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Ausblick: Ein Sandsteinbogen mit Sicht auf die Kaiserstraße markiert den Zugang zum neuen Altstadtquartier

Wohnen in Friedberg

Zwei Investoren erschließen leerstehende Immobilien auf der Kaiserstraße

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Inmitten der Friedberger Innenstadt entsteht ein neues Wohnquartier. Zwei Investoren werden mit großen Projekten auf der Kaiserstraße aktiv: Zum einen Bernhard Dreger, der den Kaiserhof erschließt, zum anderen die Werkmann-Gruppe, die daneben das brachliegende Reuss-Gelände bebauen will. Mindestens 90 Wohnungen entstehen.

Bernhard Dreger steht vor der Kaiserstraße 120 und schaut auf sein Projekt: Den Kaiserhof, ein denkmalgeschütztes Gebäudeensemble, das der 58-jährige Bauträger umfänglich instand setzen will. 40 Eigentumswohnungen zwischen 80 und 140 Quadratmetern sollen entstehen. Im Immobiliengeschäft ist der Bad Nauheimer groß geworden und mittlerweile auf die Sanierung historischer Gemäuer spezialisiert. Sein neues Vorhaben ist ein zentrales, großes Ensemble mit vier atmosphärischen, weitgehend leerstehenden Gebäuden – „darunter das älteste Steinhaus in Friedberg, im 12. Jahrhundert errichtet“, wie Dreger schildert.

Gleich nebenan steht ein Klostergebäude aus dem 14. Jahrhundert, das momentan nur noch im Erdgeschoss einen Schreibwarenladen beherbergt. „Und dahinter ist die Fabrik. Im 19. Jahrhundert hat ein Umbau stattgefunden, darin waren ein Kaffeehandel und eine Kaffeerösterei.“ Daneben liegt noch ein dunkelgrünes 60er-Jahre-Gebäude, das als Wohnhaus benutzt wurde – auch das nicht ohne Charme.

Anfang 2015 überlegte der Bau- und Wirtschaftsingenieur, in der Kreisstadt aktiv zu werden. Deshalb nahm er mit dem Friedberger Architekten Matthias Kölsch Kontakt auf. „Er zeigte mir das Fabrikgebäude. Auf Nachfrage kam heraus, dass das ganze Areal zum Verkauf steht, 4000 Quadratmeter groß.“ Dreger zeigt die alte Stadtmauer, die das Grundstück an einer Seite begrenzt. „Ist sie nicht schön? Sie ist mittelalterlich. Wir sanieren sie in Abstimmung mit der Denkmalpflege.“ Er schließt die Tür zum Klostergebäude auf. Blick in weitläufige Flure, hohe Decken, Sprossenfenster hin zur Kaiserstraße.

Anschließend geht es ins Fabrikgebäude, das außen pittoresk und innen sachlich ist. Dregers Augen leuchten. Er freut sich über das, was entsteht – unter anderem auch ein Neubau als fünftes Haus auf dem Gelände. Einen Wermutstropfen gibt es: Ans Gelände grenzt das sogenannte Reuss-Grundstück, das er gern gekauft hätte, um ein noch größeres Quartier zu errichten. Doch ein anderer Investor bekam den Zuschlag.

Dabei handelt es sich um die Werkmann-Gruppe aus Dietzenbach im Kreis Offenbach, für die der Friedberger Architekt Michael Frielinghaus eine Wohnanlage mit 50 Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen entwickelt. „Das Reuss-Gelände ist ein sehr wichtiges Grundstück“, erklärt Frielinghaus. Bereits seit 30 Jahren wird diskutiert, was auf dem Gelände entsteht. Zunächst wurde an altengerechtes Wohnen mit Handel gedacht, anschließend vorübergehend an eine Einkaufsgalerie. Wie man auf einer Industriebrache wieder Leben in die Stadt bringen könne, und zwar durch Wohnungsbau – das ist laut Frielinghaus ein Thema, das die Architektur- und Immobilienbranche in ganz Deutschland bewegt.

Was nun direkt an der Kaiserstraße entsteht, sei ein kleines Wunder. Der Durchgang zu den Wohnbauten auf dem ehemaligen Reuss-Gelände wäre von vorne über das Haus Kaiserstraße 114 angesiedelt, das dazu gehört, sowie von hinten über die Ludwigstraße. Ein Haus in der Haagstraße gehöre ebenfalls zu dem Komplex. Es werde durch einen Neubau ersetzt.

Zudem sollen zwei kleine Plätze in der Anlage entstehen. Für den Bebauungsplan Stadt sei gerade die vorgezogene Bürgerbeteiligung gelaufen. Bürgermeister Michael Keller (SPD) ist angetan. „Wir haben im Augenblick eine sehr starke Bewegung in dem Bereich Kaiserstraße. Es tut der Stadt und der Kaiserstraße gut – nichts ist besser, als Menschen reinzubringen.“

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