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Grüne: Eine bessere Ovag ist möglich

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Wetteraukreis (hed/pm). Diverse (Ex-)Politiker von CDU und SPD geben im Ovag-Konzern und seinen Gremien den Ton an. Für die Grünen und ihre Landtagskandidaten Thomas Zebunke (Wetteraukreis) und Dr. Udo Ornik (Vogelbergkreis) ist das kein Zustand. Kürzlich trafen sie sich in Florstadt, um über die Zukunft des Energieversorgers zu sprechen. Auch einen Antrag für die nächste Verbandsversammlung des Zweckverbands Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) haben die beiden gestellt - der von der schwarz-roten Mehrheit als »populistischer Querschuss« tituliert wird.

Politik : Der Konzern, der den drei Landkreisen Wetterau (51,7 Prozent), Vogelsberg (32,1 Prozent) und Gießen (16,2 Prozent) gehört, sei als Akteur in der Energie- und Wasserversorgung sowie im Nahverkehr ein entscheidendes Element bei der Transformation hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Zukunft, sagen Zebunke und Ornik, der die Grünen-Fraktion im ZOV führt. Die Konzernstruktur passe nicht mehr zu den aktuellen Herausforderungen. Die Vorstandsposten sollten nicht mehr durch Landräte und Beigeordnete besetzt werden, sondern mit »überregional agierenden Fachleuten, die per Ausschreibung gewonnen werden«. Auch sei die Besetzung der Aufsichtsräte mit fast ausschließlich CDU- und SPD-Leuten zu kritisieren, schließlich stelle die Opposition 41 Prozent der Abgeordneten im Zweckverband.

Energiewende : Die Ovag müsse beim regionalen Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der klimaneutralen Versorgung mit Wärme Vorreiter sein. Zebunke: »Wenn Deutschland 2045 klimaneutral sein will, müssen fossile Energien sukzessive aus dem Ovag-Angebot verschwinden.« Dasselbe gelte für das Heizen. Die Kommunen im Verbandsgebiet würden in Sachen kommunaler Wärmeplanung auf Unterstützung durch den Energieversorger warten. »Ein riesiges Betätigungsfeld für die Ovag. Sie muss hier rasch Expertise aufbauen.«

Wasser : Hier plädieren beide Kandidaten für die Gleichrangigkeit von Wasserversorgung und Ressourcenschutz. Laut Ornik ist es neben dem bereits angewendeten Konzept der umweltschonenden Grundwassernutzung gleichermaßen von Bedeutung, den Einsatz von Trinkwasser für industrielle Prozesse, Pools und die Bewässerung von Gärten zu minimieren - einschließlich seiner Verwendung für sanitäre Anlagen. »Es geht auch darum, die Grundwasserreserven vor Schadstoffen zu bewahren und die Neubildung zu fördern.« Fernleitungen müssten saniert werden, um Verluste zu minimieren. »Dafür muss investiert werden. Nötig ist auch eine veränderte Bepreisung gegenüber kommunalen und kommerziellen Abnehmern. Wasser sparen, muss belohnt, Verbräuche, die über den Durchschnitt hinausgehen, müssen entsprechend teuer werden.« In diesem Zusammenhang kritisieren beide Kandidaten die Pläne der Ovag, die Fernwasserlieferungen an Hessenwasser, den Versorger im Rhein-Main-Gebiet, sogar noch zu erweitern.

Nahverkehr : »Verstärktes Kümmern« sei hier nötig, ein besseren Service und mehr Transparenz. Die Fahrgäste beklagten die Zersplitterung in Kreis, VGO, RMV und Dienstleister, sagt Zebunke. »Wir meinen, die VGO muss erste Anlaufstelle bei Problemen werden und sich um deren Behebung kümmern.« Statt den Nahverkehr aus den Kreistagen herauszuhalten, sollte er dort wieder diskutiert werden. Der Trend zu Flatrate-Angeboten wie dem Deutschlandticket müsse einhergehen mit verlässlichen Angeboten. Ein Stundentakt müsse auch im ländlichen Raum drin sein.

CDU und SPD halten Antrag für unnötig

Die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD im ZOV, Karl Peter Schäfer und Matthias Weitzel, sehen die Ovag dagegen bereits als Gestalter der Energiewende und sprechen von »populistischen Querschüssen« durch den Grünen-Antrag. In diesem fordern die Landratskandidaten die Ovag auf, »detaillierte Strategien und Planungen zur Energiewende der Ovag« darzulegen. Diese seien aber Ornik längst bekannt. Erst im März habe die Geschäftsführung des ZOV im Hauptausschusses diese ausführlich vorgestellt. Zwei Beispiele: Der Anschaffungswert (bei jeweiliger 50 Prozent-Beteiligung), den die Ovag in den vergangenen elf Jahren in Solar und landgestützten Wind-Beteiligungen investiert habe, belaufe sich auf rund 20 Millionen Euro, das Anlagevermögen Wind betrage 200 Millionen Euro. Allein von 2011 bis 2020 habe die Ovag eine Leistungserzeugung durch erneuerbare Energien in Höhe von 450 Gigawattstunden pro Jahr aufgebaut. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien soll bis 2025 um weitere 60 Prozent steigen. »Wir verstehen uns als Macher und nicht als Verwalter und sind die Treiber auf dem Energiemarkt«, betonen die Koalitionsvertreter.

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