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Fragen wegen Feldrandpflege

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Von: red Redaktion

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Die Banketten entlang der Feld- und Wiesenwege werden derzeit gemäht, um Unkraut von den Äckern fernzuhalten. © pv

Wetteraukreis (pm). Zu Debatten zwischen Landwirten und Bevölkerung führt derzeit die Pflege der Banketten entlang der Feld- und Wiesenwege. Wie jedes Jahr vor der Getreideernte, fahren die Landwirte mit Schleppern und Mulchgeräten die Wege entlang und schlegeln den Aufwuchs ab, der dabei gleichzeitig zerkleinert wird.

Laut Andrea Rahn-Farr, der Vorsitzenden des Regionalbauerverbands Wetterau/Frankfurt, führt diese Praxis vermehrt zu Nachfragen: »Die Pflegemaßnahmen werden von manchen Menschen kritisch gesehen, weil sie sich um die Erhaltung der Artenvielfalt in unserer Region Sorgen machen. Die Landwirte werden bei der Arbeit angesprochen und nach dem Grund gefragt.«

Die Pflegemaßnahmen dienen laut Rahn-Farr dazu, das Einwandern von Ungräsern und Unkräutern in die Kulturfläche zu vermeiden. »Diese verbreiten sich durch Ausläufer oder durch Aussamen.« Komme es zur Verbreitung dieser nicht erwünschten Pflanzen, bedeute dies einen erhöhten Pflanzenschutzaufwand in der folgenden Kultur.

Beratung vom Kreis

Auch Kreislandwirt Michael Schneller betont: »Die Feldrandhygiene dient dem Schutz der Kulturen. Denn die Beikrautflora kann unter Umständen zur Verbreitung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen beitragen.«

Der Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises berät die Landwirte bei der Durchführung der Arbeiten. Ralf Eichelmann, Fachstellenleiter Agrarförderung und Agrarumwelt, empfiehlt das folgende Vorgehen: »Für Feldrandabschnitte ohne kritische Ungräser oder Unkräuter empfehlen wir spätes Mähen oder Mulchen ab Anfang bis Mitte Juni.« Dann seien früh blühende Kräuter bereits weitgehend verblüht. »Wird nicht oder zu spät gemulcht, übernehmen die Gräser die Oberhand und verdrängen die Kräuter.«

Für die Artenvielfalt sei es gut, wenn kleinflächig versetzt gearbeitet werde, also z. B. gegenüberliegende Wegseiten nicht zusammen gepflegt würden. So entstehe ein Mosaik in der Landschaft, womit die verschiedenen Bedürfnisse der Flora und Fauna erfüllt werden könnten. »Gerade manche Vogelarten des Offenlandes benötigen bereits frühzeitig niedrig bewachsene Flächen für die Futtersuche. Hier sollten gezielt kleine Abschnitte früh gemäht werden«, sagt Eichelmann. Viele Feldvogelarten wie Feldlerchen, Grauammer oder Wachtel legten ihre Nester in Getreideflächen an und nutzten Graswege zu Nahrungssuche. »Wenn diese Graswege nicht zu spät gemulcht werden, stehen sie den Vogelarten zur Nahrungssuche und bei der Feldlerche auch für Zweitgelege zur Verfügung.«

Anders sei es bei Feldrainen. Diese Flächen abseits der Wegeparzellen hätten eine hohe ökologische Bedeutung für die Tierarten der Agrarlandschaften. Hier seien spätere Pflegezeiträume sinnvoll, um Rückzugsräume nach der Ernte der Ackerkulturen zu bieten.

Laut Rahn-Farr wünschen die Wetterauer Bauern sich, »dass es zum gegenseitigen Verständnis beiträgt, wenn die Gründe sowie der Nutzen der Feldrandpflege bekannt sind - für die Landwirtschaft sowie für die Artenvielfalt«.

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