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Dörfer müssen lebenswert bleiben: Sina Happel übernimmt Projektleitung der Dorf-Akademie

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Von: Oliver Potengowski

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Nach zwei Jahren, in denen er geholfen hat, das Projekt aufzubauen und zu entwickeln, gibt Marius Wetz (r.) die Leitung von Dorf-Akademie an Sina Happel ab. Mit dabei der Limeshainer Bürgermeister Adolf Ludwig und die Geschäftsführer Bernd Uwe Domes und Klaus Karger (v. l.) . © Oliver Potengowski

Die Dorf-Akademie ist für die Kommunen zu einer wichtigen Plattform geworden, die vor allem die Innenentwicklung der Ortschaften in den Fokus nimmt. An ihrer Spitze steht jetzt Sina Happel.

Im Sommer 2020 startete die Dorf-Akademie als Projekt der Leader-Region Wetterau/Oberhessen. Angesiedelt bei der Wirtschaftsförderung Wetterau versteht sie sich als Impuls-, Qualifizierungs- und Austauschplattform für Menschen, die sich vor Ort in den Dörfern engagieren möchten. Die Erwartung, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Kommunen austauschen, von den Erfahrungen anderer Orte lernen und engagierte Bürger weiter qualifiziert werden, hat sich nach zwei Jahren erfüllt. Seit einigen Wochen hat Sina Happel die Projektleitung inne. Ihr Vorgänger Marius Wetz wechselte zu einer Landeseinrichtung mit ähnlicher Aufgabenstellung.

Attraktivität erhalten

Gerade im Vorfeld der Landesgartenschau 2027 stehen die größtenteils intakten Dörfer der Region im Fokus. Damit diese attraktiv und lebenswert bleiben, entwickeln eine Reihe von Bürgern, hauptberuflich und ehrenamtlich, Konzepte für die Entwicklung in den nächsten Jahren. Ermöglicht wird diese Arbeit im Wesentlichen durch Förderprojekte wie das Leader-Programm der Europäischen Union oder das Forschungsprojekt Dorf und Du mit den Modellkommunen Nidda, Ortenberg und Butzbach.

Die Dorfinnenentwicklung ist in der Region schon länger ein zentrales Thema. Wenn die Ortskerne nicht lebendig bleiben und stattdessen immer mehr Neubaugebiete an den Außenrändern entstehen, verliert das Dorf an Attraktivität. Es geht um den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität in den alten Dorfzentren. Außer Wohnraum, der modernen Anforderungen genügt, gehören dazu unter anderem auch Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten und soziale Treffpunkte.

Die Dorf-Akademie bietet den Kommunen eine Plattform, in deren Rahmen sie Informationen und Erfahrungen austauschen sowie Mitarbeiter und Bürger qualifizieren können. Dadurch sollen die Bürger wichtige Entwicklungen und Probleme in ihren Dörfern erkennen und Lösungen erarbeiten können. Gemeinsam sollen Bürger, Ortsbeiräte, Ehrenamtliche und Vereine daran arbeiten, ihre Dörfer lebenswerter zu gestalten.

»Der Start der Dorf-Akademie war mitten in der Pandemie«, erinnert sich Bernd-Uwe Domes, einer der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, an den schwierigen Beginn. Bewährte Formen der Zusammenarbeit wie Workshops waren nicht möglich. »Der Dorf-Akademie war der Resonanzboden entzogen«, ergänzt der zweite Geschäftsführer Klaus Karger.

Marius Wetz musste als Projektleiter neue Wege für den Informationsaustausch finden. »Wir mussten wesentlich schneller den digitalen Bereich ausbauen«, erläutert Karger, dass die Pandemie einen Innovationsschub in der Arbeit der Dorf-Akademie bewirkt hat.

»Auf Landes- und Bundesebene wird die Dorf-Akademie inzwischen als interessantes Projekt gesehen, um den Strukturwandel im Dorf zu begleiten«, stellt Domes fest. So werde über das Projekt in deutschlandweit anerkannten Forschungspublikationen berichtet. Im Gegenzug führt der Austausch auch zur Weiterentwicklung der Dorf-Akademie. Domes erläutert, dass es beispielsweise eine Zusammenarbeit der Leader-Regionalentwicklung mit dem Landkreis Schweinfurt gebe.

Dort hat sich die Erstbauberatung bewährt. Seit 2016 werden Eigentümer historischer Gebäude in dem fränkischen Kreis über Möglichkeiten, wie sie diese nutzen und sanieren können, beraten. Etwa 70 solcher Erstbauberatungen fördere der Landkreis Schweinfurt jedes Jahr.

Unter der neuen Projektleiterin Sina Happel, die an der Entwicklung der Dorf-Akademie während eines Praktikums bei der Wirtschaftsförderung beteiligt war, soll auch in der Leader-Region ab 2023 diese Erstbauberatung angeboten werden. Architekten analysieren in einer für den Eigentümer kostenlosen Beratung, wie sich ein historisches Gebäude in Altortbereichen entwickeln und denkmalgerecht sanieren lässt. Dabei wird auch die spätere Lebensqualität im Gebäude berücksichtigt und ein Protokoll erstellt, was als Hilfestellung für die weitere Bauplanung dient.

Ortskerne und Randgebiete

Das Ziel dieser Beratungen ist neben dem Nutzen für den Eigentümer auch der Erhalt dörflicher Strukturen und ihnen eine Zukunft zu geben, erläutert Karger. »Es geht um das einzelne Gebäude, aber auch um das Dorfbild.« Weil der Grundsatz, dass Dorfinnenentwicklung vor Neubaugebieten am Dorfrand gefördert werden soll, inzwischen bundesweit anerkannt ist, müssen Ortskerne attraktiv erhalten und aufgewertet werden. »Es braucht im Dorf eine Atmosphäre für die Wohnqualität der Zukunft«, betont Domes.

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