Reaktionen aus Politik

Im Wetterauer Busverkehr droht das Chaos

Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember könnte der Wetterauer Busverkehr zum Stillstand kommen, berichtete die Frankfurter Neue Presse gestern. Am selben Tag gab es die ersten Reaktionen auf die alarmierende Nachricht, dass sowohl im Raum Friedberg und Rosbach, als auch in Altenstadt und Büdingen unklar ist, welches Unternehmen in wenigen Wochen die Busse in Gang setzen wird.

„Das geht so nicht!“, ereifert sich Grünen-Sprecher Gerhard Salz. Wenn ein Betreiberwechsel anstehe, müsse die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) die Ausschreibung dazu viel früher starten. Damit rechtzeitig alle Probleme geklärt werden können.

„Ich bin empört darüber“, sagt Salz, „dass vier Wochen vor dem Start noch immer nicht klar ist, ob die sieben Buslinien in der Region Friedberg von der Bahn-Tochter Busverkehr Hessen (BVH) oder von Deinbus.de aus Offenbach angefahren werden.“ Viel früher hätte die VGO auch dafür sorgen müssen, dass die 21 Linien im Raum Altenstadt und Büdingen sicher bedient werden, meint er. Dort hatte ebenfalls die BVH den Zuschlag in der europaweiten Ausschreibung bekommen.

Doch die bisher dort fahrenden Unternehmen Balser aus Büdingen und Stroh aus Altenstadt wehren sich vor Gericht dagegen. Sie wollen die Linien auf eigene Rechnung weiter bedienen. Die Linie von Büdingen zur Gesamtschule Konradsdorf wird von Balser bereits auf eigenes Risiko gefahren.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Salz findet: Jetzt müsse endlich entschieden werden, wer in wenigen Wochen die Busse in Gang setzt. „Die Busse müssen fahren – das ist für mich sonnenklar.“

Und wenn sie doch nicht fahren werden, weil ab dem 10. Dezember nicht alles geklärt ist? Gerhard Salz: „Dann kann ich den Menschen nur raten, mit dem Taxi zu fahren und die Rechnung anschließend an die VGO zu schicken.“ Das habe er schon einmal erfolgreich in Baden-Württemberg probiert, nachdem er sich lange vergeblich an einer Bushaltestelle die Beine in den Bauch gestanden hatte, erklärt er.

Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen Friedberg, Büdingen und Altenstadt äußern sich gestern noch nicht zum drohenden Bus-Chaos. Formal sind sie dafür auch nicht zuständig. Rosbachs Bürgermeister Thomas Alber (parteilos) sagt: „Es ist im kommunalen Interesse, dass die Schüler zur Schule befördert werden. Da müssen sich die Verkehrsbetriebe etwas einfallen lassen.“ Notfalls werde er deswegen intervenieren, kündigt der Verwaltungschef an.

Jürgen Priem vom Fahrgastbeirat Wetterau findet es nicht überraschend, dass bald womöglich Busse ausfallen. „Die VGO kann die Verträge nur so machen, wie es europaweit vorgeschrieben ist“, sagt der in Echzell wohnende Verkehrsexperte. Und man dürfe sich nicht wundern, dass Busfahrer sich krank meldeten, wenn sie wissen, dass sie bald nicht mehr auf ihrer Linie eingesetzt werden. „Die Linienbusfahrer werden leider nicht gut bezahlt für ihren harten Job.“

Der Fahrgast-Vertreter hält es für wichtig, dass die Fahrer mehr Geld bekommen und bei einem Betreiberwechsel die Chance haben, in den neuen Bussen die gewohnten Linien zu fahren. Bei vergleichbaren Fällen in Bad Homburg und Wiesbaden mussten die Fahrgäste den ortsfremden Busfahrern die Strecke erklären, erzählt Jürgen Priem.

Bei den kommenden Schwierigkeiten trägt nach Priems Überzeugung nicht die VGO, sondern die Landes- und Bundesregierung die Verantwortung. Sie müssten dafür sorgen, dass regionale Buslinien nicht nur an den billigsten, sondern auch verlässlichsten Betreiber vergeben werden können.

Was tun, wenn bald Pendler nicht mehr rechtzeitig zur Arbeit, Schüler nicht mit dem Bus zur Schule kommen? „Ich habe da auch kein Patentrezept“, gesteht Jürgen Priem ein. Es werde wohl nicht funktionieren, an Werktagen kurzfristig Reisebusse als Springer einzusetzen. Denn die seien längst verplant. Also müssten die Fahrgäste wohl Fahrgemeinschaften bilden oder ins Taxi steigen.

Und Schüler müssten sich wieder ins Mama-Taxi quetschen. „Bitter“, findet der Sprecher des Fahrgastbeirats. Die VGO könne man für die Taxikosten übrigens nicht haftbar machen. Das sei in den Beförderungsbedingungen so festgeschrieben.

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