Ab Montag gilt im hessischen Einzelhandel die 2G-Regel. (Symbolbild)
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Ab Montag gilt im hessischen Einzelhandel die 2G-Regel. (Symbolbild)

Corona-Krise

2G im Einzelhandel in der Wetterau: „Kröte, die wir schlucken müssen“

  • Christian Berg
    VonChristian Berg
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Die hessische Landesregierung verschärft erneut die Corona-Regeln. Unter anderem wird ab dem kommenden Montag das 2G-Modell mit wenigen Ausnahmen auf den Einzelhandel ausgeweitet. Was halten Ladenbetreiber im Wetteraukreis davon?

Wetterau - W er ab Montag im Einzelhandel einkaufen möchte, muss nachweisen, dass er geimpft oder genesen ist. Das hat die hessische Landesregierung am Dienstag als Konsequenz aus zuletzt massiv gestiegenen Corona-Zahlen und medizinischem Personal an der Leistungsgrenze beschlossen. Das bedeutet: Menschen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Infektion genesen sind, bleibt der Besuch in Läden und Geschäften verwehrt. Ausgenommen sind der Einkauf von Lebensmitteln für den täglichen Bedarf oder etwa der Besuch von Apotheken.

»Ich weiß nicht, was es bringen soll, aber ich freue mich, dass es keinen weiteren Lockdown gibt und dass wir nicht wieder schließen müssen«, sagt Maximilian Häßner vom Modegeschäft Textilium in Nidda. »Aber wenn man die vierte Welle wirklich brechen will, dann wäre es konsequent gewesen, 2G überall einzuführen, also auch im Lebensmittelbereich.« Bislang habe man niemanden vom Einkauf ausschließen wollen, unter anderem auch, um nicht mit Stammkunden an der Tür diskutieren zu müssen. »Wir werden uns aber streng an die Vorgaben halten, denn wir haben keine Lust auf Strafen«, betont Häßner.

Auch Friederike Herrmann von der Buchhandlung Bindernagel in Friedberg glaubt nicht, dass 2G im Einzelhandel die Pandemie-Lage entscheidend verbessert. »Das ist Aktionismus, der für große Verärgerung sorgen wird. Das finde ich nicht in Ordnung«, sagt sie. Immerhin gebe es keinen erneuten Lockdown. »2G ist die Kröte, die wir schlucken müssen«, befindet Herrmann.

2G im Einzelhandel in der Wetterau: Welche Auswirkungen auf Weihnachtsgeschäft?

Welche Auswirkung die Entscheidung auf das Weihnachtsgeschäft haben werde, könne er jetzt noch nicht beurteilen, sagt Häßner. »Ich weiß ja nicht, wie viele unserer Kunden nicht geimpft sind«, erklärt er. Das Textilium werde aber die Möglichkeit anbieten, sich an der Tür beraten zu lassen oder Kleidung abzuholen. »Wir haben einen Seiteneingang, so können wir die Kunden separieren«, sagt Häßner.

Herrmann vermutet, dass jetzt wieder mehr im Online-shop der Buchhandlung eingekauft werde, der habe sich bereits während der Lockdowns bewährt. Die Bücher würden versandt, könnten aber auch an der Ladentür abgeholt werden. Dass sie jetzt Mitarbeiter zur 2G-Kontrolle abstellen müsse, »ist keine schöne Geste und kein Spaß im Weihnachtsgeschäft«.

Keine Probleme durch 2G sieht Rosita Gramm von Textilwaren Gramm in Gedern. »Aus Gesprächen mit meinen Kunden weiß ich, dass die meisten doppelt geimpft sind und einige auch schon ihre Booster-Impfung bekommen haben«, sagt sie. Außerdem müsse man wieder weg von den hohen Inzidenzen, »die Menschen trauen sich ja kaum auf die Straße«.

Häßner und Herrmann sehen deutliche Versäumnisse der Politik. Der Niddaer kritisiert, dass die ab Montag geltende Beschränkung nicht in die Zukunft gedacht sei. Es räche sich jetzt, »dass den ganzen Sommer über nichts getan worden ist«. Als Fehlentscheidung bezeichnet er die Schließung der Impfzentren, so dass sie jetzt wieder eingerichtet werden müssten. »Das ist nicht nachvollziehbar«, urteilt er. Auch die Impflogistik sei ein »klares Problem«. Herrmann findet, der Staat müsse endlich die Impfpflicht einführen. »Das hätte längst geschehen müssen, aber diese unpopuläre Entscheidung wollte niemand treffen. Stattdessen wird der Druck auf Ungeimpfte, sich endlich impfen zu lassen, nun auf den Einzelhandel, die Gastronomie und die Veranstalter abgewälzt«, kritisiert die Friedbergerin. Dazu komme, dass seit dem vergangenen Jahr 4000 Intensivbetten abgebaut worden seien. »Das ist ein Komplettversagen, das passt nicht zusammen. Krankenhäuser können keine Wirtschaftsunternehmen sein.«

2G im Wetterauer Einzelhandel: Kunden sind loyal

Sowohl Häßner, als auch Herrmann und Gramm betonen, dass sie mit ihren Geschäften bislang »gut« durch die Pandemie gekommen seien. »Die Zeit war sehr arbeitsintensiv, aber wir haben nie aufgegeben und hatten immer neue Ideen. Außerdem konnten wir uns während der Lockdowns auf die Loyalität unserer Kunden verlassen«, schildert Häßner. Das Textilium werde weiter versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, kreativ zu sein und keinen auszuschließen.

Herrmann betont: »Ein Hoch auf unsere Kundschaft. Sie ist uns treu geblieben und hat uns viel Zuspruch gegeben, so dass wir die Zeit wirtschaftlich gut überstanden haben.« Auch Gramm will sich nicht beklagen: »Ich kann überleben, auch weil ich wenige Fixkosten habe.«

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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