Das Zirkuszelt auf der Friedberger Seewiese wird in Zukunft keine Kulturveranstaltungen mehr präsentieren.

Neue Philharmonie Frankfurt

Ungemütlicher Spielort des Kultursommers im Zirkuszelt ist Vergangenheit

Ein Zirkuszelt kündet schon von weitem eine große Show an: Die Atmosphäre im Manegenrund auf der Seewiese war seit 2006 das Markenzeichen des Friedberger Kultursommers. Damit ist es vorbei. Immer wieder regnete es rein, der Komfort ließ zu wünschen übrig. Die Neue Philharmonie Frankfurt zieht deshalb 2019 in die Stadthalle um.

Alles hat seine Zeit, ändert sich und ist um Fluss. Das gilt auch für kulturelle Veranstaltungen. Die "Sommersprossen" und das Friedberger Burgfest sind längst Geschichte, 2019 gilt das auch für das Zirkuszelt auf der Seewiese. Unzählige Konzerte fanden hier statt, ob klassisch mit Symphonieorchester, mit großer Bühnenshow bei Oldie-Abenden oder im kleineren Rahmen, wenn heimische Bands im Vorzelt spielten. "Den Kreisstadtsommer wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben", sagt Christine Böhmerl, Leiterin des Kulturamtes im Rathaus. "Wir haben ein neues Kulturprogramm konzipiert, halten aber an den Konzerten der Neuen Philharmonie fest."

Im Zirkuszelt wurde man im ungünstigsten Fall gleichzeitig von unten und von oben nass. Es regnete durchs Dach, und bevor in den letzten Jahren ein Holzboden im Rund verlegt wurde, watete man dort durch den Matsch. Die Preise waren im Vergleich zu Konzerten in der Alten Oper Frankfurt günstig. Dafür war ein Teil der Sitzplätze auf der Tribüne eher suboptimal:

Der Blick der Zuschauer in den engen Schalensitzen ging von der Bühne weg, wer das Geschehen optisch verfolgen wollte, bekam einen steifen Hals. Regnete es nicht und die Sonne brannte unbarmherzig aufs Zeltdach, fühlten sich manche Zuschauer wie in der Sauna.

Neues Zelt für Kultursommer wäre zu teuer gewesen

Die Lösung: Die Klassikkonzerte ziehen in die Stadthalle um. "Wir sind viele Gedankenspiele durchgegangen, wollten auch ein neues Zelt mieten", sagt Böhmerl. Die Preisvorstellungen der Anbieter hätten sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Miete für das alte Zelt des ehemaligen "Universal Zirkus Renz" war relativ günstig; die Zirkusfamilie ist in Friedberg heimisch. Nach der letzten Vorstellung im Zirkuszelt nahmen Stadt, Ovag und Sparkasse Oberhessen die Stadthalle unter die Lupe. Toiletten, Künstlergarderoben und das Restaurant wurden renoviert. Die Bühne ist groß genug.

Einziges Manko: Das Fassungsvermögen ist kleiner. Ins Zirkuszelt passten 1400 Zuschauern, in die Stadthalle gehen 800 rein. Aber auch das ist kein Beinbruch, wie Andreas Matlé, Pressesprecher der Ovag, sagt. Die Konzerte der Neuen Philharmonie waren zuletzt nicht ganz ausverkauft. Die Wetterkapriolen und die engen Sitzschalen dürften ein Grund gewesen sein. Bis vor ein paar Jahren wurden neben den Cross-Over-Konzerten mit Orchester, Rockband, Sängern und Chören auch reine Klassikkonzerte gegeben: Beethovens 9. Sinfonie etwa oder die "Carmina Burana" von Carl Orff.

Reine Klassik und Kinderkonzerte wurden aus Programm genommen

"Mit der Klassik im Zirkuszelt haben wir die Hemmschwelle vor solchen Events heruntergesetzt", sagt Matlé. Die Preise waren niedrig, die Garderobe war leger. So sollten neue Zuhörerschichten an Mozart und Ravel herangeführt werden. Doch die reine Klassik kam nicht an, viele Plätze blieben leer. Das gleiche bei den Kinderklassikkonzerten: Obgleich der Eintritt mit 5 Euro sensationell niedrig war, füllte nicht einmal die Harry-Potter-Musik die 1400 Plätze. Beide Konzerte wurden aus dem Programm genommen.

Die Stadthalle bietet sich an. "Die Zuschauer können früher kommen und nachher bei Snacks noch etwas verweilen", sagt Böhmerl. Auch wenn das Ambiente im Zelt einmalig sei, gebe es viel Verständnis für die Entscheidung. Derzeit sei man mit dem Oldies-Club im Gespräch. Der organisiert jedes Jahr ein Konzert, das künftig auf dem Elvis-Presley-Platz steigen soll. Böhmerl verweist auf das neue Kulturprogramm mit neuen Spielorten: So sollen mehrere Konzerte im Burggarten stattfinden und alte "Burggartenträume" wiederbeleben.

In den ersten beiden Jahren fanden die Konzerte der Neuen Philharmonie noch bei freiem Himmel auf dem Burgfeld statt. Eine Rückkehr zum Open-Air-Konzert sei aber keine Lösung, sagt Matlé. Er kann sich noch gut an den heftigen Regen im August 2005 erinnern. Im Jahr zuvor bei der Premiere waren überm Taunus Gewitterblitze niedergegangen, das Konzert stand kurz vor der Absage. Nun holte Matlé beim Deutschen Wetterdienst eine "professionelle Vorhersage" für 20 Euro ein: Friedberg sei regensicher, lautete die Prognose. Am Abend kam dann der Wolkenbruch.

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