Bewährung und Geldstrafe

  • VonJürgen W. Niehoff
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Friedberg (jwn). Hat die Liebe einen fast 50-jährigen Dachdecker aus Nordrhein-Westfalen blind gemacht und ihn zu einer Horrorfahrt mit seinem Pkw unter Drogen animiert? Das behauptet jedenfalls der gebürtige Thüringer, der sich wegen dieser Fahrt am 3. Januar 2020 nun vor dem Friedberger Schöffengericht verantworten musste.

Angeklagt war er wegen mehrerer gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr unter Drogeneinfluss, wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung und Fahrerflucht. »Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern, bis auf den letzten Zusammenstoß. Da dachte ich, ich wäre aus einem Sekundenschlaf aufgewacht«, räumt der Angeklagte kleinlaut ein.

Als ihm seine Freundin kurz zuvor an Weihnachten überraschend den Laufpass gegeben hatte, sei für ihn eine Welt zusammengebrochen. Von Heppenheim, seinem damaligen Wohnort, sei er am Morgen des 3. Januar in Richtung Grafenwöhr in Bayern aufgebrochen, wohin seine Freundin mit ihren Kindern inzwischen umgezogen war. Da er jedoch ihre neue Anschrift nicht kannte, wurde nichts aus dem Versöhnungsbesuch. Aus Frust zog er sich deshalb circa 1,5 Gramm Amphetamin ein und trat spät abends die Heimreise nach Heppenheim an. »Von der Fahrt selber weiß ich allerdings gar nichts mehr«, berichtet der Angeklagte vor Gericht.

Kein Wunder, dass er sich deshalb auch verfahren hat und in Gießen landete. Dort verursachte er kurz nach Mitternacht den ersten Unfall: Beim Abbiegen streifte er den Pkw des Zeugen B.

Schimpfend und drohend geflüchtet

Als dieser aussteigen wollte, um sich den Schaden an seinem Wagen anzuschauen, fuhr der Angeklagte mit seinem Dacia zunächst einige Meter laut schimpfend und drohend rückwärts, um dann im zweiten Anlauf den Wagen seines Unfallgegners noch einmal sehr heftig zu rammen. Danach flüchtete der Angeklagte.

In Echzell touchierte er zunächst einen vor ihm fahrenden Pkw leicht. Dessen Fahrer nahm dies zunächst einmal nicht ernst. Dann aber sei es in einem Kreisverkehr nur wenige hundert Meter weiter zu einer erneuten Berührung gekommen. Dieses Mal mit der Folge, dass sein betagtes Fahrzeug Totalschaden erlitt. Auch in diesem Fall soll der Angeklagte laut fluchend und ohne Austausch der Personalien geflüchtet sein.

Der dritte Unfall ereignete sich in Butzbach nahe der Waldsiedlung. Hier sei der Angeklagte auf ein auf dem Gehweg parkendes Fahrzeug aufgefahren und habe auch dieses in einen Haufen Schrott verwandelt. Schaden 16 000 Euro. Dieses Mal muss aber auch sein eigenes Auto schwer beschädigt worden sein, denn im nahen Kreisverkehr hat es der Angeklagte dann fahruntüchtig stehen lassen.

Er flüchtete zu Fuß, wurde später von einer Polizeistreife in Butzbach gefunden und zur Wache gebracht. Sein Bluttest ergab ein Amphetamingehalt von 390 Mikrogramm pro Liter Blut. »Das ist schon toxisch«, meinte der Rechtsmediziner Herbert Dettmeyer. Dass er die 390 Mikrogramm so überstanden habe, zeige, dass er an die Droge bereits gewöhnt gewesen sei.

Wie auch der zweite Sachverständige Jens Ulferts sah er in der Einnahme der Amphetamine keine Beeinträchtigung der Einsichtsfähigkeit, schloss aber eine verminderte Steuerungsfähigkeit nicht grundsätzlich aus.

Gericht erhöht Strafmaß

Aufgrund der eingeschränkten Steuerungsfähigkeiten durch die Amphetamine und weil der Angeklagte bis zu dem Vorfall und auch danach nie straffällig geworden war, forderte Staatsanwalt Jörg Urllmann ein Jahr Gefängnis auf Bewährung, Aberkennung der Fahrerlaubnis für weitere sechs Monate und eine Geldbuße in Höhe von 1000 Euro. Dem schloss sich der Verteidiger Axel Weber an.

Das Schöffengericht, unter Leitung von Richter Dr. Markus Bange, erhöhte allerdings das Strafmaß in seinem Urteil. Die Verstöße seien doch zu schwergewichtig, als dass man den Angeklagten so glimpflich davonkommen lassen sollte. Deshalb verurteilte er ihn zu zwei Jahren Gefängnis, allerdings auch auf Bewährung, zu einem Führerscheinentzug für ein weiteres Jahr und zu einer Geldbuße in Höhe von 1500 Euro. Noch im Gerichtssaal hat der Angeklagte das Urteil angenommen und auf weitere Rechtsmittel verzichtet.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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