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Die Schuchardts - ein Team für alle Fälle

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Von: Sabrina Dämon

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Arbeitsteilung im Schuchardt-Büro: Loni ist für die Fotos für die WZ-Artikel zuständig, Harald für die Texte. Allerdings nicht ohne gegenseitige Endkontrolle, wie sie erzählen: Wenn (har) seinen Artikel fertig hat, schaut (lod) noch mal drüber, und bevor sie die Fotos auswählt, wirft er noch einen Blick darauf. © Nicole Merz

Harald und Loni Schuchardt sind im Doppelpack als Friedberg-Reporter für die Wetterauer Zeitung im Einsatz. Heute seit 30 Jahren. Seither hat das Team Schuchardt eine Menge erlebt.

Meistens kommen sie zu zweit. Harald mit Block und Stift in der Hand, Loni mit Kamera. So sind sie - die Schuchardts - seit vielen Jahren in und um Friedberg im Einsatz für die WZ. Bei Konzerten und Lesungen, Festen und Ausstellungen. Wenn die beiden anschließend in ihre Wohnung in der Friedberger Altstadt kommen, geht die Arbeit weiter. Harald tippt, Loni bearbeitet Bilder. Das Ergebnis schicken sie an die Redaktion, und wenig später erscheint der Artikel von (har) und (lod), ihre Reporter-Kürzel, in der Wetterauer Zeitung.

30 Jahre sind die zwei nun dabei. Am 9. Juni 1992 erscheint ein Artikel mit der Überschrift: »Doppelter Anlaß zum Feiern im Hirschgraben«. Der erste Auftrag von (har). Damals noch alleine. Doch das sollte nicht lange so bleiben. Ob er auch Fotos machen könne?, fragte ihn der Redakteur von der WZ. Nein. »Das macht die Loni!« Sie stieg als Fotografin ein - »damals mit einer ganz kleinen Agfa«, erzählt sie.

»Das war eine irre Zeit«, sagt Harald - als er die Artikel noch handschriftlich verfasst hatte und Loni sie auf der Schreibmaschine abtippte (»Weil sie das Zehn-Finger-System gelernt hatte«). Danach ging es nach Bad Nauheim: Abgabe der Arbeit in der Redaktion.

Seither hat sich viel verändert - Artikel werden übers Internet verschickt, Fotos nicht mehr in der Dunkelkammer entwickelt. Was geblieben ist: Wenn in Friedberg was los ist, sind (har) und (lod) mit ziemlicher Sicherheit dabei. Das ist seit 30 Jahren so, das wird auch (hoffentlich) noch eine Weile so bleiben.

Dass die zwei stets einen vollen Terminkalender hatten, zeigt das Regal im gemeinsamen Arbeitszimmer. Dort reiht sich Ordner an Ordner Auf deren Rücken stehen Daten: April 93 bis Oktober 93. Oktober 93 bis März 94 usw. Bis 2022 (Harald war Beamter - daher die Ordnung, verrät Loni). Jeder Schuchardt-Artikel ist abgeheftet.

Zum Beispiel die Artikel von der Fußball-WM 2006. Damals hatten sie sich die Aktion »Schuchardts als WM-Gucker« ausgedacht. Oder, ganz aktuell: eine Artikel-Serie über Wetterauer Gärten.

Eine weniger nette Erinnerung (zumindest für die Fotografin im (har)-(lod)-Team): das Nena-Konzert Ende der 90er im Burggarten. Es wurden strikte Vorgaben gemacht, wann fotografiert werden darf. Loni passte aber einen guten Moment außerhalb dieser Zeiten ab - und bekam Ärger mit den Sicherheitsleuten.

Unter all den Artikeln ist einer, den Harald schon vor acht Jahren geschrieben hat, auf den er aber immer noch angesprochen wird: seine Reportage über das Metal-Festival Wacken (Überschrift: »Ich alter Sack auf Wacken«). »Wacken ist schuld, dass ich einen Zopf habe«, erzählt er. Bzw. dass er lange Haare hat. Der Zopf ist ein Kompromiss. Es lief, so erzählen die zwei es, ungefähr so im Hause Schuchardt ab:

(har): Für Wacken lasse ich mir die Haare wachsen.

(lod): Lange Haare?

(har): Wollte ich schon immer mal haben.

(lod): Dann machst du dir einen Zopf. Sonst siehst du aus wie Jesus.

2014 war das. Die letzten Sätze der Wacken-Reportage: »Vielleicht fahre ich in fünf Jahren zu meinem 65. wieder hin. Und die Haare lass ich mir erst mal weiter wachsen.«

Tanzen, knutschen, heiraten

In Wacken ist er nicht mehr gewesen. Dafür sind beide viel in Friedberg unterwegs, kennen quasi die ganze Stadt und die Bewohner. Gehen sie auf den Markt, heißt das: »Zehn Minuten einkaufen, eine Stunde schwätzen.« Aber: »So erfährt man Geschichten.«

(har), der hauptberuflich bei der Bahn gearbeitet hat, ging vor neun Jahren in den Vorruhestand. Eigentlich hatte er damals, mit 60, gesagt: »Noch fünf Jahre Zeitung, dann ist Ruhe.« Ruhe ist zum Glück noch nicht, stattdessen machen die Reporter heute die 30 Jahre voll. »Es macht uns immer noch Spaß.«

Die eigentliche (har)-(lod)-Geschichte beginnt aber viel früher. In den 70ern. Sie organisiert eine Disco, er ist DJ (DJ Hasch - nein, betont Harald, der »Künstlername« kam bloß durch Vor- und Nachname: HAraldSCHuchardt). Am Disco-Tag muss er in die Nachtschicht, kommt aber für eine Stunde zur Party. Und trifft Loni (sie fragt ihn nach einer Zigarette). Die zwei tanzen eine Stunde lang. »Dann haben wir uns verabschiedet und minutenlang geknutscht.«

1977 heiraten sie. Seither sind sie zu zweit unterwegs. Wenn er ausnahmsweise alleine zu einem Termin kommt, wird er gefragt: Wo ist die Loni? Und sie bekommt hinterher zu hören: Warum hast du den Harald alleine kommen lassen?

Zu Hause, wenn sie nebeneinander im Arbeitszimmer sitzen, »fetzt es auch mal«, erzählen sie schmunzelnd. »Aber ganz selten. Eigentlich sind wir uns immer einig.«

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