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Kampf mit den Tücken des Alltags

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Von: Gerhard Kollmer

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jw_thea5_070323_4c © Gerhard Kollmer

Friedberg (gk). Im April 2017 beschloss die Kultur AG des Theaters Altes Hallenbad, ihr »Kulturtaucher«-Programm um die Reihe »Theater für junges Publikum - Starke Stücke« zu erweitern. Seitdem werden jährlich sechs Aufführungen für Kinder zwischen etwa drei und zehn Jahren gezeigt.

Es war ein glücklicher Einfall. Denn der Kultur AG ist es in den letzten sechs Jahren gelungen, eine Anzahl von hochkarätigen Profis der internationalen Kindertheaterszene nach Friedberg zu holen.

So auch in diesem Jahr. Am vergangenen Freitagvormittag war der israelische Figurenspieler Ornan Braier aus Jerusalem zu Gast, um in zwei 50-minütigen Auftritten seinem jungen Publikum die großartige, von ihm erdachte und konstruierte »little love machine« vorzuführen. Der jeweils lang anhaltende Beifall zeugte davon, dass er dabei voll ins Schwarze traf.

Ein alter Wecker klingelt. Aus einem Kasten, an dem zwei Fahrradreifen, undefinierbare Knöpfe und Anzeiger befestigt sind, schiebt sich tastend ein Fuß hervor und versucht den Wecker zum Schweigen zu bringen - was misslingt. Gähnend hat sich schließlich der zum Fuß gehörige Mann im gestreiften Pyjama aus dem für ihn viel zu engen Kasten gewunden.

Nun beginnt ein clownesker Kampf gegen die »Tücken des Objekts«. Tausendmal eingeübte Verrichtungen misslingen: Der Wasserkessel wird nicht heiß; die zerschlissene frackartige Jacke des Mannes, der nur mit Gesten »spricht«, erweist sich als stark verschmutzt.

Erstes Highlight des Auftritts ist die ebenfalls mißlingende Reinigung der Jacke in der »Waschmaschine«. Durch zwei Bullaugen an der Vorderseite des Kastens kann man den Waschvorgang als Film beobachten. Die Jacke wird zwar sauber, ist aber auf Teddybärformat eingelaufen. Ein erneuter Waschversuch, bei dem der Kopf des Mannes wie durch Zauberhand in die Maschine gerät, hat ihm nun eine viel zu große Jacke beschert. Die Begeisterung des jungen Publikums wächst unaufhaltsam.

Kochkessel wird zur Lokomotive

Was auf der Bühne abläuft, ist in keinem Augenblick albern, sondern kreativ und entführt uns unaufhaltsam in ein buntes Zauberreich der Fantasie, in dem nichts mehr unmöglich scheint.

So mutiert der Kochkessel zur dampfenden, schnaufenden Lokomotive eines fahrenden Zuges, der Film durch die »Bullaugen« zu sehen ist. Nicht nur hier fragt sich zumindest der erwachsene Gast (für den die Aufführung ebenso mitreißend ist wie für die Kleinen), wie Braiers Gags technisch funktionieren. Der Zauberkasten ist nämlich nicht mit Hightech-Geräten bestückt, sondern - leer.

Im Unterschied zu aufwendig gemachten Zeichentrickfilmen im TV ist Braiers »love machine« das ideale Gefährt, um kindliche Einbildungskraft zu beflügeln. Viel zu schnell ist die mit viel Beifall bedachte Ein-Mann-Show Ornan Braiers vorbei. Wie lang er an seiner Maschine, über deren Geheimnisse er nichts preisgeben will, gearbeitet habe, will ein Junge wissen. Etwa zwei Jahre, sagte der israelische Traumkünstler. Er arbeite ständig daran, sie zu verbessern und sich neue Gags einfallen zu lassen. Viel Erfolg dabei!

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