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Ehemaliger Joh: Abriss bis aufs Erdgeschoss

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Von: Jürgen Wagner

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Ein Anblick, an den sich die Friedberger gewöhnt haben: Das ehemalige Kaufhaus Joh ist stilistisch der jüngste Teil des Fassadenensembles am Elvis-Presley-Platz. Bis auf Erdgeschoss und Keller wird das Gebäude abgerissen. Auch die Fassade wird bald anders aussehen. © Nicole Merz

Die Pläne für den Umbau des ehemaligen Kaufhauses Joh auf der Friedberger Kaiserstraße liegen vor. Im Ortsbeirat gab es auch kritische Stimmen.

Wollte man die Vorgeschichte dieses für Friedberg zentralen Bauvorhabens schildern, müsste man weit ausholen. Kurz gefasst lässt sich sagen: Nach der Insolvenz des Kaufhauses Joh im Jahr 2013 und der Übernahme des Hauses durch einen Investor aus dem »Steuerparadies« (»Süddeutsche Zeitung«) Grünwald bei München tat sich nicht viel. Mit der Übernahme der Immobilie durch die Werkmann-Gruppe aus Dietzenbach (die aktuell das »City-Quartier« in der Haagstraße baut) soll alles anders werden.

Ihre Pläne hatten Investor Uwe Werkmann und Andreas Schmidt vom Friedberger Architekturbüro BLFP bereits im Februar vergangenen Jahres im Ausschuss für Stadtentwicklung präsentiert. Nun liegt der Bauplan-Entwurf vor, den die städtischen Gremien diskutieren. Den Anfang machte am Mittwochabend der Ortsbeirat der Kernstadt.

Parkhaus mit 42 Stellplätzen

Geplant ist der Neubau eines »multifunktionalen Gebäudes« mit Gewerbeflächen und Wohnungen. Die genaue Aufteilung steht noch nicht fest. Nach Informationen dieser Zeitung sollen in die beiden unteren Geschosse ein Lebensmittelmarkt und ein Finanzdienstleister einziehen, außerdem will die Stadt hier ein Tourismusbüro eröffnen. Im Untergeschoss entsteht ein Parkhaus mit 42 Stellplätzen. In den Obergeschossen sind Wohnungen vorgesehen. Ein Restaurant mit Dachterrasse wird in den Plänen nicht erwähnt, ist aber wohl durchaus noch möglich.

Das Gebäude stammt aus den 1980er-Jahren, der Energiestandard entspricht bei weitem nicht den heutigen Erfordernissen. Die Konsequenz: Ein Großteil des Gebäudes wird abgerissen. Nur Unter- und Erdgeschoss bleiben erhalten, werden »saniert, erweitert und umgenutzt«. Darauf werden die neuen Baukörper gesetzt. Das bedeutet auch, dass das markante Gebäude eine neue Fassade erhält.

Die Gebäudehöhen werden gestaffelt ausgeführt. Die sechs Geschosse zum Elvis-Presley-Platz und die fünf zur Färbergasse treten dadurch »optisch zurück«, werden »weniger markant wahrgenommen«. Zwischen diesen beiden Gebäudeteilen liegen ein siebengeschossiger Bau in der Mitte sowie zwei Lichthöfe. »Die Innenhöfe brechen die hohe bauliche Dichte der angrenzenden Bebauung auf und schaffen soziale Begegnungs- und Kommunikationsräume«, heißt es in der Verwaltungsvorlage des B-Planentwurfs.

Die Revitalisierung des Gebäudes hat für Friedberg eine hohe Bedeutung. Das Grundstück liegt in prominenter Lage am Elvis-Presley-Platz, der auch als Ort des Wochenmarktes dient sowie für Volksfeste genutzt wird. Mehr Wohnungen in der Innenstadt (wozu auch das benachbarte »City-Quartier« beiträgt), bedeutet mehr Publikumsfrequenz am zentralen Orte der Stadt. Für Friedberg, sind sich viele einig, kann das nur gut sein.

UWG-Vertreter sieht »kleine Fehler« in der Vorlage

»Gut, dass etwas passiert«, fasste Ortsvorsteher Rudi Mewes (Grüne) die Diskussion im Ortsbeirat zusammen, die ein klares Ergebnis brachte: Bei einer Enthaltung der Linken gab es zehn Ja-Stimmen und ein Nein. Das kam von Matthias Kölsch (UWG); der Architekt hatte mit dem vorherigen Investor zusammengearbeitet.

Kölsch sagte, es gebe einige »kleinere Fehler« in der Vorlage, die behoben werden müssten. Er kritisierte auch die geplante Gestaltung der Färbergasse und zweifelte an der Bezeichnung »multifunktionales Gebäude«. De facto handele es sich um wohnbebauung mit gewerblicher Nutzung im kleineren Umfang. Stadträtin Evelyn Weiß (SPD) wies daraufhin, dass in der Vorlage nicht alle gewerblichen Nutzungen genannt seien und beispielsweise noch das Tourismusbüro der Stadt dort einziehen solle.

Annette Bommersheim (Grüne) wies auf einen Umstand hin, der auch bei anderen Bauvorhaben bislang nicht genügend im Fokus stand: Für einen Abstellraum für Fahrräder sind 30 Quadratmeter vorgesehen. Bei rund 50 Wohnungen sind das rund 100 Räder. Die passen da nicht rein.«

Berivan Colak-Loens (SPD) fragte nach Bezahlbarenm Wohnen«, die Stadt könne hierfür Fördermittel über das Projekt »Großer Frankfurter Bogen« akquirieren. Das, wandt Bernd Fleck (CDU) ein, lasse sich angesichts der hohen bodenrichtwerte in der Innenstadt auf dem rund 2500 Quadratmeter großen Areal nicht verwirklichen.

Antkowiak: Gut für Friedberg

Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) kann aufatmen: »Die Planungen zum Umbau des Joh-Gebäudes sind gut für Friedberg und gut für die Kaiserstraße als Einkaufsmeile. Mit den richtigen ›Ankergeschäften‹ wird das Zentrum rund um den Elvis-Presley-Platz wieder bespielt.« Antkowiak verweist darauf, dass die Werkmann-Gruppe in Friedberg »bereits erfrolgreich tätig ist«; sie entwickelt das »City-Quartier in der Haagstraße. Die Zusammenarbeit sei sehr gut: »Investor und Architekten haben von Anfang an die Stadtbauverwaltung in das Projekt einbezogen.«

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