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»Der Tod ist kein Ende, sondern ersehnter Anfang«

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Von: Gerhard Kollmer

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Haben eindrucksvoll musiziert (v. l.): Mirjam Minor (Oboe), Bertram Minor (Cello), Ilse Etzel (Violine), Joachim Etzel (Viola) und Kantor Ulrich Seeger. © Gerhard Kollmer

Friedberg (gk). »Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.« So heißt es in Absatz 5 des zweiten Paulusbriefs an die christliche Gemeinde in Korinth.

»Unser irdisches Haus, diese Hütte«: Der theologische »Impuls« von Pfarrerin Claudia Ginkel kreiste am vergangenen Donnerstagabend in der letzten Passionsandacht vor Ostern um den Tod. In Cornelia Rößlers fünfteiliger Installation »Lebensweg« bildet er die letzte Station. Zwei ihrer im Jahr 2016 entstandenen Farbabzüge hinter Acrylglas zeigen leere Räume, in denen u. a. ein Tisch mit Lampe, ein zusammengerollter Teppich, ein Stuhl und die Rückenlehne eines Sessels zu sehen sind. Das Ganze erweckt einen ärmlichen, verlassenen, ja trostlosen Eindruck. Hier muss jemand wohnen bzw. gewohnt haben, der/die nicht zu den begüterten Zeitgenossen zählt(e). Der Titel »Schloss«, den Cornelia Rößler diesen C-Prints verliehen hat, irritiert. Hatte sie in zwei anderen Installationen abgetragene Kleidung und alte schäbige Koffer als Inbegriff von Schutz- und Ruhelosigkeit gezeigt, so evoziert die letzte ein beklemmendes Gefühl von Unbehaustheit.

Funktionslose Utensilien

»Solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben.« (2. Kor. 5, 4)

Pfarrerin Ginkel deutete den leeren Raum als Ort, an dem wenige Zeit zuvor jemand starb. »Tote«, das heißt, funktionslos gewordene Utensilien warten darauf, »entsorgt« zu werden - bspw. der zusammengerollte Teppich. Ein Raum hat seine Rolle als »dritte Haut« des Menschen, als Schutz und Teil der Identität seines Bewohners offenbar verloren. Was aber bleibt, was hat Bestand?

»Wir begehren sehr, den Leib zu verlassen«: Für den Völkerapostel ist all das, was auf Erden Sicherheit zu bieten scheint, begonnen vom eigenen Leib, der als Gefängnis erlebt wird, über unsere Kleidung und Behausung bis hin zu den vielen Dingen, die uns (scheinbar) Schutz und Schirm gewähren, ohne Bedeutung - angesichts der himmlischen Heimat »bei dem Herrn«. Der Tod ist kein Ende, sondern ersehnter Anfang - ebenso wie der Kreuzestod Christi.

Eindrucksvoll eingerahmt wurden Pfarrerin Ginkels Meditationen vom Vortrag des viersätzigen »Passionsquartetts« in g-moll von Johann Gottlieb Janitsch, der ab 1736 Leiter der Hofkapelle Kronprinz Friedrichs (des späteren Königs Friedrich der »Große«) auf Schloss Rheinsberg war und dort die auch bürgerlichem Publikum zugänglichen »Freitagsakademien« veranstaltete.

Mirjam und Bertram Minor an Oboe und Violoncello sowie Ilse und Joachim Etzel an Violine und Viola trugen diese »Sonata da Camera« auf hohem Niveau vor - wobei vor allem Mirjam Minor an der Oboe brillierte. Besonders der 3. Satz auf die Melodie des Chorals »O Haupt voll Blut und Wunden« bewegte die Herzen.

Die Kollekte dieses Tages kommt der Hilfe für die Ukraine zugute.

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