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Das Blut dieses Friedbergers bringt neue Hoffnung

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Von: Larissa Wolf

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Vier Stunden hat Jens Kieslings Stammzellspende in einer Dresdner Klinik gedauert. Dabei sind die Stammzellen direkt aus dem Blut gefiltert worden. »Für so eine wichtige Sache nimmt man die Reise gern auf sich«, sagt Kiesling. © pv

Bei der Diagnose Blutkrebs kann eine Stammzelltransplantation Heilung bringen. Der Friedberger Jens Kiesling hat die seltene Chance bekommen, mit seiner Stammzellspende Leben zu retten.

Friedberg - Menschen helfen, Leben retten: Diese Wünsche hat Jens Kiesling. Der 30-jährige Friedberger hat kürzlich seine Ausbildung zum Rettungssanitäter abgeschlossen und geht so oft wie möglich zur Blutspende. Anfang des Jahres bot sich ihm dann eine ganz besondere Chance, einem Mitmenschen zu helfen.

»Ich konnte es gar nicht glauben, als ich Ende November eine Mail von der DKMS bekam«, erzählt Kiesling. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hatte ihn als potenziell passenden Stammzellspender benachrichtigt. »Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal spenden darf. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch.«

Laut DKMS kommen nur etwa fünf Prozent der potenziellen Spender innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Typisierung auch tatsächlich dazu, Stammzellen zu spenden. »Es sind zwar viele Menschen registriert, aber den genetischen Zwilling zu finden, ist schwierig«, erklärt Kiesling. Nur ein Drittel der Patienten finden innerhalb der Familie einen geeigneten Spender, wodurch sie auf einen Fremdspender angewiesen sind.

Friedberger spendet Stammzellen gegen Blutkrebs bei DKMS

Entscheidend für die Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger sind laut DKMS Strukturen auf den Oberflächen der Körperzellen, anhand derer das Immunsystem zwischen eigenem und fremdem Gewebe unterscheidet. Bei Stammzelltransplantationen müssen die Gewebemerkmale zwischen Spender und Patienten möglichst identisch sein, damit Abstoßungsreaktionen vermieden werden.

Kiesling hatte sich im Jahr 2015 typisieren lassen, nachdem die Schwester einer Freundin an Blutkrebs erkrankt war. Zu Blutkrebs zählen Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen Blutzellen entarten und sich unkontrolliert vermehren. Werden die gesunden Blutzellen von kranken Zellen verdrängt, kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr übernehmen. Stammzellen als Mutterzellen aller Blutzellen sind für die Blutbildung zuständig und können nach einer Transplantation dafür sorgen, dass sich das System regeneriert.

»Mir wurde ein Test-Kit zugeschickt. Ich musste beim Hausarzt Blut abnehmen lassen und es zurückschicken«, sagt Kiesling. Nach einigen Wochen wurde er dann zur Voruntersuchung eingeladen - in eine Spezial-Klinik nach Dresden. Bei umfangreichen Tests wurde erneut überprüft, ob Kiesling gesund und der optimale Spender für den Patienten ist. »Seit ich wusste, dass ich eventuell spenden darf, war ich noch vorsichtiger im Alltag. Eine Infektion mit Corona hätte alles zunichte gemacht«, sagt Kiesling. »Aber dazu ist es zum Glück nicht gekommen.«

Friedberger fühlt sich nach Stammzellenspende mit Patienten verbunden

Mitte Februar sollte Kiesling dann Stammzellen spenden. Die Spende erfolgte nicht über die unter Narkose stattfindende Knochenmarkentnahme, sondern über die in 90 Prozent der Fälle angewandte Methode Apherese. Bei dieser peripheren Stammzellentnahme werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen, eine Narkose ist nicht nötig. »Ich musste dazu fünf Tage lang ein Medikament spritzen, damit sich die Stammzellen im Blut vermehren«, erklärt Kiesling. Die Spende in der Dresdner Klinik dauerte rund vier Stunden. Bei der Prozedur wurden Kiesling knapp 450 Milliliter stammzellreiches Blut entnommen. »Danach durfte ich gehen, musste mich aber im Hotel ausruhen und konnte erst am nächsten Tag zurückfahren.« Die Organisation der Reisen zur Voruntersuchung und zur Spende übernahm die DKMS, ebenso die Kosten für Hotel und Verpflegung. »Es war sehr unkompliziert. Ich hatte außerdem keinerlei Beschwerden nach der Spende«, sagt Kiesling.

Friedberger empfindet Stammzellenspende als Privileg

Unter keinen Umständen hätte er sich diese Chance entgehen lassen wollen. »Ich wollte schon immer Menschen helfen. Dass ich die Möglichkeit hatte, jemandem das Leben zu retten, ist ein Privileg.« Wer genau die Person ist, die seine Spende erhält, weiß Kiesling nicht. »Laut DKMS kommt die Person aus Frankreich, ist männlich und älter als 30 Jahre.« Die Gesetzeslage erlaube kein Treffen zwischen Spender und Empfänger. »Aber man kann über die DKMS Briefkontakt aufbauen. Ich würde schon gerne wissen, wie es dem Patienten geht. Auch wenn ich kein Französisch kann«, sagt Kiesling.

Für den 30-Jährigen war die Spende unheimlich wichtig. Mit seiner Geschichte möchte er jeden, der noch nicht bei der DKMS registriert ist, dazu ermutigen, sich typisieren zu lassen.»Ich hatte das Gefühl, etwas tun zu können. Nicht jeder bekommt die Chance dazu, das Leben eines anderen zu retten. Ich wollte das auf jeden Fall machen. Das sollte jeder, der es kann«, sagt Kiesling. Auch wenn er über den Empfänger seiner Spende nicht viel weiß, fühlt er sich mit ihm verbunden. »Wer auch immer du bist, ich hoffe, es hilft dir.«

INFO: So wird man Stammzellspender bei der DKMS

Laut Deutscher Knochenmarkspenderdatei (DKMS) sind insgesamt 11 228 689 Menschen weltweit als potenzielle Stammzellspender registriert, davon knapp 7 200 000 in Deutschland (Stand: Januar 2022).

Jeder gesunde Mensch von 17 bis 55 Jahren kann sich bei der DKMS als Stammzellspender registrieren lassen. Auf der Internetseite der DKMS kann man dazu ein Registrierungs-Set anfordern, das einem dann per Post zugesendet wird. Mit diesem macht man einen Wangenabstrich und sendet ihn gemeinsam mit den beiliegenden Unterlagen an die DKMS. Das Labor bestimmt dann die Gewebemerkmale und nimmt Kontakt auf, falls man als Spender für einen Blutkrebspatienten in Frage kommt. Alternativ werden oftmals regionale Typisierungsaktionen angeboten. (laf)

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