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Ein Tag für forschende Frauen

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Von: red Redaktion

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Um den Frauenanteil an den Professuren zu erhöhen, setzt die THM darauf, auch den Anteil der Studentinnen in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen zu steigern. © pv

Friedberg/Gießen (pm). Trotz vieler weltweiter Bemühungen nach Gleichberechtigung seien Frauen in der Wissenschaft immer noch stark unterrepräsentiert, heißt es in einer Pressemitteilung der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Diese beruft sich auf das UNESCO-Institut für Statistik, demzufolge im Jahr 2016 weltweit knapp 30 Prozent der Forschenden weiblich gewesen seien.

Deutschland liege noch zwei Prozentpunkte darunter und gehöre im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern.

Zum »Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft« am gestrigen Freitag, ausgerufen von der UNO-Kulturorganisation, erinnerten die Frauenbeauftragten der THM daran, dass selbst dieser Wert für die Hochschule schon eine Verdopplung der Quote wäre. Die THM hat einen Frauenanteil an der Professur von nur 14 Prozent. »Wir versuchen das zu ändern. Aber für viele Stellen liegen keine Bewerbungen von Frauen vor«, sagt Prof. Katja Specht, Vizepräsidentin für Studium und Lehre. Und weil dem so sei, liege der Schlüssel zu mehr Professorinnen bei mehr Studentinnen. »Wir wollen das Klischee von naturwissenschaftlich-technischen Studienfächern und Berufen als Männerdomäne aufbrechen«, formuliert Specht ein wichtiges Ziel.

Nur ein Drittel der Studenten Frauen

Denn selbst innerhalb der Hochschule zeigt sich die Wirkungsmacht dieses Klischees. An nur zwei Fachbereichen stellen weibliche Studierende die Mehrheit, beide sind inhaltlich nah am Menschen: Gesundheit (67,5 Prozent Frauenanteil) sowie Life-Science-Engineering (51,0 Prozent). Nahezu Parität der Geschlechter gibt es zudem an zwei Fachbereichen, deren Studiengänge auch an anderen Hochschulen zahlreiche Frauen interessieren: Wirtschaft (47,1 Prozent) sowie Management und Kommunikation (41,6 Prozent).

Einen schweren Stand bei jungen Frauen haben hingegen die Studiengänge des Friedberger Fachbereichs Maschinenbau, Mechatronik, Materialtechnologie sowie des Gießener Fachbereichs Maschinenbau und Energietechnik mit einem Anteil von jeweils unter zehn Prozent. Zusammen bringen es Frauen an der THM so auf etwa ein Drittel aller Studierenden.

»Wir versuchen auf vielen Wegen, die Frauenquoten unter Studierenden wie Lehrenden zu erhöhen«, sagt Katja Specht. Das beginne bereits mit der direkten Ansprache in Schulen oder bei Studienmessen. Ein Schnupperstudium mit Betriebspraktikum für Fach- und reguläre Abiturientinnen ist das Hessen-Technikum, bei dem junge Frauen ein Semester lang tiefergehende Einblicke in verschiedene Studienfächer der THM bekommen. Acht Fachbereiche und sieben Unternehmen beteiligen sich, in den ersten beiden Durchgängen haben je vier Schülerinnen teilgenommen, sieben davon studieren heute ein sogenanntes MINT-Fach. Auch aktuell betreut die THM vier Technikantinnen, für die nächste Runde liegen bereits acht Bewerbungen vor, drei haben schon eine Zusage bekommen. »Frauen sollen sehen, dass diese Fächer nicht nur Freude bereiten, sondern auch inhaltlich zu bewältigen sind«, sagt Specht. Man kämpfe zu häufig noch immer gegen althergebrachte Denkmuster von Frauen- und Männerberufen.

Später kämpfe man dann oftmals gegen Rollenbilder in der Familienplanung: Nach Studium und erster Berufserfahrung sei das Gründen einer Familie oftmals ein wichtiges Lebensziel. Da die THM seit rund 15 Jahren als »familienfreundliche Hochschule« zertifiziert ist, sucht sie nach Wegen, Frauen mit und ohne Kindern Karrierewege in der Wissenschaft zu ermöglichen. So nimmt sie etwa am Programm »Mentoring Hessen« teil, das sich der Frauenförderung im Lehrbetrieb widmet. In vier Unterprogrammen werden Forscherinnen vom Studium bis zur Professur unterstützt - im vergangenen Durchgang insgesamt neun Studentinnen, drei Frauen auf dem Weg zum Doktorgrad und eine zur Professur. Drei Frauen der THM sind zudem als Mentees aktiv und betreuen andere Frauen - Kernkonzept des Programms. »Studentinnen erleben weibliche Vorbilder«, ist Specht überzeugt.

Schließlich hat auch das Programm »ProTHM«, das die Professur als Berufsziel für alle Nachwuchsforschenden attraktiver machen soll, spezielle Elemente der Frauenförderung. Und doch ist der Weg noch weit, ist doch für eine Professur in der Regel der Doktorgrad vonnöten: Der durchschnittliche Frauenanteil unter den seit 2010 abgeschlossenen Promotionen der THM liegt bei etwa 18 Prozent.

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