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Fast 600 Autofahrer in der Wetterau zu schnell unterwegs – „Habe das Schild nicht gesehen“

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Von: Hanna von Prosch

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rueg_Speedmarathon_Messg_4c © Hanna von Prosch

Beim Speedmarathon in der Wetterau hat die Polizei nicht nur Geschwindigkeiten kontrolliert. Das Fazit: Viele sind zu schnell, zwei Autofahrer für eine Zeit ohne Führerschein.

Friedberg – Ein positives Fazit zum Speedmarathon am Donnerstag zieht die Polizei auch im Wetteraukreis: An vier Blitzstellen fuhren 715 Fahrzeuge durch die Messtechnik der Polizei. Insgesamt waren 591 Fahrzeuge zu schnell.

In der Windhofkurve auf der B3 zwischen Langgöns und Butzbach sind 2017 drei junge Menschen ums Leben gekommen. In den vergangenen drei Jahren ereigneten sich immer noch elf Unfälle an dieser Stelle. Das nahm die Polizei zum Anlass, beim Speedmarathon am Donnerstag dort erneut zu kontrollieren.

Blitzer-Marathon in der Wetterau: „Ich versuche jeden zu erwischen“

Von sechs Uhr morgens bis 18 Uhr wurde beim Speedmarathon europaweit wieder geblitzt: mit Ort und Ansage. Trotzdem erwischte es eine ganze Reihe Autofahrer und -fahrerinnen. Am frühen Nachmittag lag in der Windhofkurve der Rekord bei knapp unter 100 km/h. Das Schild mit 70 km/h weist aber schon lange auf die unfallträchtige Kurve hin.

Das dunkle Privatauto steht in Richtung Langgöns neben einer Abfahrt. Gemessen wird auf der Gegenfahrbahn. Frank Becher, Oberkommissar beim Verkehrsdienst Wetterau nimmt das Lasermessgerät in die Hand, schaut durch die Linsen wie durch ein Fernglas und drückt einen Knopf.

Dann sieht er im Display das Tempo, Kfz-Kennzeichen und die Entfernung. »Ich versuche jeden zu erwischen. Wenn sich entgegenkommende Fahrzeuge im Gerät überlagern, bricht es die Messung selbstständig ab«, erklärt er. Oft wird auch vom Auto aus durch die Scheibe gemessen. Man sieht es wirklich nicht.

Blitzer-Marathon in der Wetterau: »Ich bin mir keiner Schuld bewusst«

An der Kreuzung in Butzbach leitet dann ein Polizeibeamter die Fahrzeuge raus, die zu schnell waren. Auf dem wenige Meter entfernten Parkplatz bitten die Kolleginnen und Kollegen höflich um die Fahrzeugpapiere. »Ich bin mir keiner Schuld bewusst«, lacht der Fahrer eines Firmenfahrzeugs mit Friedberger Kennzeichen.

Der Polizist bestätigt das und erklärt: »Wir machen heute auch verdachtsunabhängige Kontrollen. Bei Ihnen ist alles in Ordnung.« Dabei schauen die Polizisten nach Licht und Ladesicherung oder ob ihnen etwas aufgefallen ist wie Handy am Ohr oder ob jemand nicht angeschnallt war.

Jürgen Sill vom regionalen Verkehrsdienst Wetterau mit Sitz in Butzbach kennt die Gefahr auf der B3 und den ländlichen Verbindungsstraßen. »Meist passieren schwere Unfälle mit Personenschaden durch überhöhte Geschwindigkeit, manchmal zusätzlich unter Alkoholeinfluss. Wir haben auch Kollisionen mit Wild, in der Wetterau etwa ein fünftel aller Unfälle. Deshalb stehen die Schilder für Wildwechsel tatsächlich an den gefährlichsten Stellen.

Blitzer-Marathon in der Wetterau: Unfälle in 2020 zurückgegangen

Zehn km/h mehr als 50 kann schon die Personen im Auto gefährden«, weiß er aus eigener Erfahrung. Im Coronajahr 2020 sei laut Verkehrsunfallstatistik die Zahl der Unfälle im Wetteraukreis insgesamt von 5214 im Jahr 2019 auf 4476 und die mit Personenschaden von 787 auf 680 zurückgegangen, bestätigt Tobias Kremp, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Mittelhessen.

2021 sei eine leichter Anstieg zu erwarten. Fahranfänger überschätzten sich, beherrschten das Auto nicht, seien durch Mitfahrende abgelenkt, suchten nach Zigaretten, läsen WhatsApp-Nachrichten oder unterhielten sich eifrig. Und dann komme manchmal noch das Imponiergehabe dazu. Das sei eine gefährliche Mischung. »Wir haben dazu 2011 mal einen Film gedreht von einem tödlichen Unfall, den wir jetzt in Schulen ab Jahrgangsstufe zehn zeigen. Das schreckt wirklich ab«, weiß Sill.

Ein Wiesbadener Fahrer, den die Kontrolle beim Speedmarathon erwischt hat, nimmt es gelassen: »Ich habe einfach das 70er-Schild nicht gesehen. Kein Problem.« Die meisten sind vernünftig, manche hinterfragen alles. »Man fährt wegen der hohen Spritpreise und den gestiegenen Bußgeldern generell nicht mehr so schnell«, sagt Kremp. Einen Punkt in Flensburg gibt es ja schon, wenn man 21 km/h zu schnell ist und der Führerschein kann ab 26 km/h für einen Monat weg sein.

Blitzer-Marathon in der Wetterau: Polizei zieht positives Fazit

Ein positives Fazit zum europäischen Speedmarathon am Donnerstag zieht die Polizei in Mittelhessen. Wie bereits bei den vorherigen Kontrollaktionen dieser Art zeigten sich auch diesmal die meisten Autofahrer in den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf, Wetterau und im Lahn-Dill-Kreis gut über den Speedmarathon informiert.

An nahezu allen Kontrollstellen in Mittelhessen stellte die Polizei weniger Geschwindigkeitsverstöße fest. »Im Allgemeinen waren die Fahrerinnen und Fahrer besonnen und vorsichtig unterwegs. Damit haben sie selbst einen Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet«, berichtet die Polizei. Sie appelliert an alle Kraftfahrzeugführer, sich auch in Zukunft an die Tempolimits zu halten, damit schwere Verkehrsunfälle verhindert werden können und alle gut und gesund ankommen.

Zwischen 6 und 22 Uhr richteten etwa 90 Polizistinnen und Polizisten knapp 30 Messstellen im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen ein. Sämtliche Blitzstellen wurden im Vorfeld über die Medien bekannt gegeben. Die meisten Autofahrer hielten sich an die Tempolimits. Wegen der umfangreichen Berichterstattung in den Medien und der Ankündigung der Blitzstellen, war das Gros Fahrzeugführer in Mittelhessen diszipliniert unterwegs.

Blitzer-Marathon in der Wetterau: Von 715 Fahrzeugen 591 zu schnell

Insgesamt passierten rund 41 000 Fahrzeuge die Messtechnik - fast 700 von ihnen waren schneller als die vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten. Zirka 550 wurden mit einer geringen Überschreitung erwischt. Ihre Geschwindigkeiten lagen bis zu 20 km/h über dem Erlaubten. Mit einem Bußgeld zwischen 100 und 200 Euro sowie einem Punkt in Flensburg müssen knapp 100 Fahrer rechnen. Von diesen waren fünf so schnell, dass sie zudem für mindestens vier Wochen auf ihren Führerschein verzichten müssen.

Im Wetteraukreis sah die Bilanz folgendermaßen aus: An vier Blitzstellen fuhren 715 Fahrzeuge durch die Messtechnik der Polizei. Insgesamt waren 591 Fahrzeuge zu schnell. 565 Fahrer müssen mit einem Verwarnungsgeld von maximal 70 Euro rechnen, 24 waren so schnell, dass auf sie ein Bußgeld sowie ein Punkt in Flensburg zukommen. Auf zwei Raser kommen neben Bußgeld und Punkten auch ein mindestens vierwöchiges Fahrverbot zu. (Hanna von Prosch)

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