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Freie Wohlfahrtspflege Wetterau formuliert ihre Zukunftsaufgaben

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Symbolische Staffelübergabe: Tatjana Brüggemann übernimmt den Vorsitz der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Wetterau von Christoff Jung. © MARESCH

Fachkräftemangel, Armutsbekämpfung und Abfederung der Kriegsauswirkungen: Die Aufgaben der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Wetterau sind vielfältig, wie sich jetzt zeigte.

Ortenberg (em). Endlich wieder Gespräche in Präsenz, dank der effektiven Lüftungsanlage des Bürgerhauses Ortenberg sogar ohne Masken: Fast genießerisch, auf jeden Fall aber angeregt-kollegial war die Atmosphäre beim Frühlingsempfang der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Wetterau. »Nicht nur die große neue Aufgabe der Hilfe für Ukraine-Flüchtlinge, sondern auch das Dauerproblem Fachkräftemangel ist ein wichtiger Grund zum Netzwerken«, sagte Liga-Vorsitzender Christoff Jung, Leiter der Diakonie Wetterau, eingangs und schob flugs eine Werbung nach: »Es gibt viele und interessante Aufgaben in der freien Wohlfahrtspflege!«

Stephanie Becker-Bösch, Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin, dankte in ihrem Grußwort allen, die zur Bewältigung der Corona-Krise beigetragen hatten. Aber: »Wir kommen aus einer Krise und gehen in die nächste. 3000 Geflüchtete aus der Ukraine sind in die Wetterau gekommen und müssen integriert werden. Sie sind teils kriegstraumatisiert und brauchen Hilfe. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch Geflüchtete aus anderen Krisenregionen auf Solidarität angewiesen sind.« Becker-Bösch warb um Wohnraum und bürgerschaftliche Hilfe für beide Gruppen. Sie informierte über ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs München, das der Vergabepraxis bei freiwilligen Leistungen der Kreise und Kommunen einen weiteren Entscheidungsspielraum einräume. Die Möglichkeiten würden zurzeit noch in der Rechtsabteilung des Kreises geprüft. Auch die Sozialdezernentin nutzte die Chance eines Werbeblocks: Sie lud zur »Tour der Vielfalt« ein, die von 17. Juni bis 10. Juli in sieben Wetterauer Kommunen unterwegs ist. Neben dem Bühnenprogramm können soziale Träger und Initiativen über ihre Arbeit informieren.

Satirische Einordnungen

»Ich sehe hier viele vertraute Gesichter«, freute sich Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring. Dauerthemen der Arbeit seien Armutsbekämpfung sowie die »Erosion von Fachwissen« durch Fachkräftemangel und die Aufgabe, bei jungen Leuten das Interesse an sozialen Berufen zu wecken, betonte sie.

Zum Thema »Zusammenhalt in der Gesellschaft« konnte das Theater ohne doppelten Boden (TheodoBo) in einer Spielszene wahrhaft innovative Konzepte aufzeigen - oder wurden in satirischer Zuspitzung Entwicklungen aufgezeigt, die es abzuwehren gilt? Kein Zweifel, der Beamte (Markus Karger) hat echte Empathie - für die Topfpflanzen auf seinem Schreibtisch, die er eingangs penibel pflegt. Eher gereizt verhält er sich gegenüber einer lästigen Bevölkerungsgruppe, nämlich seinen Klienten, verkörpert durch ein ratsuchendes Ehepaar (Sylvia Oster, Gert Ungermann). Die beklagen sich doch tatsächlich über einen Rückzahlungsbescheid im fünfstelligen Bereich. Dabei ist es so offensichtlich, warum die öffentliche Hand von den beiden einiges zurückfordern will, ja muss: die Kosten sämtlicher Sozialleistungen vom Kindergarten an, die sie zeitlebens genossen haben. Eindeutige Begründung des Beamten: »Sie haben der Gesellschaft lange genug auf der Tasche gelegen!« Überhaupt werden überholte Ausnutzungsbeziehungen endlich aufgelöst, Klarheit geschaffen! Zum Beispiel Mietverhältnisse - der räuberischen Ausbeutung der Immobilienbesitzer durch die Mieter wird ein Ende gemacht und mit einer Mietfortzahlung für die nächsten zwei Jahre das Geschäftsverhältnis sauber beendet. Wo das Ehepaar aber ab jetzt wohnen soll? »Kaufen Sie sich doch ein Haus!« Auch auf die verzweifelte Frage, ob denn nicht die freien Träger der Wohlfahrtspflege Protest einlegen könnten, gibt es Antwort: »Deren Aufgabenfeld ist jetzt klar geregelt. Die machen Brauchtumspflege, Grillfeste und so!« Na dann! Markus Karger hatte diese so schwarzhumorige wie nachdenkliche Szene geschrieben.

Staffelübergabe beim Liga-Vorsitz

Ein aufgerolltes Banner der Liga und einen Staffelstab mit dem Namenszug der Mitglieder Arbeiterwohlfahrt (AWO), Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie und Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband übergab Christoff Jung dann an Tatjana Brüggemann, die turnusgemäß den Ligavorsitz übernimmt. Jung dankte noch seinem Vorgänger in Beruf und Ligavorsitz, Eckehard Sand-rock.

Brüggemann ist Diplom-Sozialarbeiterin, war lange Zeit in der Jugendhilfe des Kreises tätig und wechselte vor zehn Jahren auf den Vorstandsvorsitz des Vereins »Lichtblick«, der Leistungen der Sozial- und Jugendhilfe anbietet. Mit Reimund Becker, dem Kreisvorsitzenden der AWO, steht Brüggemann jetzt an der Ligaspitze. Sie betonte die Vernetzung mit der Liga Hessen, die notwendige kollegiale Zusammenarbeit untereinander und wandte sich an die Sozialdezernentin: »Wir werden auch in Zukunft nicht immer einer Meinung sein, aber wir werden im Dialog gute Lösungen finden!«

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