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Grüne Damen Wetterau sind startklar

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Von: Hanna von Prosch

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Fast alle der geehrten Grünen Damen und der Grüne Herr sind mindestens fünf Jahre im Verein und aktiv;. rechts: Gründerin Ingeborg Stricker. © Hanna von Prosch

Wie wertvoll Besuch ist, hat sich in der Pandemie noch intensiver gezeigt. Etwa bei Menschen, die im Krankenhaus liegen. Die können sich nun wieder auf die Grünen Damen Wetterau freuen.

Die »Grünen Damen« strahlen wieder: Das liegt nicht nur daran, dass sie voraussichtlich ab dem 3. April wieder ihren Besuchsdienst in den Wetterauer Krankenhäusern aufnehmen dürfen, sondern auch, weil sie reichlich Zuwachs bekommen haben. 24 Personen stehen aktuell zur Verfügung, fünf weitere haben ihr Interesse angemeldet.

Vor einem halben Jahr hatte diese Zeitung über den Mangel an »Grünen Damen« in der Wetterau berichtet. Etliche waren während der Pandemie unter anderem aus Altersgründen abgesprungen. »Auf den Artikel hin meldeten sich zwölf Interessierte. Wir sind ganz begeistert«, freut sich die gerade wiedergewählte Vorsitzende Stephanie Amend. Fünf sind inzwischen aktiv im Dienst, fünf weitere warten darauf, endlich mitgehen zu dürfen, für zwei war es dann doch nicht das Richtige.

Für alle doppeltes Glück

Allerdings war die lange Besuchssperre in den Krankenhäusern eine echte Geduldsprobe für die Neuen. Denn auch der Besuch der Grünen Damen fällt trotz 2G-plus-Nachweis unter diese Vorschrift. Die Pflegedienstleiterin des Bürgerhospitals Friedberg, Simone Peeck, sagt dazu: »Es wäre sicherlich eine Erleichterung gewesen, wenn die Grünen Damen uneingeschränkten Zugang zu den Patientinnen und Patienten hätten haben können. Menschen im Krankenhaus befinden sich immer in einer Sondersituation, und es ist erwiesen, dass der Kontakt zu Angehörigen und Freunden und natürlich auch zu Menschen, die sich ganz allgemein kümmern, in vielen Fällen den Heilungsprozess günstig beeinflusst. In der Pandemie wiederholt Besuchsverbote auszusprechen, ist allen Beteiligten in den Krankenhäusern schwergefallen.« Zu den Covid-Patienten hätten die Grünen Damen aber sowieso nicht kommen dürfen.

Sigrid Fritzel hatte Glück. Sie konnte mit den Stammkräften der Grünen Damen noch alle drei Krankenhäuser kennenlernen, bevor das Besuchsverbot kam. Sie wohnt in Bönstadt und suchte sich das Bürgerhospital aus. »Ich habe sogar schon den Schlüssel für das Zimmer der Grünen Damen. Da haben wir Bücher, Wäsche, Handtücher, Zahnpasta, wenn jemand mal schnell versorgt werden muss. Und unsere grünen Kittel, die uns kennzeichnen«, erzählt sie freudestrahlend.

Die frühere Sparkassen-Angestellte findet die freie Zeiteinteilung toll. Ihr Mann hatte mit den Grünen Damen schon bei einem früheren Krankenhausaufenthalt Kontakt und war begeistert von deren Einsatz. Außerdem hat sich Sigrid Fritzel für das Amt der Schriftführerin im Verein zur Verfügung gestellt: Für alle doppeltes Glück.

Dankbar, etwas weitergeben zu können

Im Krankenhaus wie in Pflegeheimen sind die freundlichen Besucherinnen gerngesehen. Peeck weiß das zu schätzen: »Sie sind einfach da, für Botengänge, zum Zuhören oder auch, um still am Bett zu sitzen. Besonders wichtig ist dies für Patientinnen und Patienten, die keine Angehörigen haben oder deren Angehörige weiter weg wohnen.«

So ist es auch bei einem alten Herrn in der Seniorenresidenz in Bisses. Zu ihm kommt jetzt Sylvia Ramrath aus Wölfersheim. »Mir war an einem intensiveren Kontakt zu einer einzelnen Person gelegen«, erzählt sie. Einmal in der Woche für eine bis eineinhalb Stunden ist sie nach ihrer Arbeit bei ihm. Oft erzählen sie von Hamburg, eine Stadt, die er mag und aus der Ramrath kommt, und sie ermuntert ihn, mit ihr den Gang auf und ab zu gehen. Zuhören, reflektieren, mit Humor motivieren, das mache ihr Freude, bestätigt sie: »Es ist so einfach, anderen etwas zu geben, was nichts kostet; das Lächeln, das der Mensch vielleicht gerade nicht hat. Da stellt sich auch bei mir eine Dankbarkeit ein, dass ich was weitergeben kann, aber auch, dass ich mich für diese Aufgabe entschieden habe.«

Seit 27 Jahren aktiv

Grüner Kittel, grünes T-Shirt, Grüne Damen - Die Idee des freiwilligen Krankenhaus- und Altenheim-Besuchsdienstes entstand 1969 in Düsseldorf. Sie ging zurück auf den Volunteer Service in den USA. Die Grünen Damen Wetterau wurden 1995 in einem privaten Wohnzimmer gegründet. Die Initiative ging von Ingeborg Stricker aus. Sie hatte die ehrenamtlichen, dezent auf den Stationen der Krankenhäuser agierenden Besucherinnen in Wetzlar kennengelernt. Nach zwei Praktika, wie sie erzählt, entstand die Bad Nauheimer Gruppe, die fortan für die ganze Wetterau tätig wurde. Ganz einfach war ihrer Schilderung nach die Vereinsgründung nicht, denn bei so manchen Ämtern stieß sie auf unfreundliche Antworten: »Ach, wieder so ein mildtätiger Verein«, hieß es. Schließlich bot ihr das Amtsgericht Hilfe an und der Verein konnte starten. Inzwischen ist auch ein Grüner Herr in ihren Reihen, der Bad Nauheimer Ludwig Hartmann. Jetzt ist Ingeborg Stricker 27 Jahre im Verein und immer noch aktiv. »Ich mache noch drei Jahre, denn ich will das 30-jährige Jubiläum mitfeiern«, erklärte sie fröhlich, als sie bei der Jahreshauptversammlung im März mit einer Urkunde geehrt wurde. Die Ehrung zum 25-jährigen Jubiläum war wegen Corona ausgefallen. Es gibt noch mehr Grüne Damen, die dieses Jubiläum erreicht haben: Inge Weike, Anne Dietzel, Rosemarie Walther, Gertrud Rollar und Henriette Alberts.

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