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Deutschlands größte Mülldeponie liegt direkt am Straßenrand

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Von: Jürgen Wagner

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Loses Papier liegt am Rande der B 3 bei Ockstadt. © Jürgen Wagner

Deutschlands größte Mülldeponie liegt direkt vor unserer Haustür: In Straßengräben sammelt sich alles, was dort nicht hingehört. Laut Hessen Mobil ist das Problem nicht so leicht in den Griff zu kriegen.

Überall in der Landschaft liegt weggeworfener Plastikmüll. »Bei Spaziergängen lese ich immer wieder Unrat auf«, sagt Peter Hofmann aus Bad Nauheim. Schlimm sei auch, wie die Straßengräben aussehen. Der Leser hat am Bad Nauheimer Ortsausfahrt Richtung Ockstadt ein Foto geschossen: Kunststoffmüll, der beim Mulchen der Seitenstreifen in kleine Teile zerfetzt wurde. Kein Wunder, meint der Leser, dass die Mitarbeiter der Straßenverwaltung den Müll kaum noch einsammeln könnten. »Es müsste doch möglich sein, dass vor der Mahd die Seitenstreifen abgelaufen werden.«

Ganz so einfach ist das leider nicht. Wie eine Sprecherin von Hessen Mobil mitteilt, dienen die Mäharbeiten der Verkehrssicherheit. So behalten die Entwässerungsgräben ihre Funktion. Art und Umfang der Mäharbeiten sind bundesweit festgeschrieben, wirtschaftliche Aspekte sind zu beachten. »Die Straßenmeisterei kann die Mäharbeiten nur im Rahmen der Vorgaben aus einem hessenweit verbindlichen Leistungsheft erbringen.« Es gelten bundeseinheitliche Standards, die Belange des Natur- und Artenschutzes würden berücksichtigt. Ab Anfang Mai werde mit dem ersten Mähschnitt begonnen: Die Bankettflächen rechts und links der Fahrbahn werden bis auf einen Meter abgemulcht. Auch Grasflächen an Trenn- und Mittelstreifen sowie an Einmündungen werden gemäht.

Besonders viel liegt dort, wo langsam gefahren werden muss

Die Arbeiten in Extensivbereichen (Seitenstreifen, Böschungen, Innenflächen von Anschlusstellen) beginnen aus naturschutzrechtlichen Gründen (Brutzeit von Vögeln!) frühestens Mitte Juli. Dieser zweite Mähschnitt dauert aufgrund der Größe der Streckenbezirke bis etwa Ende Oktober an. »Das Problem der wilden Abfallentsorgung entlang Hessens Straßen ist nicht neu, es besteht leider seit Jahrzehnten«, sagt die Sprecherin. Viele Verkehrsteilnehmer würden ihren Müll einfach aus dem Fenster werfen oder stellten ihn unerlaubt an der Straße ab. »Tendenziell steigt das Müllaufkommen leicht an.« Dabei gilt: Umso mehr Verkehr, desto mehr Müll. Und besonders viel liegt dort, wo man langsam fahren muss.

Die Müllbeseitigung an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in Hessen erfolgt »aus wirtschaftlichen Gründen gebündelt in einer groß angelegten Reinigungsaktion einmal jährlich im Frühjahr, meist kurz vor dem ersten Mähschnitt der Straßenränder«. Je nach Ausmaß der Verschmutzung folgten weitere Müllsammlungen. Für diese »Großputzaktionen« werden Fachfirmen beauftragt. Darüber hinaus seien die Straßenmeistereien ganzjährig im Rahmen von Streckenkontrollen im Einsatz. Zusätzliche Müllsammlungen vor Durchführung des zweiten Schnitts seien nur im Einzelfall und auch nur bei starker Verschmutzung möglich. Die Erfahrung freilich zeigt: In den Auffahrtsrampen mehrspuriger Bundesstraßen ist die Grünfläche nach einer Müllsammelaktion in kürzester Zeit wieder verschmutzt.

Landwirt will keinen Baumarkt-Rabatt

Die Sprecherin weiter: »Nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichkeitsorientierten Steuerung ist es für Hessen Mobil nicht möglich, im direkten Vorlauf zu den Mäharbeiten weitere Müllsammlungen durchzuführen. Vielmehr ist es unser Ziel, die illegalen Müllablagerungen bereits vor Beginn der Mäharbeiten zu beseitigen. Das gelingt leider nicht immer.« Und die Verursacher zu ermitteln, dürfte in den meisten Fällen wenig aussichtsreich sein. So fand sich im Straßengraben an der B 3 eine ausgedruckte Mail des Globus-Baumarktes an einen Landwirt, der offenbar kein Interesse an einem »10% Urlaub-zu-Hause-Rabatt« hatte. Ob der Landwirt das Papier selbst weggeworfen hat, lässt sich nicht nachweisen.

Bleibt nur eine Möglichkeit, Müll in Straßengräben zu vermeiden: Autofahrer sollten ihn nicht mehr aus dem Fenster werfen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, hat auch etwas mit Erziehung zu tun. Aber vieles ist längst nicht mehr selbstverständlich.

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