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Versuchte Vergewaltigung in Friedberg? „Das ist meins!“

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Von: Hedwig Rohde

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Ab dem Friedberger Bahnhof hatte der Angeklagte die heute 46-Jährige verfolgt. (Archiv)
Ab dem Friedberger Bahnhof hatte der Angeklagte die heute 46-Jährige verfolgt. (Archiv) © Nicole Merz

Ein 23-Jähriger aus der Wetterau muss sich vor dem Amtsgericht Friedberg verantworten. Auch der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung steht im Raum.

Friedberg - Wegen versuchter Vergewaltigung, Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung muss sich ein heute 23-Jähriger aus der Wetterau vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Friedberg unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange verantworten. Dem mehrfach vorbestraften jungen Mann werden zwei Delikte aus dem August und dem April 2021 zur Last gelegt.

Am Morgen des 22. August 2021, einem Sonntag, soll der Angeklagte vom Friedberger Bahnhof aus einer heute 46-jährigen Frau gefolgt sein. In der Gebrüder-Lang-Straße habe er sein Opfer überfallen, um zwei Hausecken geschleift und versucht, ihr die Hose herunterzuzerren, so die Anklage. Heftige Gegenwehr der Frau und ihr kräftiges Schreien riefen Nachbarn auf den Plan, woraufhin der junge Mann von ihr abließ. Er flüchtete, wobei er die zerrissene Unterhose mit dem Ruf »Das ist meins!« mitnahm. Die Frau erlitt Prellungen und Schürfwunden und wurde von einer Nachbarin mit frischer Kleidung versorgt, weil ihre Hose zerrissen war.

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Vier Monate zuvor, so Staatsanwältin Daniela Zahrt weiter, soll der 23-Jährige mit einem Freund nach Niddatal gefahren sein, um dort einen gemeinsamen Bekannten zu besuchen. Unmittelbar nachdem die beiden Männer ihr Auto am Straßenrand geparkt hatten, kam eine Anwohnerin aus dem Haus gerannt und beschwerte sich, die Zufahrt werde zugeparkt. Im Verlauf der folgenden Auseinandersetzung soll der Angeklagte seiner Kontrahentin mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihr so eine schmerzhafte Schwellung zugefügt haben. Einen zu Hilfe eilenden Mann soll der Angeklagte gegen ein geparktes Auto gestoßen und am Heck dieses Fahrzeugs auf diese Weise einen Schaden von 3600 Euro verursacht haben.

Der Angeklagte war sichtlich bemüht, vor Gericht einen guten Eindruck zu machen. Wegen fehlenden Wohnsitzes seit acht Monaten in Untersuchungshaft, habe er seither keinen Zugang zu Alkohol und Drogen und deshalb »endlich wieder einen klaren Kopf«, wie er selbst zugab. Alkohol, Cannabis und zuletzt vor allem Kokain begleiten den aus einer zerrütteten Ehe stammenden jungen Mann seit seinem 15. Lebensjahr.

Nach Einschätzung auch des Gutachters war es vor allem der zunehmende Konsum berauschender Substanzen, der ihn trotz vorhandener Intelligenz und absolvierten Realschulabschlusses daran hinderte, eine der zwei begonnenen Ausbildungen durchzuhalten, und so seinen sozialen Abstieg verursachte.

Auch in der Nacht zum 22. August habe er durchgezecht, dabei unter anderem zusätzlich Kokain konsumiert, er sei völlig berauscht gewesen, gab der junge Mann zu Protokoll. Dass der vorangegangene Drogen- und Alkoholkonsum den Übergriff auf die 46-Jährige bewirkt habe, ließ sich bislang nicht widerlegen.

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Er könne sich heute nicht vorstellen, warum er sich zu dieser Tat habe hinreißen lassen, beteuerte der Angeklagte mehrfach. Auch sei es ihm niemals um eine Vergewaltigung gegangen, vielmehr habe er einen »Fetisch«, die Unterhose, erbeuten wollen. Dieses Verlangen habe er, seit bei einer Trennung eine frühere Freundin eine Unterhose bei ihm liegen gelassen habe, die er dann zur Selbstbefriedigung genutzt habe. Dazu verwendete er nach eigener Aussage auch den am 22. August erbeuteten Slip, den er danach in den Müll geworfen haben will. In der Tat konnte bisher keiner der vernommenen Zeugen bestätigen, dass der Angeklagte während des etwa zwei Minuten dauernden Kampfes mit der Frau versucht habe, sich selbst zu entkleiden. Es war ausschließlich beobachtet worden, wie er an der Hose der Frau gezerrt hatte.

Eine verminderte Schuldfähigkeit vermochte Gutachter Dr. Ulferts nicht zu erkennen. Unter Verweis auf Zeugen, die vor Gericht erklärt hatten, der Angeklagte habe auf sie seinerzeit zwar benommen gewirkt, sei aber nicht sichtbar getorkelt, verwies der Experte auf die im Lauf der Jahre beim Angeklagten eingetretene Toleranz gegenüber Rauschmitteln sowie auf die zielgerichtete Vorgehensweise des jungen Mannes - von der Verfolgung der Frau angefangen, bis zur Durchführung der Tat. Die Verhandlung wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. (Hedwig Rohde)

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