1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Friedberg

Jeder gibt seinen Senf dazu

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hanna von Prosch

Kommentare

koe_KVFB_Ripka_Hassemer__4c
Intensiver Austausch: Peter Ripka und Hilli Hassemer realisieren in Friedberg ihre erste gemeinsame Ausstellung. Hier mit Kuratorin Wiebke Kirchner-Cherubim (r.) im Eröffnungsgespräch. © Hanna von Prosch

Friedberg (hms). Seit 20 Jahren geben das Künstlerpaar Hilli Hassemer und Peter Ripka aus Düsseldorf ihren jeweiligen Senf zur Kunst und beflügeln sich damit gegenseitig. In Friedberg ist ihnen ihre erste gemeinsame Ausstellung gelungen. Sympathisch, ideenreich, witzig präsentierten sie sich bei der Vernissage am Freitag.

Der Vernissage vorgeschaltet war ein Theaterstück in der Stadtkirche. »Nipple Jesus« von Carlos Garcia-Piedra gespielt nach Nick Hornby, beschäftigt sich auch mit Kunst. Ein Museumswärter wird zur Bewachung eines Kunstwerks abgestellt und beginnt, sich mit Kunst auseinanderzusetzen.

Wie man Kunst individuell aufnimmt, das konnten die zahlreichen Gäste der Vernissage anschließend in den Räumen des Kunstvereins für sich entscheiden. Bei den vielen farbigen Eindrücken, unterschiedlichen Formaten und Strukturen der Bilder von Hilli Hassemer und den konkreten, persönlich ansprechenden Holzfiguren von Peter Ripka fiel die Auswahl des oder der Lieblingswerke schwer.

Ripka ist Holzbildhauer und Keramiker. Aber erst seit 20 Jahren. Zuvor war er als Grafik-Designer selbstständig. Sich so viele Jahre als Dienstleister verstanden zu haben, sei jetzt für seine Auftragsarbeiten hilfreich, sagt er. »Es macht mir Freude, wenn Auftraggeber spezielle Wünsche haben und ich kann mit ihnen in einen Dialog kommen«, erzählt er im Gespräch mit Kuratorin Wiebke Kirchner-Cherubim. Auf die Frage, was den Anstoß gab, sein künstlerisches Talent zu verfolgen, antwortet er einfach: »Hilli«.

Sie, Hilli, ging von Anfang an den Weg der Kunst, studierte zunächst Kunsterziehung und Germanistik in Mainz und schloss das Studium der Malerei in Nîmes und Düsseldorf an. Der Titel der Ausstellung »Dein Senf - Mein Senf!« beschreibt wunderbar, dass es sich bei beiden um unterschiedliche Kunstrichtungen, deren Aspekte und Ausführung, aber auch Herangehensweisen handelt. Die Senftstadt Düsseldorf stand dabei Pate. Überhaupt ist die Titelsuche vielfältig. Mal entspringt der Titel dem Bild, mal ist es ein Zitat oder ein pfiffiger Ausspruch, der die beiden inspiriert, und meistens ist er humorig.

»Ist der Körper Schlafsack meiner Seele?« oder »Verflossen und Verlaufen« oder eine Liedzeile von Leonard Cohen geben Anlass zu Deutungen. Ripkas Holzskulpturen, mit der Kettensäge aus unterschiedlichen Hölzern geboren, erklären sich selbst: »Kleiner-Großer«, »Ikarus« oder »Langbein«.

Etwas Besonderes ist die Doppelhand aus Bronze »Geben und Nehmen«. »Dein Senf - Mein Senf!« taucht bei beiden auf - es kommt eben auf die jeweilige Sichtweise an.

Ripka ist ein feiner Beobachter von Menschen und Bewegungen. Gesten, Gesichter, Situationen interessieren ihn und er setzt sie, nicht fein poliert, sondern grob hölzern und doch detailgenau und charakterstark um. Seine kleinen Männchen sitzen auf Augenhöhe, stehen auf einem Stamm, der die Bearbeitungsspuren der Kettensäge trägt, oder schlagen die Beine übereinander. Er nimmt seine Umgebung schmunzelnd war, wie die klobigen High Heels, die so niemand anziehen möchte. Auch seine Keramiken folgen dem Material und tragen Titel wie »Freund« »Catwalk« oder »Was denkt Jogi?«

Hassemer sucht in ihren Bildern nicht die Perfektion, sondern gerade das Unvollkommene. Das findet sie zum Beispiel im Muster des geflickten Asphalts. »Ich arbeite mit Fehlern, finde sie im Verlauf der Farbe, in Bläschen und Verdickungen. Auch ein gestopfter Strumpf hat seine individuelle Geschichte«, erzählt sie. Dabei ist der Entstehungsprozess eine großen Bildes anstrengend und langwierig: Sie muss die Leinwand drehen, damit die Farbe nicht aus dem Bild herausläuft, jede der unendlich vielen Tropfenbahnen wird gelenkt. Die Gitterstrukturen ihrer Bilder machen das Natürliche deutlich. Wenn man genauer hinschaut, entdeckt man, was dahintersteckt. Eine entspannende und anregende Ausstellung, zu der jeder seinen Senf gedanklich und im Gästebuch dazugeben kann.

koe_KVFBSkulpturen_17032_4c
Rita und Rosa heißen die High Heels aus Nadelholz. Bequem sind sie sicher nicht. © Hanna von Prosch
koe_KVFB_Kunstwerle_1703_4c
Feine Gitterstrukturen, große Farbflächen von Hilli Hassemer ergänzen sich mit den charakterstarken Holzskulpturen Peter Ripkas. © Hanna von Prosch
koe_Mein_Senf__Foto_hms__4c
»Dein Senf - Mein Senf«: Dieses Bild gibt der Ausstellung ihren Namen. © Hanna von Prosch

Auch interessant

Kommentare