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Im Einsatz für Natur und Mensch: Friedberger Baumpfleger gibt Einblicke

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Von: Hanna von Prosch

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Martin Götz ist meist selbst auf der Baum-Baustelle. Hier ist er gut gesichert zum Schnitt in die Astgabeln geklettert. © Hanna von Prosch

Hinter dem Begriff Baumpflege stecken viel Wissen und große Verantwortung für Mensch und Natur. Der gebürtige Wöllstädter Martin Götz ist spezialisierter Fachagrarwirt. Wir haben ihn begleitet.

Martin Götz und sein Team sind zur Stelle, wenn Bäume umgestürzt sind, gefällt und oft spektakulär über Häuser hinweg oder durch schmale Gassen geborgen werden müssen. Beim jährlichen Baumschnitt im öffentlichen Raum, im Garten und natürlich für die Beratung ist er gefragt. An dem Tag, als wir uns verabredet haben, gießt es in Strömen. »Wir schneiden gerade in der Frankfurter Straße noch diesen einen Baum, dann brechen wir ab«, sagt Götz. Der Regen gefährde seine Leute. Sie sollten in der Firma noch die Sägen schärfen und dann heimgehen, kündigt der Chef an. Und dann kommt alles anders. Ein Anruf seiner Eltern: ein Astbruch auf der Zufahrt. Wir fahren nach Wöllstadt. Unterwegs erzählt der Friedberger, wie wichtig Alleebäume seien oder Nussbäume im Garten: »Die Bäume sind wie natürliche Klimaanlagen. Sie filtern Staub, Lärm und Hitze. Wenn es nicht notwendig ist, fällen wir keinen Baum. Aber manche Menschen sind durch die heftigen Stürme seit Kyrill 2007 so verängstigt, dass wir sie auch durch Prüfung und Beratung nicht beruhigen können.«

Als wir am Tegut-Parkplatz vorbeikommen, zeigt er auf die Platanen: »Das sind die Bäume aus dem Sprudelhof. Meine Lehrfirma, ein Spezialunternehmen für Großbaumverpflanzung, hat sie mit riesigen Greifern weiträumig mit der Wurzel ausgestochen und hierher verpflanzt.« Die Stadt Bad Nauheim sei vorbildlich, was Neuanpflanzungen und Sicherheitskontrollen angehe. Der trockene Sommer 2018 habe den Bäumen sehr zugesetzt, besonders Birke, Kirsche und Ahorn. Das Holz werde durch Wassermangel spröde und breche leicht.

Mit Funkgerät und Schnittschutzhose

60 Prozent seiner Tätigkeit sind kommunale Aufträge. Daran hat Götz seine Firmenstruktur angepasst, große Spezialfahrzeuge und Maschinen angeschafft. Er beschäftigt elf Mitarbeiter, einen davon für Organisation und Akquise im Büro, was er selbst aber auch macht. Dazukommen drei European Treeworker, also Facharbeiter nach europäischem Standard ausgebildet. Die anderen sind Quereinsteiger und haben die harte Schule des Chefs im Betrieb durchlaufen, denn Baumpfleger ist kein Ausbildungsberuf. »Ich stelle am liebsten Landschaftsgärtner oder Forstwirte ein, weil sie im Grünen zu Hause sind. Aber ich bin mit meinem Team sehr zufrieden«, sagt der Chef.

In Wöllstadt angekommen, zeigt Martin Götz beim Anblick des Astbruchs einer 28 Jahre alten, üppig blühenden, aber schwer nassen Japanischen Zierkirsche ein bisschen schlechtes Gewissen, weil er nicht schon vorher Hand angelegt hat. Das korrigiert er nun innerhalb einer guten Stunde und ordert zuerst das Fahrzeug mit der Hebebühne. Götz selbst rüstet sich mit Spezialschuhen zum Baumklettern, sichert sich durch Seil und Haken. Schnittschutzhose und der Helm mit Visier und integriertem Funkgerät gehören zur Standardausrüstung des Teams. Während sein Mitarbeiter mit der Hebebühne in den Baumwipfel fährt und dort die Äste kräftig zurückstutzt, klettert Götz wie ein Eichhörnchen von Ast zu Ast und schneidet große Teile mit der Motorsäge ab. »Wir müssen den gesamten Baum entlasten. Wenn ein Ast wegbricht, verändert sich auch die Krone«, erklärt er.

Technik für eine halbe Million Euro

Am Ende liegen etwa 20 Prozent des Prachtexemplars am Boden. »Der Baum schätzt das jetzt sehr. In der Vegetation kann er schnell die Wunden schließen, bei Frost wäre das schlimmer«, versichert er dem Vater. Und während dieser meint, er habe nun Aufräumarbeiten zu erledigen, präsentiert der Sohn seine neueste Errungenschaft: Einen Kran-Lkw mit Bediener-Kabine und Schneide-Greifzange zum Abtransport des Schnitts aufs Firmengelände, wo dieser nachhaltig verwertet wird.

»Jetzt war Technik für eine halbe Million Euro im Einsatz«, macht der Baumpfleger deutlich. Den Kunden kostet so etwas rund 750 Euro netto. Gut angelegtes Geld, meint Götz, denn Unfälle gebe es reichlich, wenn man nicht fachgerecht zu Werke gehe. Für Götz und sein Team sind einwandfreies Gerät und höchste Sicherheit für sich selbst und andere oberstes Gebot. »Meine Mitarbeiter sind mein höchstes Gut«, sagt der Chef und schickt sie in den trockenen Feierabend.

Auf was es in dem Job wichtig ist

Was muss ein Baumpfleger mitbringen? Interesse an Natur und Bäumen und Lust, stets draußen zu arbeiten, sagt Martin Götz. Idealerweise sollte man eine Ausbildung zum Forstwirt oder Landschaftsgärtner absolviert haben. Eine Ersthelferausbildung ist Voraussetzung. In der betrieblichen Praxis werden unter anderem vermittelt: Baumkunde, das Einschätzen von Bäumen und Schadstellen und ein Gespür dafür, was dem Baum guttut oder schaden könnte, Bedienen der Maschinen und Fahrzeuge, Sicherheitsverhalten. Ein Kletterkurs wird bei einem externen zertifizierten Unternehmen absolviert. Einmal jährlich müssen Baumkletterer eine Rettungsübung machen und auf die Maschinen eingewiesen werden. Einen guten Fachbetrieb erkennt man an der Fachkunde der Mitarbeiter. Hierfür gibt es in Deutschland zwei Abschlüsse, die relevant sind: den Fachagrarwirt Baumpflege und den European Treeworker.

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