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Als Friedberg untertunnelt werden sollte

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Von: Jürgen Wagner

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Statt die Natur durch den Bau der B 3a zu vernichten, schlug die CDU 1986/87 einen Tunnel unter der Kaiserstraße vor. © pv

Friedberg (jw). »Es gab auch mal den Vorschlag, die Kaiserstraße zu untertunneln«, erinnerte Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (CDU) am Ende der Debatte über den Gestaltungswettbewerb für die Friedberger Einkaufsmeile. Von »rund 50 Millionen Mark Kosten« sei die Rede gewesen. Der Vorschlag »war seiner Zeit weit voraus und geriet dann in Vergessenheit«.

Ein Schmunzeln ging durch die Reihen der Stadtverordneten. Die Älteren erinnerten sich noch, die Jüngeren dürften sich gefragt haben, ob das ernst gemeint war: Ein kombinierter Auto- und Fahrradtunnel unter der Kaiserstraße, von der Ockstädter Straße rund 700 Meter lang bis zur Burg! Wäre das überhaupt machbar gewesen, angesichts der vielen mittelalterlichen Keller, die sich unter dem Stadtkern befinden, die teils verfüllt sind, teils noch genutzt werden und von denen einige wohl längst in Vergessenheit geraten sind?

Überlegungen zum Flugplatz Ockstadt

Anfang der 1980er-Jahre, während der Planung für die erst 2009 eröffnete B3 a, wurde in Friedberg die Untertunnelung des US-Flugplatzes zwischen Friedberg-West und Ockstadt diskutiert. Heute sind am Rande der B 3a nur noch wenige Reste des Hubschrauberlandeplatzes erkennbar. Statt eine Umgehungsstraße zu bauen und die Natur zu zerstören, sei es sinnvoller, die Kaiserstraße zu untertunneln und oberirdisch Parkplätze zu schaffen, sagte der seinerzeitige CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Geipel. Die Westumgehung schneide die Kernstädter von Ockstadt und dem Erholungsgebiet Taunus ab und zwinge sie, »zwölf Meter hohe Kreuzungsbauwerke zu überwinden«. Eine Untertunnelung des Flugplatzes blockiere das Grundwasser. Auch im Osten sei eine Umgehung problematisch, daher der Vorschlag der CDU, die Kaiserstraße zu untertunneln. Als Beispiel nannte Geipel den Verkehrstunnel von Bad Honnef nach Bonn.

Laut Ingenieuren könne die Kaiserstraße »im bergmännischen Vortrieb, also ohne Aufreißen der Straßendecke und ohne Verkehrsbeeinträchtigung« untertunnelt werden. Ein Zuschauer der Parlamentssitzung am Donnerstag erinnerte sich an eine Bürgerversammlung, auf der Vertreter des Denkmalschutzes geäußert hätten, sie würden bei einem solchen Projekt ganz genau hinschauen. Die Untertunnelung der Kaiserstraße, die wohl so manchen Fund aus über 2000 Jahren Besiedlungsgeschichte zutage gefördert hätte, wurde aufgegeben.

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