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»Das ist für mich eine Herzensangelegenheit« - Künstlerin über Ausstellung in Friedberg

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Von: Sophie Mahr

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Zwischen den eigenen Bildern: Juliette Stolte stellt ihre Bilder im Café Novum in Friedberg aus. © Sophie Mahr

Vaseline, Aluminium und ganz viel Glas. Das braucht Juliette Stolte um kreativ zu sein. Daraus entstehen besondere Kunstwerke wie ihr »Hai«, der jetzt im Café Novum in Friedberg zu sehen ist.

Es ist für mich oberkrass, hier zu sitzen und ein Stück Kirschkuchen zu essen, während meine Bilder hier hängen«, sagt Juliette Stolte. Vor gut vier Jahren hat die gelernte Kunstpädagogin ihre Anfrage an die Friedberger Café-Bar Novum gestellt, mit der Bitte, ob ihre Bilder ein Teil der regelmäßig wechselnden Ausstellung werden können. Die Warteliste war lang. Doch nun ist es so weit: Seit dem 1. Januar hängen die Bilder der 27-Jährigen im Novum.

Bei einem Blick auf die Bilder fällt auf: Es sind alles Tiermotive. »Ich finde Tiere total ästhetisch, ästhetischer als den Menschen«, sagt Stolte. Die Inspiration komme aus dem, was sie gesehen habe. »Ich war viel auf Reisen. Die Echse habe ich in Südafrika gesehen, den Kolibri in Südamerika und den Hai in Ostafrika. Der Hai ist übrigens mein Lieblingstier und auch das größte Bild geworden.« Er ist auch in anderer Hinsicht besonders. So ist er als Einziges kein Aquarellgemälde, sondern ein Kunstwerk aus Glas, das bei einem Aufenthalt in Istanbul entstanden ist.

Wetterauerin schafft Kunst mit Aquarellfarben und Fensterglas

»Ich arbeite gerne mit Fensterglas. Das hat eine ähnliche Farbgebung wie Aquarell. Aquarell vermischt sich so schön. Wenn zwei Farben aufeinandertreffen, ist es wie eine Explosion. Das gefällt mir.« Die Freude am Malen mit Aquarellfarben hat sich früh entwickelt. »Die Antwort ist klassisch, aber ich habe schon als Kind den Farbkasten ausgepackt und gemalt. Acryl war mir schnell zu dick.«

Neben Motiv und Farbe eint die Aquarellgemälde noch etwas: Sie sind alle während der Pandemie entstanden. Bei ihrer Bewerbung vor vier Jahren hatte sie andere Bilder eingereicht. »Doch die Bilder sind nicht mehr das, was ich bin«, sagt Stolte. »Die Bilder jetzt spiegeln wider, was in einem vorgeht. Die Eule zum Beispiel ist etwas düster, ein Quarantänetag.«

In Quarantäne musste die 27-Jährige zu Beginn der Pandemie sehr viele Tage verbringen. Nicht aufgrund einer Corona-Infektion, sondern weil sie durch eine Herzerkrankung zu den vulnerablen Gruppen gehört. Der Hahn hingegen zeige einen guten Tag. »Man ist fein mit der Situation. Die Pandemie hat mir wirklich gutgetan. Sie hat mir geholfen, mich darauf zu konzentrieren, was ich möchte.« Zu Pandemiebeginn hat Stolte ihren Job als pädagogische Hilfskraft verloren. Seit dem arbeitet sie im Personalwesen und hat zusätzlich eine Weiterbildung zur Webdesignerin gemacht. »Ich bin neardig und kreativ. Das kann ich jetzt beides in dem Beruf vereinen.«

Wetteraukreis: Herbst und Winter als kreative Zeit

Ihre Kunstwerke entstehen in ihrer Freizeit. Meist im Herbst oder Frühling. »Da gibt es super viele Inspirationen. Ich male auch gerne in der Natur.« Hund Lexi ist auch immer mit dabei. Viele Inspirationen habe die gebürtige Bauernheimerin auch im Feld bekommen. »Der Blick über die Wetterau ist dort so schön.« Die handwerklichen Sachen, wie die Arbeit mit Glas, macht sie in ihrer Garage in Bad Salzhausen. »Da darf Lexi natürlich nicht dabei sein. Die Splitter sind zu gefährlich.«

Derzeit arbeitet sie wieder an einem Glasbild. »Der Stil bleibt der Gleiche, aber mit konträren Farben.« Das Motiv: ein Tier. Im Gegensatz zur Aquarellmalerei dauert die Glasarbeit länger. Im Hai steckt beispielsweise die Arbeit von zwei Monaten. »Erst wird das Glas geschnitten, dann geschliffen und mit Vaseline eingeschmiert, anschließend mit Aluminium verbunden und am Ende zusammengelötet.«

Künstlerin aus der Wetterau: Kunst soll Hobby bleiben

Neben der Aquarellmalerei und Glasarbeit hat Stolte auch getöpfert und fotografiert. Alles als Hobby. »Das möchte ich auch nicht beruflich machen. Die Bilder sind meine Leidenschaft, Ich möchte keinen Druck haben, um damit Geld verdienen zu müssen«, sagt Stolte. »Mir geht es auch nicht darum, irgendwo auszustellen, sondern hier. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Es ist mein Lieblingscafé. Hier habe ich schon so viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht. Und ich bin überglücklich, dass meine Bilder jetzt hier hängen.« Seitdem sei sie gefühlt täglich im Café. Die Bilder hängen noch bis Ende März. »Und ich habe mir vorgenommen, bis dahin die komplette Karte auszuprobieren.«

Aquarell-Ausstellung noch bis Ende März in Friedberg

Die Bilder von Juliette Stolte können noch bis zum 31. März während der regulären Öffnungszeiten der Café-Bar Novum in Friedberg betrachtet werden. Ab voraussichtlich 1. April hängen dort wieder für drei Monate die Gemälde einer anderen Künstlerin oder eines anderen Künstlers. Einen Eintritt gibt es nicht, da die Bilder in den normalen Räumen des Kaffees aushängen. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln der Gastronomie - derzeit 2G plus.

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»Die Eule zum Beispiel ist etwas düster, ein Quarantänetag«, sagt Stolte über ihr Aquarellgemälde. © Sophie Mahr

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