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»Ich biete dem Stift meine Hand an«

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Von: red Redaktion

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Beate Jakob möchte einen Kontrast zu schnelllebigen Computerbildern schaffen. © pv

Friedberg (pm). Bis in den September noch kann man im Café Kaktus die zarte Kunst von Beate Jakob sehen. Feine Gespinste aus Millionen kaum sichtbarer Striche, die sich oberflächlich betrachtet zu organischen Zellstrukturen fügen. »Das lässt sich nicht fotografieren, man muss nah rangehen, um zu sehen, wie aus kleinsten Atomen ein Großes entsteht«, sagt die Künstlerin.

Zur Midissage der Ausstellung »Alles ist in Bewegung - vom Werden und Vergehen« am Samstag kam es zu einem Dialog zwischen dem Publikum, der Künstlerin und dem Bingenheimer Tom Mühlbauer, der mit seinem ebenso zarten Gitarrenspiel Pausen setzte. Beate Jakob, bis vor Kurzem Friedbergerin, war Kunstglaserin und Glasmalerin, zeigt den Interessierten die profanen Buntstifte, die, einmal fein gespitzt, Stunden halten, denn sie streichelt das Papier zunächst nur und spürt, wie der Stift gedreht werden muss, damit die kurzen Linien scharf bleiben. Allmählich, nach mehreren Tagen, verdichten sich die Strukturen zu einem Bild. Damit setzt sie einen Kontrapunkt zu den schnelllebigen Computerbildern, mit denen man täglich geflutet wird. Beate Jakob ist MBSR-Trainerin, Mindful Based Stress Reduction. Achtsamkeit ist das Schlagwort. Sie bevorzugt das altmodische Wort »Hingabe«, keine Selbstvergessenheit, eher bewusst und konzentriert mit der Umwelt in Kontakt zu sein.

Tom Mühlbauer begann mit zehn Jahren in seinem Oberpfälzer Elternhaus mit der Konzertgitarre. Er lebt und arbeitet in Bingenheim und gründete dort 2021 den Familienbetrieb »Der Feldgarten«, eine Solidarische Landwirtschaft (Solawi) für biologisch-dynamischen Gemüseanbau. Im Gespräch taucht der Gedanke auf, dass auch die Arbeit mit Pflanzen Hingabe verlangt. Und dann schließt sich zufällig der Kreis, denn auch Jakob gärtnert und auch die Kuratorin Su Kyoung Yu gärtnert. Weil es am Tag der Midissage 35 Grad waren, blickten alle gedanklich auf das Gießen am kommenden Tag.

Ansage der Künstlerin und Kuratorin für den Sommer: Im Café Kaktus im gebührenden Abstand zur »verkehrsverseuchten« Kaiserstraße um 18 Uhr den »Sundowner« nehmen und eine Prise hochkarätige Kunst tanken.

Das Café Kaktus ist täglich ab 18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung »Alles ist in Bewegung - vom Werden und Vergehen« von Beate Jakob läuft noch bis zum 5. September.

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Zarte Kunst: Feine Gespinste aus Millionen kaum sichtbarer Striche fügen sich oberflächlich betrachtet zu organischen Zellstrukturen. © pv

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