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Bewohner fordern: Stadt soll Eigentümer am Fünf-Finger-Platz werden

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Von: Jürgen Wagner

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Insgesamt drei denkmalgeschützte Fachwerkhäuser stehen rund um den Fünf-Finger-Platz in Friedberg zum Verkauf.
Insgesamt drei denkmalgeschützte Fachwerkhäuser stehen rund um den Fünf-Finger-Platz in Friedberg zum Verkauf. © Nicole Merz

Drei Fachwerkhäuser rund um den Fünf-Finger-Platz in Friedberg sollen veräußert werden. »Die Stadt sollte kaufen«, fordern Anwohner.

Friedberg – Als Wolfgang Bub vergangene Woche die Verkaufsschilder an den Häusern am Fünf-Finger-Platz sah, läuteten bei ihm alle Glocken. In der Facebook-Gruppe »Ideen für Friedberg« postete er Fotos und schrieb: »Jetzt oder nie! Die Stadt sollte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und diese vom Verfall bedrohten Schönheiten am Fünf-Finger-Platz kaufen.«

Das wäre ein »entscheidender Schritt für unsere Altstadt«, sagt Bub. Es könnte »der Anfang einer wirklichen Sanierung sein«. Die Altstadtsanierung wird auch noch Jahre nach Abschluss des Projekts von den Bewohnern, die kräftig zur Kasse gebeten wurden, als gescheitert betrachtet. »Jetzt besteht die einmalige Chance für die Stadt, Eigentümer der denkmalgeschützten Häuser zu werden. Das ist das Herz der Stadt, das jahrzehntelang vernachlässigt wurde.«

Mann aus Friedberg wirbt auf Facebook um Kauf von Fachwerkhäusern in der Altstadt

Auf seinen Facebook-Eintrag erntete Bub viel Zustimmung, aber auch kritische Stimmen. Kostet das nicht viel Geld? »Es wird teuer werden, aber der Effekt wäre es wert«, schreibt ein Diskussionsteilnehmer. Andere schreiben, es gehe darum, die Häuser »vor dem Zugriff derer zu retten, denen die Altstadt völlig egal ist«. Die zum Verkauf stehenden Häuser seien »Schlüsselstellen der Altstadt«: »Ihr jetziger Zustand färbt ab auf die gesamte Altstadt und macht alle positiven Effekte zu nichte.« Andere Häuser seien optisch ansprechend saniert worden. »Doch was nutzt das, wenn zwei der größten und eigendlich auch schönsten Häuser verfallen?«

Diskutiert wird in Facebook auch, ob die Stadt ein Vorkaufsrecht besitzt. Was nicht der Fall ist. Sven Weiberg (Linke) schreibt, ein Vorkaufsrecht gebe es nur, »wenn man die Innenstadt zum städtebaulichen Entwicklungsgebiet erklären würde. Und der Antrag dafür gammelt im Ausschuss für Stadtentwicklung.« Es wird vorgeschlagen, das Tourismusbüro der Stadt in einem der Häuser unterzubringen. Bub kann sich ein Café vorstellen. Das würde tagsüber Touristen in die Altstadt locken. Auf keinen Fall, heißt es an anderer Stelle, dürften die Gebäude »in dubiose Hände fallen«.

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Berivan Colak-Loens kündigte eine Anfrage für die nächste Stadtverordnetenversammlung an; auch im Ausschuss für Stadtentwicklung könne über das Thema gesprochen werden.

Eigentümer will die Häuser am liebsten der Stadt Friedberg verkaufen

Bub engagiert sich in der UWG, trat bei der Kommunalwahl als Listenkandidat an, schaffte aber nicht den Sprung ins Stadtparlament. Der UWG-Stadtverordnete Timo Haizmann äußert Zweifel, ob ein solches Geschäft zustande kommt: »Bis die Stadt in die Pötte kommt, verkauft der übernächste Eigentümer schon.« Das ist überspitzt formuliert und stimmt auch nicht. Tatsächlich wurde die Stadt bereits aktiv. Und der Eigentümer kann sich vorstellen, die Häuser an die Stadt zu verkaufen.

Enver Demir, Eigentümer der drei in Frage stehenden Häuser in der Usa- und der Engelsgasse, hat »keine Lust mehr auf die Altstadt«, wie er sagt. Die Zustände dort stören auch ihn. Immer wieder klagen die Anwohner über nächtlichen Lärm aus den Kneipen, über Drogengeschäfte oder über Verschmutzungen. Einiges ist besser geworden. Aber besser, meinte neulich ein Bewohner der Friedberger Altstadt, »ist nicht gleich gut«.

Zum Verkauf stehen die ehemalige Orient-Bar (Usagasse 9, einstmals Gaststätte »Zum goldenen Engel«), das sich dahinter anschließende Haus sowie das Eckhaus in der Engelsgasse, in dem zuletzt eine »Bar International« beheimatet war. Pro Haus wolle er 350 000 Euro. »Ich bin verhandlungsbereit«, sagt Demir. Die Häuser stehen unter Denkmalschutz, der Sanierungsaufwand dürfte nicht unerheblich sein. Für Demir ist wichtig, dass die Häuser »in gute Hände kommen. Die Stadt wäre die beste Lösung.« Und: Er habe bereits einen Anruf aus dem Rathaus zwecks Besichtigung durch das Bauamt erhalten.

Friedberg hat generelles Interesse am Kauf der drei Häuser am Fünf-Finger-Platz

Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) sieht im Kauf der drei Häuser »eine historische Chance für eine Weiterentwicklung der östlichen Altstadt«. Das Bauamt und die Wohnungsbaugesellschaft seien mit der Sache beschäftigt. Antkowiak erinnert an die Sozialraumanalyse von 2018, in der der Bedarf nach mehr Räumlichkeiten erbeten und sogar konkrete Vorschläge unterbreitet wurden. »Unter anderem war dies ein Mehrgenerationenhaus bzw. ein Dorfgemeinschaftshaus für die östliche Altstadt. Die Konflikte rund um den Fünf-Finger-Treff sind uns allen bekannt; durch eine städtische Nutzung der Gebäude würde der Platz aufgewertet und auch für den Einzelhandel wieder attraktiver.« (Jürgen Wagner)

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