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Zwei Feste in Friedberg sorgen vorab für Frust

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Von: Jürgen Wagner

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»Was soll das?«, fragt sich Silvia Lesiak. Der VfB plant sein Fest am 1. Mai auf dem Elvis-Presley-Platz, doch die Stadt setzt dem Verein im Rathauspark eine Konkurrenzveranstaltung vor die Nase. © Jürgen Wagner

Silvia Lesiak ist sauer auf die Stadt. Am 1. Mai feiert der VfB Friedberg sein Familienfest auf dem Elvis-Presley-Platz. Und was macht die Stadt? Feiert zeitgleich im Rathauspark den »Markt im Park«.

Friedberg - Der 1. Mai in Friedberg wurde traditionell rund um den Georgsbrunnen in der Burg gefeiert. Wer an diesem Tag unterwegs war, ließ sich hier ebenso blicken wie jene, die einfach nur gute Musik, einen kühlen Schoppen und eine deftige Bratwurst mögen. So ging das viele Jahre, aber die Zeiten ändern sich. Die Burg liegt am Ende der Kaiserstraße, der Elvis-Presley-Platz lockt mehr Leute an. Der VfB Friedberg als Ausrichter des Brunnenfests zog 2019 um und freute sich über viele Gäste. Dann kam Corona. »Und jetzt kommt die städtische Konkurrenz dazu«, sagt Silvia Lesiak.

Die Vorsitzende des VfB-Fördervereins ist sauer: »Wir wollen neue Mitglieder gewinnen und allen Friedbergern einen schönen Tag bereiten.« Während der Pandemie sind den Sportvereinen die Mitglieder davongelaufen. Die Einnahmen aus Getränke- und Essensverkauf (warme Speisen, Salate, Kuchentheke) kann der Verein gut gebrauchen.

Zwei zeitgleiche Feste in Friedberg? „Muss das sein?“

Das Programm könne sich sehen und hören lassen, sagt Lesiak. Am Vormittag sorgt Alleinunterhalter Wolfgang Liebert für stimmungsvolle Momente mit Songs von »Strangers In The Night« bis »Nothing Else Matters«. Am Nachmittag rockt »The 2nd Generation« den Elvis-Platz. Das Trio aus Gießen spielt Rock’n’Roll, Merseybeat, Brit-Pop. Zu hören sind die Hits der Beatles, Rolling Stones und anderer Heroen der klassischen Rock-Ära. Außerdem wird ein Kinderkarussell aufgebaut. Von 10.30 bis 20 Uhr wird am 1. Mai mitten in der Stadt gefeiert.

Wenn da nur die Konkurrenz nicht wäre. Als Lesiak am Samstag vor einer Woche die WZ aufschlug, verschlug es ihr die Sprache. »Mehr Open Air geht fast gar nicht« lautete die Überschrift des Artikels, in dem die Stadt ihr Sommerkulturprogramm vorstellte. Zumindest für den 1. Mai hätte sich Lesiak etwas weniger »Open Air« gewünscht. Im Rathauspark bauen am 30. April und am 1. Mai 20 Anbieter ihre Markt- und Verzehrstände auf (siehe Kasten). Geplant sind unter anderem Live-Musik, ein Stroh-Bad und der Auftakt von »Friedberg zum Anbeißen«.

Friedberg: Türc Gücü hat Interesse an Burgfeld-Bezug

»Muss das sein?«, fragt Lesiak. »Zwei Veranstaltungen zeitgleich? Die Stadt hätte ihren Markt auch eine Woche später veranstalten können. Die Wurst, die im Rathauspark gegessen wird, bleibt bei uns liegen.« Gerne hätte Lesiak frühzeitig mit Bürgermeister Dirk Antkowiak über das Terminproblem gesprochen. Der Vorstand habe im Januar um einen Termin gebeten, der Bürgermeister habe aber erst im April Zeit. Das ärgert Lesiak, denn ihr brennt ein weiteres Problem unter den Nägeln: Die Nutzung des Burgfeldes.

Auf den Sportplätzen am Burgfeld trainieren und spielen die beiden Fußballvereine VfB (Kreisoberliga) und Blau-Gelb (Kreisliga C), außerdem die Leichtathleten vom TSV Friedberg-Fauerbach. Einige Spielklassen höher in der Hessenliga spielen die Fußballer von Türk Gücü Friedberg; Training und Heimspiele finden auf der Sportanlage Eisenkrain in Ober-Rosbach statt. Als ranghöchste Elf im Wetteraukreis würde Türk Gücü gerne aufs Burgfeld umziehen. Als die Mannschaft im November im Hessenpokal den Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden schlug, kamen fast 800 Zuschauer.

Diese Atmosphäre würde Türk Gücü gerne regelmäßig erleben. Aus Sicht von VfB und Blau-Gelb ist der Platz aber so gut wie ausgebucht. Die Trainingsmöglichkeiten auf dem Burgfeld sind begrenzt. Neben den Erwachsenen (beim VfB gibt es auch ein Damenteam) trainieren hier alleine zwölf Jugendmannschaften der JSG Friedberg. Gibt es Zeitfenster für Mannschaften eines weiteren Vereins? Auch darüber muss geredet werden.

Burgfeld in Friedberg: Von Jugendlichen aggressiv bedroht

Es gibt auf dem Burgfeld auch ganz andere Nutzungen: Nachdem die Stadt hier im September 2019 eine Techno-Party organisiert hatte, sei der Trainingsplatz ein Jahr lang nicht nutzbar gewesen, erzählt Lesiak und erwähnt ein weiteres Problem, das ihr unter den Nägeln brennt: Jugendliche mit Migrationshintergrund, die aggressiv reagierten, wenn man sie darauf hinweise, dass der Rasenplatz gesperrt sei und sie diesen nicht betreten dürften.

Lesiak hat selbst eine solche Situation erlebt, weiß von Vereinsmitgliedern, die im Beisein von Kindern angegriffen wurden. Die Stadt, fordert Lesiak, müsse dafür sorgen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen. (Jürgen Wagner)

»Zwei Veranstaltung sind eine Bereicherung für die Stadt«

»Der 1. Mai ist ein Ausflugstag für Groß und Klein, meist werden mehrere Veranstaltungen wandernd oder mit dem Rad besucht. Beide Veranstaltungen werden Friedberg bereichern und ergänzen sich aufgrund unterschiedlicher Schwerpunkte sowie der räumlichen Trennung«, teilt Christine Diegel, Leiterin des Amtes für Soziales und Kultur im Rathaus. Die Stadt freue sich über die Initiative des VfB, ein Mai-Fest auf dem Elvis-Presley-Platz auszurichten und unterstütze dies: Der Platz werde kostenfrei zur Verfügung gestellt, ebenso die Bühne samt Auf- und Abbau. »Wir wünschen dem Verein gutes Gelingen, schönes Wetter und selbstverständlich auch ein gutes Plus für die Vereinskasse, um weiterhin in der Stadt aktiv sein zu können.« Den Termin der städtischen Veranstaltung im Rathauspark habe man dem 1. Vorsitzenden des VfB Friedberg, FDP-Bundestagsabgeordneter Peter Heid, bereits im Herbst 2021 mitgeteilt, teilt Diegel mit. Der »Markt im Park« am 30. April und 1. Mai habe einen anderen Charakter als die Maifeier. Im Rathauspark drehe sich alle um »regionale Genussanbieter«. Diesen wolle man eine Plattform bieten, ihre Angebote zu präsentieren. »Der regionale Einkauf ist ein Thema, dass bei jungen Erwachsenen einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Die Bedeutung für die Zukunft unseres Miteinanders, das Klima, die regionale Markt- und Landwirtschaft ist immens.« Dieses Thema werde neben Musik auch im Rahmenprogramm aufgegriffen, mit der Preisverleihung der »Wetterauer Originale« sowie dem Auftakt zu »Friedberg zum Anbeißen«.

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