Zweckverband

Wetteraukreis will Mangel an günstigen Wohnungen entgegenwirken

In der Wetterau werden viel mehr kleine Wohnungen gebraucht, die deutlich weniger als zehn Euro pro Monat und Quadratmeter kosten. Zwei Tage vor seinem Weggang als Landrat präsentiert Joachim Arnold einen millionenschweren Plan.

Deutlich ist: Joachim Arnold will noch lange als Landrat im Gedächtnis bleiben. Kurz bevor er in die Chefetage des kommunalen Energie- und Wasserversorgers Oberhessische Versorgungsbetriebe (Ovag) wechselt, präsentierte der Sozialdemokrat noch zukunftsweisende Projekte. Neben dem Kauf von Anteilen am Gesundheitszentrums Wetterau von der Stadt Bad Nauheim geht es um die Gründung eines neuen Wohnungsunternehmens. Der Kreisausschuss habe seinen Vorschlag akzeptiert, sagte der 58-Jährige. Der Erste Kreisbeigeordnete und ab Montag kommissarische Landrat Jan Weckler CDU) steht nach eigenem Bekunden ebenfalls hinter dem Projekt. Real wird es, wenn sich genug Städte und Gemeinden aus der Wetterau beteiligen – und wenn der Kreistag das so beschließt.

Geplant ist für 2018 die Gründung eines Zweckverbandes. Der soll Zuschüsse und eigenes Geld für den Bau vieler sogenannter bezahlbarer Mietwohnungen organisieren, sagte Joachim Arnold im Friedberger Kreishaus. Bei mehreren Bürgermeister-Dienstversammlungen habe man darüber diskutiert. Es gebe viele Interessenten, behauptet Arnold. Das Ziel ist die Fertigstellung möglichst vieler preisgünstiger Wohnungen. Alleinerziehende und Singles brauchen Ein- und Zweizimmer-Wohnungen, Alte und Behinderte benötigen barrierefreie Bleiben mit Aufzug, breiten und schwellenlosen Türen und geräumigen Badezimmern.

Im Westen der Wetterau werde man laut Arnold wohl komplett neue Häuser auf Grundstücken bauen, welche Kommunen bereitstellen. Im Osten der Wetterau geht es eher darum, leerstehenden Wohnraum sinnvoll zu modernisieren. Neben eigenen Bauprojekten soll der Zweckverband soziale Bauträger und private Grundeigentümer beim Wohnungsbau beraten, Finanzierungspläne mit ihnen erstellen und Zuschüsse einwerben.

Praktisch sieht die Vision des scheidenden Landrats einen Geschäftsführer mit eigenem Büro vor. Die Verwaltung werde aber schlank sein, weil die Projekte von der Nassauischen Heimstätte oder anderen erfahrenen Wohnungsbau-Organisatoren betreut werden sollen. Der Zweckverband werde auch Lobby-Arbeit für den Bau günstiger Wohnungen leisten. Arnold: „Dringend erforderlich ist eine Deregulierung der Bauordnung und der Denkmalschutzauflagen, die uns insbesondere im ländlichen Raum Kopfzerbrechen bei der Aktivierung der Dorfkerne bereiten.“

Der Landrat setzt auf Projekte in mittleren und kleinen Kommunen wie Wöllstadt, Rosbach oder Niddatal. Die können freiwillig Mitglieder des Zweckverbandes werden. Als Startkapital sind sieben Euro pro Einwohner kalkuliert. Das Geld kann aus den zurückgezahlten Einlagen der Wetterauer Breitbandgesellschaft kommen, schlägt Arnold vor. Der Kreis selbst erwartet 2,1 Millionen Euro, die er als Stammkapital in den Zweckverband stecken würde. Die Landesregierung habe großes Interesse an der Gründung der Kreis-Wohnungsbaugesellschaft in Hessen, so Arnold. Sie würde 100 000 Euro aus einem Topf für interkommunale Zusammenarbeit in die Wetterau fließen lassen. Der Zweckverband könnte Immobilien mit zehn Prozent Eigenkapital und 90 Prozent geliehenem Geld errichten.

Schon am Anfang wäre damit ein Investitionsvolumen von mehr als 20 Millionen Euro zu mobilisieren, verkündete Arnold. Der Politiker sondierte auch, ob sich die städtischen Wohnungsbaugesellschaften aus Bad Vilbel, Karben, Friedberg, Bad Nauheim, Butzbach, Büdingen und Nidda für den Zweckverband interessieren. Sie könnten Mitglieder werden. Doch die hätten abgewunken, sagt der Landrat.

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