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Gutachter: Alle Zeugen glaubwürdig

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Von: Barbara Czernek

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Wetteraukreis (bac). Der Missbrauchsprozess um den 51-Jährigen aus dem Kreisgebiet, der vielfach die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin und weitere Kinder schwer sexuell missbraucht haben soll, geht in die Schlussphase.

Die ihm vorgeworfenen Taten sollen sich seit 1996 zugetragen und über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstreckt haben.

Der Psychiater Dr. Jens Ulferts hat bei dem Angeklagten Pädophilie diagnostiziert, allerdings hat er ihm auch volle Schuldfähigkeit bescheinigt (diese Zeitung berichtete). Diese Tatsache dürfte sich erheblich auf das Strafmaß auswirken, sollte der Mann verurteilt werden.

Nun hatte der zweite Gutachter, Dr. Johannes Völler, das Wort. Er hatte die Aufgabe, Glaubwürdigkeitsgutachten über die Zeugenaussagen zu erstellen. Völler, der über 36 Jahre Berufserfahrung verfügt, erläuterte die Grundlagen eines Glaubwürdigkeitsgutachtens. Die Glaubwürdigkeit einer Aussage werde anhand verschiedener Kriterien überprüft.

Hierbei sei zu unterscheiden, ob es sich um eine echte Erlebniserinnerung, eine Fantasiebeschreibung oder um eine Scheinerinnerung handele. Bei einer Scheinerinnerung sei die Befragte fest von einem Geschehen überzeugt, das so jedoch nicht stattgefunden habe.

Allen Zeuginnen, die im Rahmen des Prozesses ihre Erlebnisse mit dem Angeklagten geschildert hatten, bescheinigte der Gutachter die vollständige Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen. Der Grund: Sie alle könnten sich sehr präzise an die Geschehnisse erinnern, obwohl diese Geschehnisse bereits viele Jahre zurücklägen.

»Es genügt oft nur ein solcher Übergriff, um das Leben eines Menschen nachhaltig zu beeinflussen und zu zerstören«, sagte der Gutachter. Daher seien die Handlungsweisen der Hauptbelastungszeugin durchaus nachvollziehbar und würden vollständig ins Bild einer sexuell Missbrauchten passen. Im Detail ging er darauf ein, dass diese - die Tochter der ehemaligen Lebensgefährtin des Angeklagten - Suizidgedanken gehabt habe und sich auch eine Zeit lang selbst verletzt habe, durch sogenanntes Ritzen. »Der körperliche Schmerz ist geringer als der seelische.« Daher verletzten sich die Opfer häufig selbst, wie es diese junge Frau getan habe.

Mit ihr hatte der Gutachter mehrmals längere und ausführliche Gespräche und Tests zu dem Thema Glaubwürdigkeit durchgeführt. Anhand dieser Erkenntnisse zweifele er nicht an ihren Aussagen, da diese im Kern immer konstant gewesen seien.

Dergleichen bestätigte er bei den weiteren Zeuginnen, die den Angeklagten ebenfalls schwer belastet hatten. Für ihn gebe es keinen Zweifel, dass sämtliche Aussagen sich auf Erlebniserinnerungen stützten. Kritische Fragen der Verteidigung über Zweifel an der Glaubwürdigkeit wies er mit Nachdruck zurück.

Der Angeklagte aus dem Kreisgebiet hat bisher zu sämtlichen Vorwürfen geschwiegen. Er hörte dem Gutachter zu, schüttelte häufig mit dem Kopf und grinste einige Male, was den Vorsitzenden Richter Peter Neidel zu der Frage veranlasste, was ihn so amüsiere. Der 51-Jährige mit leichtem Bauchansatz antwortete: »Das stimmt alles nicht. Was soll ich dazu sagen?«

Das Urteil wird für diese Woche erwartet.

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