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Friedberger Seniorenheim-Leiter: Er will Corona draußen halten

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Von: Christoph Agel

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Die Omikron-Variante des Coronavirus bereitet Wigbert Dönni Sorgen. Er hofft, dass sich über Weihnachten niemand zu Hause in den Familien ansteckt.
Die Omikron-Variante des Coronavirus bereitet Wigbert Dönni Sorgen. Er hofft, dass sich über Weihnachten niemand zu Hause in den Familien ansteckt. © Nicole Merz

Seniorenheime sind gerade in Pandemie-Zeiten ganz sensible Orte. Wigbert Dönni, Leiter des Caritaszentrums St. Bardo in Friedberg, spricht über die Vergangenheit und seine Sorge wegen Omikron.

Das Wichtigste zuerst: Im Caritaszentrum St. Bardo Friedberg hat es bisher keinen Corona-Ausbruch gegeben. Anfang Januar wurde erstmals geimpft. »Das ist gut gelaufen, wir hatten es natürlich auch gut vorbereitet«, sagt Wigbert Dönni, Leiter des Seniorenheims. Die Zweitimpfungen folgten vier bis sechs Wochen später, das Boostern war Mitte September an der Reihe.

Dass man sich selbst nach der dritten Impfung nicht entspannt zurücklehnen kann, ist angesichts der jüngsten Entwicklungen bekannt. »Wir sehen mit Sorge auf diese Omikron-Variante«, sagt Dönni und fügt hinzu, worauf er noch mit Sorge schaut: auf Weihnachten. Einige Angehörige wollen ihre Lieben nach Hause holen, gemeinsam das Fest verbringen. »Das kann ich nachvollziehen, aber die Gefahr ist groß«, sagt Dönni mit Blick auf potenzielle Ansteckungen.

Er kann nur hoffen, dass alles gut läuft. Denn die Kontrolle hat er natürlich nur in der Einrichtung selbst. »Wenn die Leute eine Schritt aus unserem Haus raus sind, dann gelten die allgemeinen Regeln.« Dass die nicht immer eingehalten werden, ist ihm klar: »Da wird man in den Arm genommen und es gibt Küsschen auf die Wange.« Einen Meter außerhalb des Seniorenheims werde alles über Bord geworfen. Dönni mag aber nicht nur das Negative betonen. Die meisten Leute hätten Verständnis für die Sicherheitsvorkehrungen. »In der ganzen Zeit habe ich ein einziges Hausverbot aussprechen müssen für jemanden, der sich nicht daran gehalten hat.«

Jeder Besucher benötige jedes Mal einen zertifizierten Test, nicht älter als 24 Stunden. Das gelte auch für Geimpfte inklusive Geboosterte. Alle Bewohner werden laut Dönni einmal pro Woche getestet, alle Mitarbeiter zweimal pro Woche.

Wenige ungeimpfte Mitarbeiter: Jobverlust droht

Apropos Mitarbeiter: Ab dem 16. März 2022 wird die Impfpflicht in bestimmten Bereichen gelten, unter anderem für Mitarbeiter von Seniorenheimen. Wer bis dahin keinen vollständigen Impfschutz nachweisen kann, ist seinen Job los. In St. Bardo gebe es wenige nicht geimpfte Mitarbeiter, sie werden laut Dönni täglich getestet. Er ist gespannt, wie beziehungsweise ob es für sie weitergeht. Falls sie ab dem 16. März weiterhin in dem Seniorenheim arbeiten wollen, müssen sie bald mit dem Impfen starten. Ein vollständiger Schutz entsteht nun mal nicht von heute auf morgen. Die Ungeimpften sind aber die Ausnahme, alle drei Impfungen seien in St. Bardo von Bewohnern und Mitarbeitern sehr gut angenommen worden, sagt der Einrichtungsleiter.

Neben dem medizinischen gibt es den sozialen Aspekt: Als alte Menschen in Heimen - zum Schutz vor Corona - zwischenzeitlich keinen Besuch bekommen durften, wurde über die Einsamkeit geredet. »Das haben wir hier nicht als dramatisch erlebt«, sagt Wigbert Dönni. »Wir haben alles versucht, um trotzdem einen Kontakt zu haben.« Auch wenn es nicht das herzliche Umarmen, das Streicheln über die Hand war, so gab es Videotelefonie oder das Sehen und Hören aus einer gewissen Entfernung. »Unser Haus ist in der glücklichen Lage, dass wir Balkone haben«, sagt Dönni.

Was für das Fest geplant ist

Wie auch sonst in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen sind Veranstaltungen ausgefallen. Zum Beispiel das Oktoberfest, zum Beispiel auch das sonst übliche vorweihnachtliche Candle-Light-Dinner mit Angehörigen. Und was ist mit Weihnachten, also mit den Bewohnern, die die Festtage im Heim verbringen? »Unsere Bewohner kriegen eine Bescherung«, kündigt Dönni an. Aktueller Stand ist, dass am heutigen Heiligabend pro Etage eine Messe abgehalten werden soll - live vor Ort. Im vergangenen Jahr hatte man die Messe vorher aufgenommen und auf den Fernsehern gezeigt. Die Messen für den ersten und den zweiten Weihnachtsfeiertag sind diesmal bereits aufgenommen und können dann über die Fernseher angeschaut werden,

Bald ist das Jahr vorbei, in dem schon vom Freedom Day, vom Tag der Freiheit, dem Ende der Pandemie die Rede gewesen ist, und das dann doch mit den Sorgen wegen Omikron zu Ende geht. Haben die Bewohner Angst? »Natürlich hat jeder Bedenken, jeder von denen hört Nachrichten«, antwortet Dönni. Doch Schwarzmalerei liegt dem St.-Bardo-Leiter fern. Er hofft auf Entspannung im Sommer. »Das wird besser werden, davon bin ich überzeugt.«

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