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Kahle Stellen am Winterstein verschwinden

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Eine kahl geschlagene Waldfläche am Winterstein ist für eine Wiederaufforstung vorgesehen. Nach drei Dürrejahren sind nicht nur hier Aufforstungsarbeiten im Gang, sondern in vielen Waldgebieten hessenweit. © DPA Deutsche Presseagentur

Dürre, Käfer und Stürme haben dem Wald in Hessen schweren Schaden zugefügt. Auch am Winterstein in der Wetterau. Bevor neue Bäume gepflanzt werden können, steht die Frage: Wie viel Wasser werden sie künftig an ihrem Standort vorfinden?

Holzstäbe auf einer kahlen Waldfläche markieren die Stellen, wo bald Spitzahorn und Flatterulme wachsen sollen. In den nächsten Tagen werden die jungen Bäume hier, am Winterstein, in den Boden gesetzt. Nach drei Dürrejahren sind hessenweit Aufforstungsarbeiten im Gang. Bis Ende des Jahres soll der Staatswald mit 5,5 Millionen neuen Bäumchen bestückt sein.

»Wir pflanzen aktuell über 20 verschiedene Baumarten, um den Mischwald der Zukunft vielfältig und anpassungsfähig aufzustellen«, sagt Michelle Sundermann, die Sprecherin des Landesbetriebs Hessen Forst. Die 5,5 Millionen Jungbäume reichen, um etwa 1500 Hektar aufzuforsten - die geschädigten Areale im Staatswald sind allerdings deutlich größer. Sundermann zufolge sind seit 2018, dem ersten von drei Trockenjahren in Folge, rund 30 000 Hektar Freiflächen entstanden, etwa neun Prozent der Gesamtfläche.

Das Aufforsten ist eine Mammutaufgabe. Und kostspielig: Hessen Forst rechnet mit fünf Euro pro gesetztem Baum, bis er aus dem Gröbsten heraus ist. Auf den seit 2018 entstandenen Schadflächen seien bislang elf Millionen Bäumchen gepflanzt worden. Dafür habe das Land mehr als 20 Millionen Euro Sachkosten investiert.

Nachwachsen der Natur überlassen

Nicht jede Fläche müsse aber komplett neu bepflanzt werden. Am liebsten arbeite man auch mit der natürlichen Waldverjüngung. »Aber insbesondere dort, wo vorher großflächig nur Fichten standen, müssen wir jetzt verschiedene Baumarten einbringen, damit sich hier nicht wieder nur die Fichte verjüngt.« Das Nachwachsen überlasse man der Natur da, wo sich ein Wald entwickele, der standortgerecht und an das erwartete Klima der Zukunft angepasst sei. »Wir wollen diese Naturverjüngung auf etwa der Hälfte der aktuellen Schadfläche im hessischen Staatswald nutzen«, sagt Sundermann.

Im Gebiet des Forstamts Weilrod, zu dem auch der Winterstein gehört, müssen 1400 Hektar aufgeforstet werden. »Wir brauchen ungefähr zehn Jahre, bis wir alle Freiflächen wiederbewaldet haben«, sagt Forstamt- und Hessen Forst-Mitarbeiter Thomas Götz. Dafür sind insbesondere externe Firmen im Einsatz. Um zu entscheiden, welche Baumarten in Zeiten des Klimawandels angesiedelt werden können, setzen die Forstleute auf aktuelle Prognosen, wie viel Wasser die Bäume künftig an einem bestimmten Standort zur Verfügung haben.

»Die Bäume, die wir heute pflanzen, die sollen noch in 50, 80 und 100 Jahren möglichst stabil stehen«, sagt Götz. Die Förster nutzen dabei standortgenaue Karten, auf denen der prognostizierte Geländewasserhaushalt und das Potenzial für verschiedene Baumarten eingezeichnet sind. »Je roter, desto trockener«, erklärt Götz die Farbskala. Wo es künftig beispielsweise für den Bergahorn zu trocken sein dürfte, könnte die Traubeneiche noch gedeihen.

Mehrere Kahlstellen am Winterstein werden derzeit für die Wiederbepflanzung vorbereitet. Die Platzhalter-Holzstäbe unter anderem für Spitzahorn und Flatterulme stecken auf einer 1,4 Hektar großen Baumstumpf-Brache im Boden. Hier standen einmal Fichten. Götz zufolge wird ein Standort jeweils mit vier Baumarten aufgeforstet, die als geeignet gelten, einen klimafesteren Wald zu bekommen. Hinzu kommen jene Arten, die sich von alleine ansiedeln. Klar sei: »Wir wollen keine Monokulturen mehr.«

Hin und wieder bekommt die Forstverwaltung Unterstützung von Freiwilligen: Am Winterstein etwa will ein lokales Unternehmen in den nächsten Tagen junge Rot-Erlen in den Boden einbringen, die zu kleinen Bündeln gepackt schon an der vorgesehenen Stelle bereit liegen. Rund um den Internationalen Tag des Waldes am 21. März finden hessenweit auch Pflanzaktionen der Forstämter statt, zu denen sich Interessierte anmelden können.

Fürs Anwachsen brauchen die frisch gesetzten Bäumchen viel Wasser und wenig Wild, das sich an ihnen zu schaffen macht. Der Regensommer 2021 habe sich auf den Waldnachwuchs sehr positiv ausgewirkt, sagt Sundermann. Die Jungbäume hätten gut anwachsen können. »Auch den älteren Bäumen hat der umfangreiche Niederschlag und die ausbleibende Hitze gut getan. Allerdings sind viele Bäume durch die Hitze und Trockenheit der Vorjahre so stark geschädigt, dass ein nasser Sommer für eine vollständige Regeneration bei weitem nicht ausreicht.« Insgesamt, so Sundermann, sei der Zustand des hessischen Waldes weiterhin besorgniserregend - aber keineswegs hoffnungslos. »Der Wald wird sich regenerieren und an veränderte Klimabedingungen anpassen können.« Aber das brauche Zeit.

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