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 Eine Sozialarbeiterin der Justizvollzugsanstalt Rockenberg soll ein intimes Verhältnis mit einem Häftling gehabt haben.

Prozess

Häftling behauptet mit seiner Sozialarbeiterin intim gewesen zu sein - sie bestreitet alles

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Weil sie mit einem Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg Geschlechtsverkehr gehabt haben soll, muss sich eine Sozialarbeiterin derzeit vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Im Raum steht auch der Vorwurf der Erpressung.

Rockenberg - Hat sie oder hat sie nicht – das ist hier die Frage, denn es steht Aussage gegen Aussage. Laut Anklage soll Michaela C. (Name von der Redaktion geändert) mit dem zur Tatzeit 21-jährigen Strafgefangenen Radek Z. (Name von der Redaktion geändert) in der JVA Rockenberg Anfang 2015 ein intimes Verhältnis gehabt haben. Die Redaktion hat hinter die Kulissen einer Justizvollzugsanstalt geblickt und die Eindrücke in 360-Grad-Bildern festgehalten. Auch Geschenke soll sie ihm gemacht haben. Im April 2015 sei es während eines begleiteten Ausgangs zum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr in der Wohnung der Angeklagten gekommen.

Gefangener sagt aus, Sex mit Sozialarbeiterin sei nicht ganz freiwillig gewesen

Aufgeflogen sei das Ganze, weil der Gefangene einen speziellen Beratungstermin für Gefangene beim Jobcenter nicht eingehalten und stattdessen die kurze Freiheit für Privates genutzt haben soll. Daraufhin sei ihm der offene Vollzug gestrichen worden. Der Jugendliche beschwerte sich nun in einem Schreiben an das Justizministerium über die Strafmaßnahme. "Ich bin davon ausgegangen, dass sie unser Verhältnis länger aufrechterhalten wollte, denn ganz freiwillig war der Sex von meiner Seite nicht", berichtet der Gefangene vor Gericht.

Als die Angeklagte sich ihm das erste Mal mit Streicheln und Berührungen genähert habe – Ende 2014 –, da habe sie immer wieder vom offenen Vollzug, also über vorzeitige Freiheit, gesprochen."Der Geschlechtsverkehr bei ihr in der Wohnung war also zum Teil freiwillig, da ich nun einmal ein richtiger Mann bin. Und zum anderen Teil erzwungen, weil ich mir davon den offenen Vollzug versprochen habe", berichtet der heute 26-Jährige. Er habe Angst gehabt, dass er bei einer Weigerung die Vorzugsbehandlung durch die Angeklagte einbüßen würde.

Angeklagte streitet Sex mit Häftling ab

Die streitet die Tat ab. Der Gefangene sei nie in ihrer Wohnung gewesen, und Geschlechtsverkehr habe sie mit ihm auch nicht gehabt. Sicherlich habe sie Fehler im Umgang mit ihm gemacht. Das bereue sie inzwischen auch zutiefst, sagte die Sozialarbeiterin. Aber sie habe ihm weder den offenen Vollzug versprochen – das könne im Übrigen nur ein Gremium in der Haftanstalt unter Leitung des Anstaltsleiters – noch habe sie ihm besondere Geschenke gemacht. Sicherlich habe es hin und wieder kleine Zuwendungen gegeben, doch die hätten alle Gefangenen von ihr im Zuge vertrauensbildender Maßnahmen bekommen. Immer wieder brennt es in Gefängniszellen. In der JVA Preungesheim allein fünfmal seit 2016. Meist zünden die Häftlinge Matratzen an.

Auch, dass sie von ihm gemalte Bilder in ihrem Büro aufgehangen habe, sei nichts Ungewöhnliches, denn das habe sie auch mit Bildern von anderen Häftlingen getan. Sein "Gekritzel in ihrem Terminkalender" hingegen sei gegen ihren Willen geschehen. Und auch das Marmorherz von ihrem Schreibtisch habe er von sich aus mitgenommen. Es sei kein Geschenk gewesen. C. stellte in ihrer Aussage, die sie vom Blatt ablas, die Behauptungen und Anschuldigungen Z.s als reinen Racheakt dar, weil sie ihm angeblich den offenen Vollzug gestrichen habe.

Strafgefangener konnte Wohnung der Angeklagten genau beschreiben

Weil nun Aussage gegen Aussage steht und die Angeklagte standhaft behauptet, den Gefangenen Z. weder in ihrer Wohnung gelassen, noch Sex mit ihm gehabt zu haben, ließ sich Staatsanwalt Christian Bause vom Gefangenen die Wohnung der Sozialarbeiterin genau beschreiben. Und schnell stellte sich heraus, dass er genaue Kenntnisse von der Wohnung und dem Mobiliar hat.

Auch Polizeibeamte bestätigten anschließend, dass sie die Aussagen des Gefangenen mit den Verhältnissen vor Ort bestätigt gefunden hätten. Auffallend sei auch in diesem Zusammenhang auch, dass Z. die Angeklagte sogar noch in Schutz nimmt. "Nein, erpresst hat sie mich nie und auch nicht zu Handlungen gegen meinen Willen gezwungen. Aber ich dachte mir, ablehnen kannst du ihre Annäherungsversuche auch nicht, denn dann ist sie beleidigt und mein offener Vollzug dahin." Die Sozialarbeiterin ist vom Dienst suspendiert.

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