligen Blindenschule, unterscheidet, zeigen Antkowiak und einer der beiden Eigentümer, der Friedberger Architekt Peter Müller.

Stadt war der Wunschkäufer

Das Gebäude verfügt im Gegensatz zum Nachbarhaus über einen Mittelgang. Die Büros sind etwas kleiner, aber es sind deutlich mehr. Die Eigentümer hätten das Haus in einem einwandfreien Zustand gehalten, lobt Antkowiak. Die Stadt sei sein Wunschkäufer gewesen, sagt Müller. "Die beiden Nachbargebäude sind straßenbildprägend. Bei der Stadt weiß ich das denkmalgeschützte Ensemble in guten Händen." Trotz des modernen Erscheinungsbildes der Räume muss noch einiges getan werden, um die Räume für die neue Nutzung herzurichten. Es gibt Feuchtigkeitsschäden, deren Beseitigung durch die Vorbesitzer rund 80 000 Euro kosten dürften. Die Stadt muss neue PC-Verkabelungen legen und einen Aufzug einbauen lassen.

Für den Aufzug hat Müller drei mögliche Standorte ausgemacht. Er favorisiert einen Aufzug im Hof, der vor die Gebäudewand gesetzt wird. Pläne hat er bereits erarbeitet. Müller schätzt die Kosten auf ebenfalls rund 80 000 Euro. Die Fußböden müssen teils erneuert werden. Schwellen werden entfernt, um behindertengerechte Zugänge zu den Büros zu erhalten.

Lichtblick Rundfenster

Einen oder genau genommen zwei "Lichtblicke" bieten die historischen Rundfenster mit Steineinfassung im Treppenhaus. Auch die Treppenstufen sind interessant, weil recht dünnwandig. Die Stufen sind in die Wand eingespannt. "Das ist 105 Jahre alt und hält immer noch", sagt Müller.

Die Alte Post verfügt über drei Etagen und einen Keller, der sich bis unter den Hof erstreckt. Das Dach dient als Lagerraum. In jedem Stockwerk gibt es Toiletten und eine kleine Küche. Besonders einladend wirken die beiden Turmzimmer mit schrägen Decken. Hier dürften Amtsleiter einziehen. Im Hof gibt es weitere Gebäude: ein seitlicher Anbau mit Rampe, der viele Jahre lang als Künstleratelier genutzt wurde und eine modern ausgebaute Remise mit mehreren Sitzungszimmern. Im Hof können Autos parken, auch zwei E-Tankstellen gibt es hier.

Das Bauamt sei derzeit auf mehrere Standorte verteilt, sagt Antkowiak. Seit Jahren gebe es einen Bearbeitungsstau, weil keine Räume vorhanden seien, in denen man neue Mitarbeiter unterbringen könnte. Dieses Problem habe man nun gelöst. Die Alternativen hätten sich zerschlagen. Auch die Wohnungsbau-Gesellschaft und die Flüchtlingsbetreuung sollen in die Alte Post einziehen. Wer noch, werde sich zeigen.

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