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Ein Mainzer Duo aus der Wetterau

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Von: Harald Schuchardt

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Gitarrist Paul Walke und Charly Härtel am Kontrabass spielen mit großem Engagement. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Bis zu Beginn der Pandemie hatte die Musikschule an jeden letzten Dienstag im Monat zur Jam-Session in das Bistro Pastis in der Haagstraße eingeladen. Daraus entstanden ist die »Tuesday Night Band«, die sich jedoch noch im Ruhemodus befindet.

Auch Gitarrist Paul Walke jammte öfter mit. Inzwischen studiert der Ockstädter an der Hochschule für Musik in Mainz im dritten Semester Jazz-Gitarre im Studiengang Jazz- und Popularmusik.

Vor vier Wochen spielte er mit seinem »Paul-Walke-Trio« als Session-Ersatz im Pastis ( die WZ berichtete ). Jetzt kam er noch mal aus Mainz, dieses Mal zusammen mit Bassist Charly Härtel.

Walke hatte mit Härtel bei Jam-Sessions an der Musikhochschule mehrmals zusammen gespielt. Erst Anfang des Jahres reifte bei dem Ockstädter die Idee, minimalen Jazz nur mit Gitarre und Kontrabass zu spielen.

Walke: »Ich besitze eine CD, die ein Gitarrist und ein Kontrabassist eingespielt haben. Auch Charly war davon begeistert.« Das erstaunliche des Duos aus Mainz: Nicht nur Walke hat seine Wurzeln in der Wetterau. Härtel ist waschechter Butzbacher, machte am Weidig-Gymnasium sein Abitur und fand über eine Schülerband, zunächst als E-Bassist, langsam zum Jazz und zum Kontrabass. »Mit 16 spielte ich zum ersten Mal auf einem Kontrabass. Das Instrument hat mich sofort fasziniert«, erzählt der 23-Jährige, der sein Bachelor-Studium gerade abgeschlossen hat.

»Vielleicht schließe ich gleich das Master-Studium an, vielleicht gehe ich auch noch mal nach Skandinavien«, erzählt der Butzbacher, der ein Auslandssemester in der skandinavischen Jazz-Hochburg Stockholm absolviert hat.

Laut und voller Power

»Dieser Aufenthalt hat mich zusätzlich inspiriert«, sagt Härtel, der bereits eine Reihe von Stücken komponiert hat. Eines davon ist »Strange Sound of a Raven«, mit dem das Duo sein Programm eröffnete.

»Das ist heute sozusagen eine Weltpremiere. Wir fühlen uns sehr geehrt, hier spielen zu dürfen«, sagte Walke, mit dessen Komposition »Achtzehn« die beiden genialen Musiker ihr Programm fortsetzten. Den Besuchern machte es sichtlich Spaß, den Intentionen der beiden Jazzer zu folgen. Die Leitmelodie nutzten beide für freie Variationen, wobei Hübner mit seinem Bass immer wieder die Leadfunktion übernahm, während sich Walke als »Rhythmusgitarrist« zurückhielt.

Das Vertauschen der beiden Rollen sorgte für viel Abwechslung, ist aber auch nur möglich, weil beide Musiker wahre Meister auf ihrem Instrument sind.

Das wurde auch bei »Wichita Lineman«, dem einzigen Cover-Song im Programm, deutlich. Immer wieder gab es spontanen Zwischenapplaus für die Interpretationen des Songs. Bei seiner Komposition »Kunstgucker« wurde Härtel beim Besuch einer Galerie inspiriert, und tatsächlich wanderte das Duo musikalisch von Bild zu Bild, mal leise und detailverliebt, mal laut und voller Power. Höhepunkt des Abends war jedoch »Does he know«, bei dem die beiden Musiker so richtig ins Swingen kamen. Härtel raste mit seinen Fingern geradezu den Kontrabass hoch und runter, während Walke seinem Instrument immer wieder neue Klangkombinationen entlockte. Dem tosenden Applaus der Besucher folgte das ruhige »Anorak«, bei der Härtel zum Bogen griff und so für ein neues Klangerlebnis an diesem Abend sorgte.

Nach einer Pause gesellten sich drei Musiker - in wechselnder Besetzung - zu dem Duo und es entstand eine »Mini-Session«, die Härtel zusammen mit Kontrabassist Jonas Lohse eröffnete. Zwei geniale Kontrabassspieler, die ohne Verstärker aufspielten und für einen in dieser Form nicht alltäglichen Hörgenuss sorgten.

Walke spielte mit Vincent Rocher, Gitarrenlehrer an der Musikschule Friedberg, swingenden Gipsy-Jazz. Dazugesellte sich noch Florian von Bothmer mit seiner Darbuka, einer arabischen Trommel. Die Version des Trios von Herbie Hancocks »Watermelon Man« wurde zum swingenden Highlight der Session.

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