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Auch in der Wetterau: Brot wird wahrscheinlich teurer

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Von: Stefan Weil

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»Regionalität zeichnet sich in Krisenzeiten aus«: Vulkanbäcker Joachim Haas betreibt neben seiner Backstube in Schotten mehrere Backfilialen und Cafés in der Umgebung.
»Regionalität zeichnet sich in Krisenzeiten aus«: Vulkanbäcker Joachim Haas betreibt neben seiner Backstube in Schotten mehrere Backfilialen und Cafés in der Umgebung. © Stefan Weil

Heimische Fachleute rechnen mit steigenden Produktionspreisen für Brot und Brötchen. Hintergrund ist die politische Weltlage.

Friedberg - Der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Das wird der Verbraucher auch bei Brot und Brötchen zu spüren bekommen – wahrscheinlich auch in der Wetterau. Heimische Produzenten gehen von einem Anstieg der Preise aus. Die Ukraine gilt als Kornkammer, zusammen mit Russland steht das zweitgrößte Land Europas für weltweit rund ein Drittel aller Weizenexporte.

Am Montag hat Russland bis zum 30. Juni einen Ausfuhrstopp für Weizen und auch für Roggen, Gerste, Mais und Mischgetreide angekündigt. Die Preise für Getreide sind bereits explodiert, dazu sind die Kosten für Energie wie Heizöl und Diesel exorbitant angestiegen.

Die heimischen Landwirte können kurzfristig ihre Produktion kaum erhöhen, um Ausfälle durch den Krieg zu kompensieren. »Der Winterweizen wird im Herbst gesät. Da ist an der Menge nichts mehr zu machen. Wenn überhaupt, kann es nur um die Ernte im Sommer 2023 gehen«, sagt Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt. Dazu bräuchte es aber auch mehr Saatgut, dessen Preise ebenfalls in die Höhe geschossen sind, so Rahn-Farr.

Wetterauer Fachfrau: Kurzfristig keine Engpässe beim Weizen

Die Vorsitzende des Kreisbauernverbands sieht kurzfristig keine Engpässe bei der Weizenversorgung in Deutschland. »Wir, wie auch die Europäische Union, sind ein starker Weizenproduzent. Wir produzieren reichlich.« Allerdings sehe das in anderen Regionen der Welt ganz anders aus. »Südamerika, die Sahel-Zone in Afrika oder der Nahe Osten sind große Weizenimporteure. Da schlägt ein Ausfall von Lieferungen aus der Ukraine und Russland ganz anders durch.« Die große Frage sei, ob man das kompensieren könne. Die Häfen im Schwarzen Meer können durch den Krieg nicht mehr angelaufen werden.

Rahn-Farr mahnt ein Umdenken in der Politik an. »Die Rahmenbedingungen müssen neu gesetzt werden. Immer mehr Getreideäcker stillzulegen, um hier Sojaschrot zu produzieren oder Blühflächen einzurichten, hindert die Bauern daran, mehr zu produzieren, um Ausfälle in anderen Ländern kompensieren zu können.«

Wetterauer Landwirte ächzen: „Rekordpreise beim Dünger“

Die Stilllegungen sollten zumindest zeitlich verschoben werden. Auch die Erträge ließen sich mit besserer Düngung noch steigern. »Da ist ein Mehr von rund 20 Prozent machbar«, betont die Vorsitzende des Bauernverbands Wetterau-Frankfurt. Schließlich kämen auf die Landwirte ohnehin höhere Kosten zu, was sich auch auf die Preise für ihre Produkte auswirken müsse.

»Wir haben Rekordpreise beim Dünger, das ist bald nicht mehr zu bezahlen. Und dazu die Energiekosten. Der Dieselpreis ist durch den Krieg noch einmal stark gestiegen.« Rahn-Farr rechnet mit größeren Preisanstiegen vor allem im kommenden Jahr.

Durch vertragliche Bindungen sei aktuell der meiste Weizen langfristig schon zu festen Preisen verkauft. »Freie Ware gibt es nur noch wenig.« Und bei all den Problemen dürfe die Qualität der Produkte nicht leiden. Das gelte auch für den Tierschutz, sagt Rahn-Farr, die einen Milchviehbetrieb in Rinderbügen (Stadtteil von Büdingen, Wetterau) bewirtschaftet.

„Vulkanbäcker“ aus Schotten rechnet mit Preisanstieg

Von einem Anstieg der Preise für seine Produkte geht »Vulkanbäcker« Joachim Haas aus. Der Schottener, der neben einer großen Backstube mehrere Bäckereifilialen und Cafés betreibt, macht eine einfache Rechnung auf. »Die Kosten für das Heizöl sind in den letzten Tagen um 60 bis 70 Cent pro Liter gestiegen. Hochgerechnet auf ein Jahr bedeutet das rund 7000 bis 8000 Euro Mehrkosten nur fürs Backen.« Dazu kommen die explodierten Dieselkosten für den Fuhrpark.

Der Preis für ein Kilo Weizenmehl sei um 50 Prozent gestiegen, Auch die Kosten für andere Produkte, die zum Backen gebraucht werden wie Sonnenblumenkerne, Butter, Sahne und Öl, seien in die Höhe geschossen. »Es wird schon zunehmend rationiert. Es sind kaum noch große Menge von den Lieferanten zu bekommen«, berichtet Haas.

Wetterauer Bäcker: Regionalität als Vorteil

Durch seine regionale Ausrichtung sieht er sein Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern aber gut aufgestellt. »Regionalität zeichnet sich in Krisenzeiten aus. Unsere Transportweg sind kurz. Wir betreiben eine kleinteilige Zusammenarbeit mit Bauern und Landwirten aus der Umgebung von Wetterau und Vogelsberg«, sagt Haas.

Eine Preiserhöhung werde zwar kurz- oder mittelfristig auch für seine Firma nötig sein, mit fünf bis zehn Prozent aber noch im Rahmen bleiben. »Wie sich das langfristig entwickeln wird, ist derzeit noch nicht absehbar.«

Andere Einschätzung aus der Wetterau als von Özdemir zu hören

Kreisbauernverbandsvorsitzende Andrea Rahn-Farr beurteilt die möglichen weltweiten Auswirkungen des russischen Getreideexportstopps anders als Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir.

»Uns in Deutschland geht es sehr wohl etwas an, wenn die Menschen in den potenziell unterversorgten Gebieten nichts mehr zu essen haben. Daraus entwickelt sich eine Völkerwanderung. Die Menschen machen sich auf den Weg, um zu uns zu kommen, einfach um nicht zu verhungern.«

Özdemir hatte vor wenigen Tagen eine Gefahr für die Versorgung innerhalb der EU mit Weizen wegen des hohen Selbstversorgungsgrads ausgeschlossen.

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