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Im Notfall drohen leere Swimmingpools und trockene Gärten

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Von: Jürgen Wagner

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Wasserknappheit? Dieser Herr würde wohl antworten: Wo ist hier Wasser knapp? Mein Pool ist voll! Kommt es zum Trinkwassernotstand, kann die Stadt Friedberg künftig Verbote aussprechen. Dann ist mancher Pool bald leer. © Imago Sportfotodienst GmbH

Der Sommer wird heiß, das Trinkwasser wird knapp. In Friedberg wird gerade eine neue Gefahrenabwehrverordnung erarbeitet. Bei Verstößen drohen drohen Bußen bis zu 5000 Euro.

Swimmingpools liegen im Trend. Der Nachbar hat auch einen. Die Anschaffung soll günstig gewesen sein. Prospekte von Discountern und Baumärkten zeigen: Schon für 99,99 Euro kriegt man einen Pool »aus strapazierfähigem Polyester und PVC« mit einem Fassungsvermögen von 7480 Liter. Der »spontane Badespaß« ist günstig, kommt der Umwelt aber teuer. Die Wasserampel der Ovag steht seit zwei Jahren auf Gelb (»mässige Grundwasserverfügbarkeit«). Bald dürfen Pools in Friedberg nicht mehr befüllt werden.

Was tun gegen die Trinkwasserknappheit? Appelle sind ein Mittel, ein anderes sind Verbote. Die Stadtverwaltung hat eine Gefahrenabwehrverordnung über die Einschränkung des Verbrauchs von Trinkwasser bei Notständen in der Wasserversorgung« erarbeitet. Am Mittwochabend wurde im Ausschuss für Energie, Wirtschaft und Verkehr an letzten Details gefeilt. Am 14. Juli soll im Stadtparlament die Beschlussfassung folgen.

Reicht das vom Wasserversorger bereitgestellte Trinkwasser nicht für das Stadtgebiet, kann die Stadt den Notstand ausgerufen. Dann setzt es Verbote. Über einzelne dieser Verbote wurde im Ausschuss diskutiert, kleinere Veränderungen wurden vorgenommen. Verboten wird das Bewässern öffentlicher Parks sowie privater Gärten, »soweit die Bewässerung nicht zur Abwehr bleibender Schäden zwingend erforderlich ist«. Doch wann darf diese »Abwehrbewässerung« vorgenommen werden? Statt zwischen 10 und 20 Uhr heißt es nun zwischen 8 und 20 Uhr. Es ist im Sommer ohnehin ratsam, vor oder kurz nach Sonnenaufgang den Garten zu gießen, nachher steigt die Verdunstungsrate. Ausgenommen von diesem Verbot ist die Bewässerung von Obst- und Gemüsepflanzen. Es könne nicht angehen, dass Kleingärtner gezwungen seien, ihre Gärten kaputtgehen lassen »und wir das Gemüse mit Lkw aus Spanien herankarren«, sagte Gunther Best (CDU).

Grüne wollen früher handeln können

Verboten wird das Bewässern von Rasen. Springbrunnen dürfen nicht mehr betrieben, Teiche und Swimmingpools nicht mehr befüllt werden. Es gibt Einschränkungen bei der Bewässerung von Sportplätzen, bei der Autowäsche zuhause und beim Betrieb von Autowaschanlagen: Die müssen schließen, sofern nicht durch Kreislaufführung oder andere Sparmaßnahmen weniger als 30 Liter pro Fahrzeug verbraucht werden.

Gewerbliche Einrichtungen wie der städtische Bauhof sind von vielen Regelungen ausgenommen. Aber der Bauhof habe für viele Bürger eine Vorbildfunktion, hieß es in der Sitzung. Es soll vermieden werden, dass sich die Zeiten überschneiden. Auch wer wann eine Ordnungswidrigkeit begeht, ist in der Verordnung aufgelistet. Im Falle eines Verstoßes droht eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro.

Der Fachausschuss hat den Entwurf der Gefahrenabwehrverordnung samt Änderungen einstimmig beschlossen. Die Grünen hätten gerne eine weitere Bestimmung aufgenommen. Dr. Martin Saltzwedel verdeutlichte die dramatische Lage: Kein anderes Land auf der Welt verliere soviel Trinkwasser wie Deutschland. Die Wasser-Ampel der OVAG zeige schon lange die Warnstufe »Gelb«. Doch was ist damit gewonnen? »Wir haben Wasser nicht im Überfluss, aber Pools werden befüllt und Rasen bewässert.«

Die Grünen haben daher eine zweistufige Verordnung vorgeschlagen, mit einer zusätzlichen Stufe »Trinkwasserknappheit«. Die Stadt solle nicht erst handeln, wenn es zu spät ist, führte Saltzwedel aus.

Für die Stadt ist wichtig, dass die Satzung rechtssicher ist, sagte Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf. Prävention seien wichtig und richtig, gehöre aber nicht in eine Gefahrenabwehrverordnung. Der Grünen-Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Schlerf erwähnte die Plakataktion der Stadt Frankfurt, um auf Wasserknappheit aufmerksam zu machen. Stadtwerke-Geschäftsführer Detlev Ihl sagte, die Wasserampel auf der Internetseite werde mit Zahlen unterfüttert. Damit der tatsächliche Verbrauch deutlich wird. Gemeinsam mit der OVAG erarbeiten die Stadtwertke ein kommunales Wasserkonzept.

Bürger sollen Zisternen anlegen

Eine Plakataktion ist auch in Friedberg denkbar. Ob das reicht? Saltzwedel: »Eine erste Maßnahme wäre, wenn die Leute keine Pools mehr kauften.« Den Leuten müsse klar sein, dass sie die Pools bald nicht mehr befüllen können. Dr. Reinhold Merbs (FDP) unterstrich, Wasser sei keine unendliche Reserve: »Wir werden rationieren müssen.« Bürgermeister Antkowiak rief die Bürger auf, Zisternen zu bauen und Regenwasser für den Garten aufzufangen.

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